Acht Thüringer erzählen über die Bedeutung der Ostertage aus Sicht ihres Glaubens

(Foto: Bernd Kasper/pixelio.de)
 
Pfarrer Thomas Kratzer, evangelische-lutherische Kirche Arnstadt (Foto: Jana Scheiding)
 
Pastor Mike Sia, Internationale Missionsgemeinde Erfurt (Foto: Helke Floeckner)
 
Erzpriester Mihail Rahr, Russisch-orthodoxe Kirche Maria Magdalena, Weimar (Foto: Thomas Gräser)

Katholische, protestantische und orthodoxe Christen sowie Christen aus freikirchlichen Gemeinden feiern zu Ostern die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, wenn auch mit ganz verschiedenen Riten. Als Vorläufer von Ostern gilt das jüdische Pessachfest. Es soll an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei erinnern. In diesem Jahr fällt es mit dem christlichen Osterfest zusammen.
Acht Männer aus unterschiedlichen Thüringer Glaubensgemeinschaften und Gemeinden erzählen, wie die Ostertage bei ihnen begangen werden - ein Fest mit Wein, Weihrauch, Prozessionen oder auch Chris de Burgh.

Propst Hartmut Gremler, Katholisches Propsteipfarramt St. Marien in Heiligenstadt:
Die Katholiken feiern in der Osternacht einen festlichen Gottesdienst. Es ist eine Feier des Lebens. Jesus hat durch seine Auferstehung den Tod besiegt. Nach der dunklen Zeit beginnt etwas Neues. Oft, auch bei uns, treffen sich die Menschen nach der Osternachtsfeier im Gemeindehaus und lassen die Nacht bei Wein und Ostereiern ausklingen. Wird die Feier in der Frühe gehalten, schließt sich ein Osterfrühstück an. Traditionell werden am Abend Osterfeuer entzündet. Einmalig ist bei uns im Eichsfeld die Palmsonntagsprozession, mit der die Karwoche vor Ostern beginnt. Sie zieht Jahr für Jahr Tausende katholische und evangelische Christen nach Heiligenstadt. Das Besondere sind die überlebensgroßen Figuren. Sie stellen Jesus in den einzelnen Stationen seines Leidens dar. Seit mehr als 400 Jahren gestalten Gläubige diesen Zug.
Am Karfreitag gibt es in Heiligenstadt noch den Gang zum Dünkreuz um 18 Uhr. Auf dem Weg werden die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz betrachtet. Der Dün ist ein Höhenzug, auf dem ein großes Kreuz steht, das von Palmsonntag bis zum Weißen Sonntag, also in der Karwoche und Osterwoche, in der Nacht beleuchtet ist, so dass jeder, der an Heiligenstadt vorbei fährt, das Kreuz sehen kann. Die Errichtungg des Kreuzes war nach dem Zweiten Weltkrieg als Dank der Heimkehrer für eine gesunde Heimkehr und das Ende des Krieges.


Pfarrer Thomas Kratzer, evangelische-lutherische Kirche Arnstadt:
Für uns ist Ostern das höchste Fest im gesamten Kirchenjahr. Das beginnt am Donnerstag mit einem Tischabendmahl im Gemeindehaus. Die Gemeindemitglieder singen und beten gemeinsam am Tisch – ähnlich wie auf dem berühmten Bild „Das Abendmahl“. Karfreitag gibt es eine Morgenandacht in der Bachkirche. Um 15 Uhr ist Jesus gestorben. Dessen wird mit einem Konzert zur Sterbestunde in der Bachkirche gedacht. Der Karfreitag ist der stille Tag, ab 15 Uhr gibt es weder Glocken, noch Altarschmuck oder Kerzen. Am Sonntag um 6 Uhr feiert die Gemeinde die Osternacht in der Liebfrauenkirche.
Im Morgengrauen hatten sich die Frauen auf den Weg zu Jesus‘ Grab begeben, um ihn zu salben. In der Kirche wird gebetet und gesungen – gemeinsam mit dem Bach-Chor und dem Singkreis Arnstadt. Außerdem finden eigens zwei Taufen statt.


