Adrenalinkick beim Selbstversuch: Redakteurin Ines Heyer stellt sich einer sportlichen Mountainbike-Herausforderung im Besucherbergwerk Kamsdorf

Von hier aus geht es nach unten.
 
In den breiten Stollen kann man sehr zügig fahren. Ich komme gut voran.
Kamsdorf: Erlebenisbergwerk |

Die große, hölzerne Eingangstür knarrt beim Öffnen. Sie gibt den Blick auf eine lange Treppe frei. Vorsichtig schiebe ich mein Mountainbike nach unten – nur beleuchtet vom gelben Licht der unzähligen Lampen. Viele Meter unter der Erde beginnt jetzt für mich, die Hobbyradlerin, ein ganz außergewöhnliches, sportliches Erlebnis. Der erfahrene Mountainbike-Guide Lucas Rham nimmt mich mit auf seine Tour durch das Besucherbergwerk Kamsdorf.

Die ersten 250 Meter fahren wir in schnellem Tempo in einem breiten, gut ausgeleuchteten Stollen, einem alten Schienenverlauf folgend, immer tiefer in den Berg hinein. Das geliehene Mountainbike rollt super und ich als absoluter Einsteiger kann problemlos die Geschwindigkeit mithalten. Lucas ruft mir, wie vereinbart, stets die wichtigen Details zum Streckenverlauf und fahrtechnische Kommandos zu: Kurve rechts, Kurve links, Kopf (heißt Kopf einziehen), Balance halten und immer wieder den wichtigen Hinweis „Geschwindigkeit gibt Sicherheit“. Tatsächlich gelange ich so sicher durch 80 Zentimeter schmale oder auch niedrige Stollen. Das Licht in den Gängen schaltet sich stets automatisch durch Bewegungsmelder zu. Bis wir eine große Halle erreichen – hier ist es totenstill und schwarz wie die Nacht. Einzig die Helmlampe hilft mir noch bei der Orientierung. Es ist unheimlich. Die kalten acht Grad Umgebungstemperatur spüre ich kaum, ich schwitze. Nur im Schein meiner Lampe erkenne ich leichten Nebel, verursacht durch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Wir fahren enge Kurven um die in der Halle stehenden Pfeiler – ich muss noch öfter mit einem Fuß auf dem Boden ausbalancieren, schaffe es nicht, mich auf dem Rad zu halten. Durch Standwasser hindurch und weitere verwinkelte Gänge gelangen wir zur ersten Abfahrt, die von Sohle 1 tiefer hinunter auf Sohle 3 führt. Das starke Gefälle kann ich in der Dunkelheit zum Glück nur erahnen. Mutig lasse ich mich langsam durch die Kurven rollen – wichtige Bremskommandos bekomme ich zugerufen. Über steinigen Untergrund gelangen wir schließlich zum Schacht 04, dem ersten Halt. Meine Kondition und Sportlichkeit wurden bis hierher ganz schön gefordert und ich habe ein Gefühl dafür bekommen, wie anstrengend Mountainbiken für Ungeübte wie mich unter Tage sein kann. Lucas weiß hier viel über die 300 Jahre Bergbaugeschichte in Kamsdorf zu erzählen und ich freue mich über die Pause.

Weiter geht es dann durch unendlich viele Stollen und Gänge zu weiteren Bergbau-Sehenswürdigkeiten, wie einem funktionsfähigen Presslufthammer, dem Kupferspalt, der Besuchereisenbahn und weiteren Grubenbereichen, wo es immer wieder viele interessante Fakten zu berichten gibt.

Mit der Zeit merke ich, wie ich immer sicherer auf dem Rad werde und die Tour beginnt, Spaß zu machen. Unterwegs bekomme ich noch die spektakulären Streckenabschnitte, die in der Endurotour befahren werden, zu sehen. Diese hat Lucas den Winter über in monatelanger Arbeit neu angelegt oder weiter ausgebaut. Hier finden sich fahrtechnisch anspruchsvolle Passagen mit Anliegerkurven, Absätzen (Drops), Pumptracksektionen (aufeinander folgende Wellen) und kleinen Sprüngen. Damit der Streckenverlauf besser sichtbar ist, sind diese Strecken teilweise mit Streckenband markiert.

Wenn Lucas fährt, wird deutlich, was den wirklichen Adrenalinkick dieser Sportart ausmacht. Es ist vor allem die Geschwindigkeit und der lockere Fahrfluss, der die technischen Passagen spielerisch aussehen lässt. Davon bin ich natürlich weit entfernt.

Bei der letzten Auffahrt gebe ich dann auf – zu steil. Langsam schiebe ich mein Rad nach oben. Als wir nach drei Stunden den Ausgang erreichen, freue ich mich, dass ich durchgehalten habe. Ich bin glücklich über den einzigartigen Fahrspaß unter Tage. Der braune Dreck an Schuhen und Kleidung demonstriert eindrucksvoll meinen ganzen körperlichen Einsatz.

Hintergrund:

• Lucas Rham (24) ist staatlich geprüfter Sportassistent, verfügt über eine Ausbildung als Trail Scout und ist Inhaber von Erlebnisradtouren Saaleland. Sein Heimatort ist Goßwitz, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

• Mountainbikefahren ist Lucas Rhams Leidenschaft. Sechs Jahre nahm er aktiv als Fahrer im Team „Bike-Mike-Pößneck“ an Mountainbike-Rennen teil. Größte Erfolge waren ein 3. Platz bei den Bayrischen Meisterschaften im Downhill, 2. Platz beim Enduro-Rennen in Seiffen und eine Top-100-Platzierung beim „Megavalanche“ in den französischen Alpen – ­Starterfeld: 1500 Teilnehmer. Dieses Rennen ist eines der Anspruchsvollsten, das die Szene zu bieten hat.

• Der große Rundweg im Besucherbergwerk Kamsdorf brachte Lucas Rham vor zwei Jahren auf die Idee, für den Winter witterungsunabhängige Mountainbike-Touren anzubieten. Ganzjährig gibt es so Touren für Einsteiger, aktive Biker und Enduristen. Als Einsteiger sollte eine gewisse Grundsportlichkeit vorhanden sein. Sportliche Kinder ab 12 Jahre können ebenfalls mitfahren.

• Die Ausrüstung kann geliehen werden: Mountainbike, Helm, Lampe, Schuhe, Regenhose
• Weitere Informationen: Erlebnisradtouren Saaleland
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3 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 20.04.2014 | 11:40  
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Renate Jung aus Erfurt | 20.04.2014 | 17:54  
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Hannelore Grünler aus Artern | 21.04.2014 | 07:53  
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