Emmi öffnet Herzen: Kuscheliger High-Tech-Roboter ist Tiertherapeut im AWO-Seniorenheim

Ergotherapeutin Katja Semrau kann mit Emmi Kommunikationsbarrieren brechen und unterstützt sie damit bei ihrer Arbeit.
Zwei Komma Sieben Kilo schwer und 56 Zentimeter lang ist Emmi - das computergesteuerte Robbenbaby mit dem weißen, weichen Fell und den großen schwarzen Kulleraugen. Heimbewohnerin Marianne Heller hält es freudig in ihrem Arm. Dabei lächelt sie es unentwegt an, streicht über das kuschelige Fell, und sagt leise, aber gut verständlich „Hallo“. Ergotherapeutin Katja Semrau sitzt neben ihr, lächelt zurück und freut sich, dass die ansonsten sehr verschlossene 87-Jährige etwas spricht. „Ich habe das Gefühl, sie schüttet in Gedanken Emmi ihr ganzes Herz aus.“ Nach zehn Minuten verlässt Emmi die Seniorin und wird von Katja Semrau wie ein Baby auf dem Arm zum Nächsten gebracht.

„Es ist erstaunlich, was Emmi leisten kann. Sie überwindet Kommunikationsbarrieren und öffnet Herzen – selbst bei sehr schwierigen Bewohnern. Sie arbeitet sozusagen auf der Gefühlsebene und vermittelt einfach Zufriedenheit“, erklärt die Ergotherapeutin.
Den Kopf dreht Emmi stets nach der Stimme, reagiert auf ihren Namen. Die großen Kulleraugen mit dem treuen Blick bewegen sich nach dem Licht. Ab und an fiept sie, gibt wohlige Geräusche beim Streicheln von sich und wackelt mit den Flossen. Bei derber Behandlung zeigt sie durch Bewegungen durchaus auch ihr Unwohlsein an.

Emmi hat einen richtigen Arbeitsplan. Dieser hängt bei Katja Semrau im Büro. Dienstag, Mittwoch und Freitag ist sie in der Gruppenbetreuung unterwegs. Ansonsten in der Einzelbetreuung. Bis zu 100 Minuten kann eine Schicht dauern, dann ist der Akku leer. Für drei Stunden muss sie zum Ruhen in ihr Körbchen, anschließend wird geladen. Der Stecker hat dabei die Form eines Schnullers. „Ich bin hier im Haus die Mama von Emmi, sie wohnt in ihrem lila Körbchen bei mir im Büro“, sagt Ergotherapeutin Katja Semrau.
Natürlich gibt es für Emmi auch Einsätze außer der Reihe: wenn Bewohner besonders aufgebracht sind oder nicht schlafen können, kann die Robbe beruhigend auf sie einwirken. Das funktioniert auch schon einmal, wenn sie nicht geladen ist.

Seit eineinhalb Jahren tut Emmi ihren treuen Dienst in Saalfeld. „Zu Beginn war ich sehr skeptisch, dass ein High-Tech-Gerät mit Fellüberzug als Therapeut arbeiten kann. Aber, ich bin sehr beeindruckt. Es gibt mir neue Möglichkeiten in meiner Arbeit bei der nonverbalen Kommunikation. Oder ich erfahre zum Beispiel auch viel Biografisches von den Menschen: was für einen Hund jemand hatte, was die Katze alles gemacht oder ob es Hühner auf dem Hof gab.“

Hintergrund:
- Emmi ist ein PARO - ein Stofftier-Roboter, den der Japaner Takanori Shibata entwickelt hat.
- Er verfügt über Lagesensoren, Berührungssensoren, Lichtsensoren, Hitzesensoren und Mikrofon, gesteuert von zwei 32-Bit-Prozessoren.
- Die Software versucht, das Verhalten einer Robbe nachzuahmen.
- Er kann seinen Namen lernen, mit dem er gerufen wird.
- Drei PAROs sind in den AWO-Seniorenheimen in Saalfeld tätig. Sie waren die ersten in Thüringen.
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