Experten warnen: Motorrad fahren immer riskanter - ACE und DVR fordern Unterfahrschutz in Kurven und Trainings im Realverkehr

Motorrad fahren ist mehr als bloße Fortbewegung - es steht für Leidenschaft, Freiheit und Individualität. Leider fährt das Risiko immer mit. Motorradfahrer haben keine Knautschzone, keinen Sicherheitsgurt - in der Regel keinen Airbag und noch viel zu selten ABS.

Der ACE Auto Club Europa und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) zeigen sich in Anbetracht des rasanten Anstiegs folgenschwerer Motorradunfälle alarmiert: Im Jahr 2011 verloren 708 Motorradfahrer ihr Leben im Straßenverkehr, das sind im Vergleich zum Vorjahr (635) 11,5 Prozent Getötete mehr. Den mit nahezu 50 Prozent stärksten Anstieg bei den tödlich verletzten Motorradbenutzern hat es bei den 25- bis 34-Jährigen gegeben, zitiert der ACE Angaben der jüngsten amtlichen Verkehrsunfallstatistik.

Deshalb nimmt der ACE-Kreisclub Saalfeld-Rudolstadt schon seit mehreren Jahren an Kontrollen, zur Motorradsicherheit, welche durch die Polizei durchgeführt werden, teil.

Der ACE und der DVR fordern, solche Unfälle künftig besser zu verhüten und Unfallfolgen deutlich zu begrenzen. „Die Wahrscheinlichkeit, mit dem Motorrad zu verunglücken, ist europaweit 18-mal höher als mit einem Pkw“, stellte DVR-Präsident Walter Eichendorf in einem Gastbeitrag für die Clubzeitschrift ACE LENKRAD (7/2012) fest. Eichendorf zeigte sich davon überzeugt, dass bereits mit geringem Aufwand viel bewirkt werden könne, um die Straßen für Motorradfahrer sicherer zu machen. Als ein Beispiel dafür nannte der DVR-Präsident die Möglichkeit, im Bereich prekärer Streckenabschnitte die herkömmlichen Schutzplanken mit einem Unterfahrschutz zu versehen. Diese einmalige Investition etwa in einer Kurve kostet laut Eichendorf etwa 5000 Euro und würde einen deutlichen Sicherheitsgewinn mit sich bringen.

Der DVR verfolgt nach Angaben seines Präsidenten ein neues ergänzendes Konzept für Motorrad-Sicherheitstrainings. Diese finden nicht mehr nur auf abgesperrtem Gelände, sondern auch im Realverkehr statt.

ACE und DVR rufen Motorradfahrer auf, sie sollten die Angebote für solche qualifizierten Sicherheitstrainings aufgreifen, „damit in Zukunft auch für die Gruppe der Biker die Vision Zero gilt: Keiner kommt um, alle kommen an“. Der ACE gehört nach eigenen Angaben zu den führenden Umsetzern der DVR-Programme für mehr Motorradsicherheit.

Die meisten folgenschweren Motorradunfälle passieren nach Angaben des Clubs in der Freizeit, auf Landstraßen, bei gutem Wetter, auf trockener Fahrbahn, bei hoher Geschwindigkeit und ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Von jeweils 100.000 Motorradnutzern kamen 2010 statistisch gesehen 16,9 bei Verkehrsunfällen ums Leben, 2011 waren es 18,5.

Der ACE verweist außerdem auf eine von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erst kürzlich veröffentlichten Prognose, wonach die Zahl aller getöteten Menschen im Straßenverkehr bis 2020 auf etwa die Hälfte sinken wird: von rund 5100 (2006) auf etwa 2500 (2020). Den mit 34 Prozent geringsten Rückgang aber weisen der BASt-Prognose zufolge die Nutzer von motorisierten Zweirädern auf. Damit wächst deren Bedeutung bei der Zahl der schwer Verunglückten auf einen Anteil von 19 Prozent im Jahr 2020.
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