Pastor Mike Sia, Internationale Missionsgemeinde Erfurt:
Die Internationale Missionsgemeinde Erfurt ist eine freikirchliche Gemeinde. Die Mitglieder gehören verschiedenen Nationalitäten an, wir alle haben den Glauben an den Herrn Jesus Christus als Erlöser der Welt. Deshalb ist auch für uns Ostern der höchste Feiertag. Wir feiern das Osterfest als Erinnerung daran, was unserem Herrn geschehen ist. Er ist in diese Welt gekommen, um uns Menschen zu retten, von unseren Sünden zu erlösen. Am dritten Tag nach seiner Kreuzigung ist er wieder auferstanden, das war am Morgen des Ostersonntags. Wir wissen: "Jesus lebt". Einige aus unserer Gemeinde fasten in den drei Wochen bis zum Osterfest, um zu verzichten und auch ein klein wenig die Gedanken an sein Leiden wachzuhalten. Es ist unsere Art der Ehrerbietung. Am Gründonnerstag treffen wir uns, um miteinander zu singen, innezuhalten und gemeinsam das Abendmahl zu feiern, als Erinnerung an Jesus Christus teures Blut, das er für uns gegeben hat. Am Freitag kommen wir wieder zusammen, zum gemeinsamen Gebet. Der Ostersonntag ist der wichtigste Tag für uns, wir treffen uns am Nachmittag zu einem Gottesdienst, um die Auferstehung des Herrn zu begehen. Das verbinden wir mit dem Ende des Fastens und mit einem Beisammensein unserer Mitglieder.


Pastor Dirk Hochsprung, Baptisten-Gemeinde Ilmenau:
Karfreitag und Ostern sind für uns die bedeutsamsten christlichen Feiertage. Wir feiern sie ähnlich wie evangelische und katholische Christen, mit denen wir im Glauben an Christus den Gekreuzigten und Auferstandenen sehr verbunden sind. Am Karfreitag gibt es 10 Uhr eine Andacht mit Abendmahl sowie Musik und Texten zur Erinnerung an das Sterben von Jesus für unsere Schuld. Wir singen mitunter alte Choräle aber überwiegend moderne Lieder. An diesem Karfreitag ist ein CD-Song von Chris de Burgh über die Begegnung zwischen Jesus und Simon von Kyrene als "Präludium" geplant. Am Ostersonntag frühstücken wir ab 9.15 Uhr gemeinsam im Gemeindesaal. Anschließend gibt es Musik und ein paar Impulse für alle Generationen zum Fest der Auferstehung. Zum Abschluss dürfen die Kinder kleine Osterkörbchen suchen, in Anlehnung an Maria, die Jesus am Morgen seiner Auferstehung einst im Garten gesucht hat. Jeder Interessierte ist herzlich willkommen.


Erzpriester Mihail Rahr, Russisch-orthodoxe Kirche Maria Magdalena, Weimar:
Für die orthodoxen Christen ist Ostern das Fest der Feste. Die Menschen sind freundlich, begrüßen sich mit drei Küsschen und den Worten: Christus ist auferstanden. Geantwortet wird mit: Er ist wahrhaftig auferstanden.
In der orthodoxen Kirche wird die Osternacht besonders zelebriert. Bereits am Samstagabend versammeln sich die Gläubigen in noch dunklen Kirchen. Um Mitternacht verkünden die Glocken die Auferstehung Christi. Kerzen erleuchten die festliche Prozession einmal um die Kirche. Das Gotteshaus füllt sich mit Licht und Freudengesang bis zum Morgengrauen.
Das Samstags-Ritual ist in Weimar nicht möglich. Die Kirche der heiligen Maria Magdalena auf dem historischen Friedhof wurde als Grabkapelle für Großherzogin Maria Pawlowna errichtet. Sie ist viel zu klein für eine derartige prachtvolle Zeremonie. Hier treffen sich die Gläubigen am Ostersonntag – in Russland auch der „Helle“ oder „Erleuchtete“ genannt - zum feierlichen Morgenamt und zur Prozession.
Danach kommen die Menschen, in Familie und mit Freunden an Tischen um die Kirche zusammen. Es gleicht einer Volksfeststimmung. Aufgetischt werden auch bunte Eier, Kulitsch – ein zylinderförmiger Osterkuchen mit Zuckerguß und Páskha – eine süße Quarkspeise. Da kann sich schon mal diese 200-köpfige Thüringer Gemeinde verdoppeln. Übrigens: Gefeiert wird Ostern in der Russisch-Orthodoxen Kirche nach dem alten Julianischen Kalender, also 2015 am 12. April.


