Seismische Wellen aus Nepal benötigen nur 10 Minuten bis nach Thüringen

Ein Blick auf den Trommelschreiber gibt sofort Auskunft über weltweite Erdbebenaktivitäten.Er zeichnet das Seismometersignal auf. Das wird aber nur als Ergänzung zur digitalen Registrierung genutzt, zum Beispiel um eine schnelle Auskunft an die Presse geben zu können.
 
Dr. Thomas Jahr, wissenschaftlicher Leiter Geodynamisches Observatorium Moxa und Privatdozent für Geophysik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Moxa: Geodynamisches Observatorium |

Rund 200 weltweite Erdbeben pro Monat werden auch in Thüringen registriert - in Moxa befindet sich die einzige Geophysikalische Forschungsstation in Thüringen.

In Nepal bebte die Erde – mit verheerenden Ausmaßen. In Deutschland war davon nichts zu spüren, nicht einmal Gläser klirrten. Aber die hochempfindlichen Messgeräte im Geodynamisches Observatorium Moxa in Ostthüringen registrierten ganz genau, das mehrere tausend Kilometer entfernt gewaltig die Erde tobte. „Etwa zehn Minuten nach dem Beben erreichte die erste seismische Welle Thüringen. Alle unsere Messgeräte registrierten die durch den Boden laufenden Wellen“, sagt Dr. Thomas Jahr, wissenschaftlicher Leiter im Observatorium Moxa und Privatdozent für Geophysik an der Universität Jena. „Etwa ab einer Magnitude der Stärke sechs können wir jedes Erdbeben weltweit messen. Diese Daten sind für uns sehr wertvoll und helfen uns den Erdaufbau und Prozesse im Erdinneren besser zu verstehen.“ Das Observatorium ist die einzige derartige Geophysikalische Forschungsstation in Thüringen, sie gehört zur Friedrich-Schiller Universität Jena.

Das Seismometer zur Messung von Erdbeben befindet sich in Moxa in einer Messkammer, gut abgeschirmt im Berg. „Das Gerät sieht wie ein umgedrehter Kochtopf aus. Im Inneren befindet sich ein Sensor – ein Feder-Masse-System - dass Messungen mit ganz hoher Empfindlichkeit ermöglicht. Zur Datenaufzeichnung und Weitergabe ist hochmoderne Elektronik angeschlossen“, erklärt Dr. Thomas Jahr. 20 bis 100 Werte können so pro Sekunde gemessen werden. Zusätzlich wird das seismische Signal im Registrierraum auf einem Analogschreiber als Kurve sichtbar gemacht. Im Monat werden hier etwa 200 Erdbeben registriert, die weltweit stattfinden.

Seismische Ereignisse werden seit 1964 in Moxa aufgezeichnet und wissenschaftlich ausgewertet. Die großen Beben fanden meist tausende Kilometer entfernt statt. In Thüringen dagegen zeigt sich die Erde ruhig. Im Jahr 2009 gab es ein kleines Beben der Stärke 2,9 und am 31. Mai 2014 erschütterte das Vogtlanderdbeben mit einer Magnitude von 4,3 die Erde. „Einige Leute riefen damals besorgt bei der Polizei oder Feuerwehr an. Diese erkundigte sich dann bei uns, ob wir etwas Besonderes gemessen hatten.“
Im Thüringer Becken treten Erdbeben kaum auf, in Ostthüringen sind sie schon eher möglich. Denn hier kreuzen sich zwei Störungszonen: Die Crimmitschauer und die von Regensburg nach Rostock verlaufende Störungszone. Im Jahr 1872 gab es im Raum Gera nachweislich ein größeres Beben, das auch als Mitteldeutsches Erdbeben bezeichnet wird. Es hatte eine geschätzte Magnitude von 5,5. „Laut unseren Recherchen aus alten Aufzeichnungen treten Erdbeben in dieser Region etwa alle 100 Jahre auf. Bislang gab es 140 Jahre Ruhe. Leider ist eine Vorhersage trotz unserer modernen Technik generell nicht möglich - ein Erdbeben kündigt sich nicht an.“

Hintergrund:
- Moxa ist ein kleiner Ort im Thüringer Schiefergebirge.
- In einem Seitental (Silberleitetal) befindet sich mitten im Wald das Geodynamische Observatorium der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
- Industrie, Steinbrüche, Autobahnen, Windräder oder Bahnlinien rufen im Umkreis von 10 Kilometern um das Observatorium keine Bodenunruhen hervor.
- Im weltweiten Vergleich ist es eines der störungsärmsten Observatorien.
- Das Observatorium ist an das Deutsche Regionale Seismologische Netz angeschlossen und liefert Daten für weltweite Datenarchive.
- Weitere Messungen: Deformation des Erdkörpers, Massenverlagerungen im System Erde
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