Auswertung (Bundesweit) der ACE-Aktion 2013: HALTEN. SEHEN. SICHERGEHEN.

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Auswertung (Bundesweit) "Fließender Verkehr"
 
Auswertung (Bundesweit) "Verhalten am Zebrastreifen"
ACE: Zebrastreifen bevorzugter Tatort bei Verkehrsvergehen

Von wegen halten, sehen, sicher gehen. Der viel gerühmte Zebrastreifen ist in Deutschland häufig eher Tatort statt Schutzzone. Nirgendwo sonst in einem eng begrenzten öffentlichen Raum begehen Verkehrsteilnehmer mehr Regelverstöße als hier. „Wir müssen den Sinn und Zweck extra markierter Fußgängerüberwege wohl ganz neu kommunizieren. Die Bereitschaft, an Zebrastreifen gewisse Regeln zu befolgen, schwindet; gleichgültig, ob es sich um Fußgänger, Autofahrer oder Radler handelt“, so lautet das Fazit des ACE Auto Club Europa nach Auswertung einer bundesweiten Verkehrssicherheitsaktion. Der Club zeigt sich angesichts der ermittelten Ergebnisse alarmiert und hat jetzt Politik; Polizei und Verkehrsbehörden zu einer Offensive für mehr Sicherheit an Zebrastreifen aufgerufen. „Das Wissen über Vorschriften des Verkehrsrechts befindet sich offenbar in einem kümmerlichen Zustand; das muss sich ändern, fordert der ACE. Der Club hat darüber hinaus teils gravierende Gestaltungs- und Überwachungsdefizite an Zebrastreifen festgestellt.

Radfahrer entpuppen sich als größte Zebrastreifen-Muffel

Ehrenamtliche Inspektoren des Clubs hatten im vergangenen Sommer akribisch das Verhalten von insgesamt 30.055 Kraftfahrern, 36.073 Fußgängern und 13.324 Radfahrern beobachtet und analysiert. Am wenigsten regelkonform verhalten sich demnach Radler an Zebrastreifen. Im Schnitt mehr als jeder zweite von ihnen (56,77 Prozent) missachtet das Haltegebot am Zebrastreifen, wenn dort Fußgänger unterwegs sind. Das Urteil des ACE: „Radler sind die allergrößten Zebrastreifen-Muffel“. Durchschnittlich 67,56 Prozent von ihnen steigen beim Queren der Straße nicht wie vorgeschrieben ab und schieben ihr Gefährt über auf den Zebrastreifen, sondern sie wechseln verbotenerweise fahrend die Straßenseite und rangeln mit Fußgängern um die schnellste Passage. Der ACE nennt sie "Rüpel-Radler".
Besorgt zeigt sich der Club auch darüber, dass auffällig viele Kinder am Zebrastreifen selbst einfache und allgemein bekannte Regeln ignorieren.

So queren im Schnitt mehr als 18 Prozent der Kinder die Straße, ohne auf den fließenden Verkehr zu achten. Kein Wunder: Erwachsene Fußgänger gehen laut ACE-Studie mit eher schlechtem Beispiel voran; im Mittel mehr als 13 Prozent der Erwachsenen schalten am Zebrastreifen offenkundig gedanklich völlig ab und schlendern oder hasten über die Straße, ohne vorher nach links und rechts geschaut zu haben. Dabei sind sie häufig mit ihrem Smartphone beschäftigt, heisst es in dem ACE-Bericht.

Der ACE hatte seine Inspektoren aber nicht nur aus Gründen der Verhaltensforschung an insgesamt 461 Zebrastreifen in rund 170 deutsche Städten und Gemeinden geschickt. Begutachtet wurde mitunter auch die bauliche Beschaffenheit von Fußgängerüberwegen. Das Urteil des ACE: Vielerorts befinden sich die Zebrastreifen in keinem guten Zustand. Von den ACE-Experten häufig bemängelt wurden etwa stark abgefahrene, verblasste oder gänzlich unsichtbar gewordene Zebra-Markierungen sowie fehlende Hinweisschilder und mangelhafte Beleuchtung. Häufig fehlen auch Mittelinseln, wie sie in Bauvorschriften für markierte Straßenquerungen vorgesehen sind, monierten die Fachleute des Clubs. Immerhin haben etliche kommunale Behörden auf die Mängelberichte der Verkehrssicherheitsfachleute reagiert und Fußgängerüberwege bautechnisch optimiert, stellte der ACE zufrieden fest.