Metropolit Mor Severius Moses, Antiochenisch Syrisch-Orthodoxe
Kirche, Kloster St. Gabriel, Altenbergen:

Ostern, das Fest der glorreichen Auferstehung unseres Herrn, ist das Herzstück unseres Glaubens und das größte und wichtigste Fest neben der Geburt des Heilands und Pfingsten, Herabgießung des Heiligen Geistes auf die Apostel und der Gottesmutter Maria. Ostern wird nach dem 50 tägigen Fasten sehr feierlich mit der göttlichen Liturgie mit den Gläubigen gefeiert, die sich durch Fasten und Ablegung der Beichte auf dieses Fest vorbereiten. Dieses Fest wird eine ganze Woche lang mit täglich feierlichen Liturgien begangen. Ostern ist für die gesamte Orthodoxe Kirche das Fest der Feste und die Freude auf unsere eigene künftige Auferstehung und darüber, dass der Herr den Tod und alles Böse besiegt hat. In der Osterwoche werden dann alle Gläubigen in Ihren Wohnungen und Häusern von den Priestern besucht. Sowohl die Gläubigen, als auch Ihr Zuhause werden feierlich mit wohlriechendem Weihrauchduft und Weihwasser gesegnet.


Prof. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen:
In diesem Jahr fällt das jüdische Pessachfest mit dem christlichen Osterfest zusammen. Jüdinnen und Juden feiern die acht Feiertage vom 4. bis 11. April. Das Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, an die Befreiung aus der Sklaverei.
Am 3. April begehen wir in Erfurt in unserer Synagoge und in unserem Kulturzentrum den Sederabend. Der Sederabend ist der Auftakt des Pessachfestes. Dieser Abend ist auch der Höhepunkt von Pessach. Mitglieder der Gemeinde aus Erfurt, Jena, Nordhausen und anderen Thüringer Orten feieren diesen Abend gemeinsam. Er beginnt mit einem Gottesdienst, dem das Festmahl folgt. Zunächst werden Speisen mit symbolischer Bedeutung in festgelegter Reihenfolge gemeinsam eingenommen. Dazu verliest der Rabbiner die Haggada (Pessachliturgie), die die Bedeutung der Speisen erklärt. Vier Becher Wein werden getrunken, die Gottes Verheißungen symbolisieren. Lustig für die Kinder ist das Verstecken eines Matzenstückes (ungesäuertesBrot). Es entschädigt sie für ihre Geduld beim Verlesen der Liturgie. Nach dem Verzehr der symbolischen Speisen folgt das eigentliche Festmahl.


Ralf Pfeifer, Sprecher der Zeugen Jehovas, Versammlung Weimar-Ost:
Ein Osterfest mit Hasen, Ostereiersuchen oder Osterfeuern gib es bei uns nicht, da es dafür keinen biblischen Hintergrund gibt. Wir sehen den Ursprung dieser Elemente eher in Fruchtbarkeitsriten oder Feiern zum Sieg der Sonne über den Winter. Als Christen geben wir die Ehre für die Fruchtbarkeit der Erde oder die wärmende Sonne allein dem Schöpfer. Jehovas Zeugen gedenken einmal im Jahr beim Abendmahl des Todes Jesu, der seinen Aposteln gebot: „Tut dies immer wieder zur Erinnerung an mich“ (Lukas 22:19). Das ist unsere wichtigste Feier im Jahr. In einer biblischen Ansprache wird auf die Bedeutung von Leben und Tod Jesu für uns eingegangen. Wir verwenden Rotwein und ungesäuertes Brot als Symbole, die den Leib und das vergossene Blut Jesu darstellen. Seit 20 Jahren versammeln wir uns dazu in unserem Saal in Umpferstedt. Zur diesjährigen Feier am 3.April haben wir in den Wochen zuvor auch interessierte Personen eingeladen. Am Ostersonntag finden wie im ganzen Jahr unsere regulären Gottesdienste statt, die allesamt öffentlich sind.
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Martina Giese-Rothe aus Gotha | 04.04.2015 | 22:29  
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