Lebensgefahr muss nicht sein - Eisflächen sind sehr trügerisch

Idylle pur. Eine verschneite Landschaft, dazu Sonnenschein. Der Weiher ist zugefroren, wird von einer Schneeschicht bedeckt. Doch es ist nicht ersichtlich, ob die Eisdecke tragfähig ist. Foto: Andreas Abendroth
 
Auf die besonderen Gefahren beim Betreten von Eisflächen weist Sandra Kühn von der Thüringer Fernwasserversorgung hin. Foto: Andreas Abendroth
Ilmenau: Talsperre | Lebensgefahr muss nicht sein

Eisflächen sind sehr trügerisch / Im Gespräch mit Sandra Kühn von der Thüringer Fernwasserversorgung

ZEIGERHEIM. „Eigentlich sprechen wir die Warnung vor Hohlräumen unter Eisflächen in jedem Jahr aus“, betont Sandra Kühn, Sachbearbeiterin bei der Thüringer Fernwasserversorgung.
Trotz aller Hinweise und Ermahnungen kommt es immer wieder zu Unfällen, bei denen leider auch Menschenleben zu beklagen sind. Scheinbar sind viele Leute von dem im Sonnenlicht gleißend glitzernden Flächen so fasziniert, dass sie nicht mehr viel über die Gefahren nachdenken.
Durch die Temperaturen im Minusbereich in den letzten Wochen haben sich auf Seen und Talsperren in Thüringen Eisflächen gebildet oder die Gewässer sind gänzlich zugefroren. Viele Kinder, Naturfreunde und Sportler reizt die vermeintlich stabile Eisfläche zum Betreten. Doch der Schein ist oftmals sehr trügerisch. Die Gefahr, dass das Eis bricht, ist unabhängig von dessen Stärke extrem hoch.

„Wer die Eisflächen trotz Warnungen betritt, handelt unverantwortlich und begibt sich in Lebensgefahr.“Sandra Kühn, Thüringer Fernwasserversorgung

„Anders als bei natürlichen Seen haben beispielsweise Talsperren aufgrund der stetig schwankenden Wasserabgabe einen ständig wechselnden Wasserspiegel. Wenn sich auf einer Talsperre eine Eisfläche bildet, entsteht zwischen dem Eis und dem Wasser ein Hohlraum. Dadurch ist das Eis nicht tragfähig. Bricht dann das Eis, besteht Lebensgefahr. Oftmals ist dann eine Rettung nicht mehr möglich“, erläutert Sandra Kühn.
Ein weiterer Aspekt ist, dass durch den Leichtsinn der Menschen sich andere Menschen bei einer Rettung selbst in Gefahr begeben. „Wie gefährlich das Retten von Menschen ist, die im Eis eingebrochen sind und unter die Eisdecke geraten, zeigte erst kürzlich der tödliche Unfall eines Rettungsschwimmers während einer Übung im Ilm-Kreis“, wird betont.

Trotzdem haben und werden zugefrorene Flüsse und Seen auch weiterhin, gerade auf Kinder, eine große Anziehungskraft.
„Wir als Thüringer Fernwasserversorgung bitten im Besonderen Eltern, Lehrer und Erzieher, die Kinder auf die Gefahren hinzuweisen und über die Zusammenhänge aufzuklären“, so Sandra Kühn abschließend.

INFORMATIONEN:
In Thüringen bestehen 72 Stauanlagen, die zur Thüringer Fernwasserversorgung gehören. Dazu kommen noch die Wasserbereiche des Thüringer Meeres, Teichanlagen und Weiher.

Was zu tun ist, wenn ein Mensch ins Eis eingebrochen ist, ist nachfolgend aufgeführt:

- Die Hilfe muss schnell, aber überlegt erfolgen
- Über den Notruf 112 sofort professionelle Hilfe rufen.
- An die Eigensicherung denken. Wer auf das Eis geht, um anderen zu helfen, sollte sich von einem Helfer beispielsweise mit einem Seil absichern lassen.
- Das Körpergewicht muss auf dem Eis auf eine möglichst große Fläche verteilt werden. Dazu Hilfsmittel wie Bretter, Türblatt oder Holzleitern verwenden.
- Niemals bis zur Einbruchstelle vordringen; rund um diese Stelle ist das Eis sehr brüchig. Vielmehr versuchen, den Eingebrochenen mit Hilfsmitteln wie Stöcken, Stangen, zusammengerollten Mänteln oder Jacken aus dem Wasser zu ziehen.
- Nie in das Wasser eintauchen, um Menschen zu suchen. Solche Rettungsaktionen sollten nur den Fachleuten von der Feuerwehr überlassen werden.
- Nach erfolgter Rettung "Erste Hilfe" leisten. Verunglückte nach Möglichkeit in einen beheizten Raum bringen, Kleidung ausziehen und in Decken hüllen.
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