Ein nicht alltäglicher Blaulichteinsatz: Rettung aus einer Brücken-Krananlage

Der Rettungseinsatz war zum Glück nur eine Übung. Im Haupszenario musste eine verunfallte Kranführerin aus ihrer Kabine in 10 Meter Höhe gerettet werden. Fotos: Andreas Abendroth
 
Mit Blaulicht und Sirene geht es von Saalfeld zum Einsatzort nach Unterwellenborn.
Ein nicht alltäglicher Blaulichteinsatz

Zusammenarbeit zwischen Rettungskräften ermöglicht schnelle Hilfe für Menschen

Von Andreas Abendroth

UNTERWELLENBORN. Es ist ein sonniger Frühlingstag. Doch um 9.10 Uhr wird die Ruhe durch die Rettungsleitstelle Saalfeld unterbrochen. Über Funk erschallt die Alarmierung: „Unfall in Unterwellenborn, Stahlbaufirma Arcelor, An der Halde. Verunfallte auf einer Brücken-Krananlage.“
Alarmiert wird die Freiwillige Feuerwehr in Unterwellenborn. Da diese aber keine Drehleiter besitzen, wird das entsprechende Fahrzeug der Feuerwehr Saalfeld sowie zur medizinischen Versorgung ein Rettungswagen des DRK Saalfeld hinzu beordert.
Noch in Saalfeld kommt es zum Rendezvous der Saalfelder Einsatzfahrzeuge. Unter Sondersignal machen sich die Rettungskräfte zum Einsatzort auf. Im Zufahrtsbereich zum Firmengelände stehen bereits Mitarbeiter, welchen den Fahrzeugen den Weg weisen.
Beim Eintreffen auf dem Firmengelände führen die Unterwellenborner Kameraden bereits erste Sicherungs- und Rettungsmaßnahmen durch. Schnell wird der Einsatz zwischen allen Beteiligten koordiniert. Nur so kann der Verunfallten schnell und kompetent geholfen werden.

Das Szenario, welches sich den Rettungskräften bietet, lässt aber nichts Gutes ahnen. Hoch oben, in der Führerkabine hat eine Kranfahrerin einen Herzinfarkt erlitten. Das größte Problem, die Kranfahrerin befindet sich noch in der rund 10 Meter über dem Erdboden befindlichen Kabine. Ein Zugang ist nur über eine Leiter von oben möglich. Eine Rettungsmaßnahme über diesen Weg aber ausgeschlossen. Außerdem ist es in diesem Kranbereich so eng, dass drei Personen kaum Platz finden.
Mittels Drehleiter werden das medizinische Personal sowie ein Spineboard nach oben gebracht. Während sich der Arzt um die Patientin kümmert, wird auf dem Korb der Drehleiter ein Spezialgestell zur Aufnahme einer Krankentrage montiert. Danach wird der Korb so nahe wie möglich an die Führungskabine geschwenkt.
Nach dem die Patientin transportfähig ist, wird sie durch die Feuerwehrmänner behutsam auf das Spineboard gehoben und fixiert. Nun folgt der heikelste Akt der Rettungsmaßnahme. In luftiger Höhe wird das Rettungsbrett samt Patientin über die Brüstung auf die Krankentrage geschoben. Die Retter vollbringen einen Kraftakt, der zugleich auch Millimeterarbeit ist.
Sicher wird die Patientin nach unten gebracht und dort von den Rettungsassistenten übernommen. Die weitere Versorgung und der Transport zum Klinikum erfolgt im Rettungswagen.
Zum Glück handelte es sich bei diesem Rettungseinsatz nur um eine Übung. Durch die perfekte Zusammenarbeit der beiden Feuerwehren und des medizinischen Personals konnte der Verunfallten schnelle und professionelle Hilfe zu teil werden. Doch alle Einsatzkräfte sind sich auch darüber im klaren: das Szenario kann jeder Zeit Realität werden…

Im Anschluss an die Rettungsübung wurde das Szenario noch erweitert. Die Kranführerin kam während ihrer Ohnmacht an die Schalter, welche der Steuerung des großen Magneten dienen. Dadurch stürzten zwei Stahlträger in die Tiefe, klemmten einen Arbeiter ein. Hier zeigten die Kameraden der Feuerwehr den Mitarbeitern der Stahlbaufirma, wie mit Hilfe von Druckluft-Hebekissen die Stahlträger angehoben und Personen so gerettet werden können.
Die Rettungsassistenten des DRK Saalfeld führten die Anwendung eines mobilen Erste-Hilfe-Defibrillator vor. Die Stahlbaufirma Arcelor verfügt im Rahmen der Initiative "Herzsicheres Unternehmen - Heart Save Venture" über ein solches Gerät und die Anwendung wird immer wieder für die Mitarbeiter aufgefrischt.
Abschließend betont Sascha Heidrich, Rettungsassistent des DRK Saalfeld: „Eine sehr realistische Einsatzübung für die Rettungskräfte. Gleichzeitig wurden aber auch die Mitarbeiter der Stahlbaufirma für mögliche Gefahren im Arbeitsablauf sensibilisiert.“


INFOKASTEN:
- Spineboard: Rettungsbrett aus widerstandsfähigem Kunststoff. Es hat ein geringes Eigengewicht, aber eine hohe Tragfähigkeit und ist röntgenfähig. Zudem ist es in der Regel mit einer Kopf-Fixiereinheit ausgestattet.

- Erste-Hilfe-Defibrillator: Seit 2003 gibt es auch in Deutschland AED - Geräte (Automatisch Externe Defibrillatoren). Aufgrund ihres Aufbaus und ihrer Funktionsweise können sie auch von Laien erfolgreich bei einem plötzlichen Herztod eingesetzt werden.

- Rettungsassistent: Der Rettungsassistent ist in Deutschland der einzige staatlich anerkannte Beruf im Rettungsdienst mit einer bundesweit einheitlich geregelten Ausbildung. Im Volksmund werden aber oft fälschlicherweise die allgemeinen Bezeichnungen Sanitäter oder Rettungssanitäter verwendet.
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