Auch Behördenfahrzeuge „überfahren“ Regeln

In Fulda beobachteten die ACE-Inspektoren, wie Busse der städtischen Verkehrsbetriebe über Zebrastreifen fuhren, obwohl sich dort schon Fußgänger befanden. Ein ähnlicher Fall hat sich in Hanau zugetragen, wo sich ein Fußgänger nur ganz knapp und dank eines beherzten Sprungs auf den Gehweg retten konnte. Dort hatte sich ein Bus des Rhein-Main-Verkehrsverbundes RMV einfach die Vorfahrt genommen. Aber selbst Gesetzeshüter haben sich laut ACE vielerorts nicht viel besser verhalten. So ignorierte beispielsweise die Besatzung eines Streifenwagens im hessischen Langen eine Frau, die sich mit einem Rollator auf dem Zebrastreifen befand. Der Beamte am Steuer fuhr ungerührt und ungebremst weiter. Wenig einsichtig zeigte sich auch die Polizei in Hattingen in NRW. Nachdem dort in einer Bürgerbefragung zwei Zebrastreifen ausdrücklich als unsicher klassifiziert wurden und wie zur Bestätigung tatsächlich an diesen Überwegen Unfälle passiert sind, kommentierten das Polizeibeamte lapidar mit dem Satz: Wir sehen hier kein Problem.

Die Plage mit den Sprintern

Vom ACE ebenfalls angeprangert: Kleintransporter der Gattung Sprinter und motorisierte Paketdienste widmen die eigentlich für Fußgänger gedachten Zebrastreifen einfach für ihre Zwecke zu Autostellplätzen um. Das ist laut ACE selbst dann untersagt, wenn Fahrer als Entschuldigung die Warnblinkanlagen aktivieren. So geschehen und gesehen beispielsweise in der Ruhrgebietsstadt Gelsenkirchen.
Aber auch Fußgänger missachten Regeln, wenn sie beispielsweise weit abseits von Zebrastreifen nach der Methode Luftlinie die Straße auf einem eigenen „Ameisenpfad“ überqueren.

Mehr Unfälle, mehr Opfer
Im Jahr 2011 ereigneten sich nach Angaben des ACE bundesweit 4739 Unfälle mit Personenschaden ausschließlich an Zebrastreifen, das waren 311 oder rund sieben Prozent mehr als im Jahr davor. Die Verkehrsopferbilanz 2011/2010 im Einzelnen: 31 getötete Fußgänger, das waren 12 mehr als im Jahr 2010 und entspricht einer Steigerung von 63 Prozent, 908 Schwerverletzte gegenüber 858 im Jahr 2010 (plus 5,83 Prozent) und 4423 Leichtverletzte gegenüber 4223 im Jahr 2010 (plus 4,74 Prozent).
An Zebrastreifen werden laut ACE 71,2 Prozent der Unfälle von Autofahrern und Zweiradfahrern einschließlich Radfahrern verursacht, 28,8 Prozent gehen demnach auf das Konto von Fußgängern.

„Wir wollen Unfälle an Zebrastreifen mit verhüten helfen und sehen hier einen dringenden Handlungsbedarf“, erklärte der ACE. Viele Verkehrsteilnehmer ahnten zwar, was Sorglosigkeit und Fahrlässigkeit am Zebrastreifen Schlimmes anrichten könne. Doch die Übernahme von Selbstverantwortung ist nach Beobachtungen des Clubs häufig ebenso unterentwickelt wie das Wissens über verkehrsrechtliche Vorschriften.
Fahrzeugführer werden laut ACE mit einem Bußgeld in Höhe von 80 Euro und 4 Punkten bestraft werden, wenn sie
• einen Berechtigten am Überqueren der Fahrbahn hindern, obwohl dieser den Fußgängerüberweg erkennbar benutzen will,
• nicht mit mäßiger Geschwindigkeit an den Fußgängerüberweg heranfahren,
• an einem Fußgängerüberweg überholen.

Radfahrer müssen 20 Euro Strafe zahlen, wenn sie unversehens und ohne abzusteigen auf einem Fußgängerüberweg auftauchen und dadurch einen sich nähernde Autofahrer zu einer Vollbremsung zwingen.

StVO
Den einschlägigen StVO-Kommentaren ist zu entnehmen, dass Fußgänger mit Fahrrad nur dann auf Zebrastreifen bevorrechtigt sind, wenn sie diese mit sich führen, also nicht damit fahren. Radler müssen folglich absteigen, wenn sie auf dem Zebrastreifen von einem Vorrecht gleich dem entsprechenden Recht eines Fußgängers Gebrauch machen wollen.
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