Der Medaillenschmied: Herbert Wiegand sorgte im Skilanglauf und Biathlon für viele deutsche Medaillen

Zum Fototermin hat Herbert Wiegand noch einmal einige seiner wertvollen Medaillen hervorgeholt: fünf Mal Gold bei den DDR-Meisterschaften und Bronze bei der Weltmeisterschaft 1973.
 
Herbert Wiegand als aktiver Biathlet. Gelaufen wurde damals nur im klassischen Stil. Um den Bauch trug man einen Patronengürtel mit der Munition. (Foto: Privat/Wiegand)
Biathlon zählt heute neben Skispringen und Ski Alpin zu den zuschauerstärksten Wintersportarten – egal ob live in der Arena oder Zuhause vor dem Fernsehen. Das war nicht immer so: In den 70er Jahren gehörte Biathlon noch zu den Randsportarten und die erfolgreichen deutschen Sportler kannte kaum jemand. Der aus Altenfeld im Ilm-Kreis stammende Herbert Wiegand behauptete sich damals in der Weltspitze, erkämpfte bei Weltmeisterschaften zwei Bronzemedaillen für die DDR. Er erzählt von ungewöhnlichen Wettkampf- und Trainingsbedingungen sowie spannenden Erlebnissen im In- und Ausland.

Zur Person:
- Herbert Wiegand, geboren am 23. Mai 1949
- Heimatverein: SV Großbreitenbach/WSV Oberhof
- Erfolge im Biathlon: Fünf Mal Gold bei DDR-Meisterschaften, Bronze 1969 bei den Juniorenweltmeisterschaften in Zakopane, 1973 bei den Weltmeisterschaften in Lake Placid mit der Staffel,
- von 1976 bis 2013 Trainer im Skilanglauf und Biathlon - von 1979 bis 1984 Nationaltrainer im Skilanglauf-Damen
- seine Sportler erreichten 10 Juniorenweltmeistertitel im Langlauf und Biathlon, einmal Olympia-Gold und weitere nationale und internationale Medaillen und Titel

Geschichte: Seit 1958 gibt es die Sportart Biathlon in Deutschland mit zwei Trainingszentren in der DDR: ASK Oberhof und Dynamo Zinnwald.

Das Laufen: Für uns gab es nur die 20 Kilometer Strecke mit vier Schießeinlagen. Gelaufen wurde nur im klassischen Stil. Es gab Einzelrennen und die Staffel.

Das Schießen: Die Ziele waren 150 Meter entfernt, geschossen haben wir mit einem Großkalibergewehr - 7,62 Kaliber als Einzellader. In einem Patronengürtel um den Bauch wurde die Munition transportiert. Angeordnet waren die Scheiben wie fünf Punkte auf einem Würfel. Der Scheibendurchmesser war im Stehend-Anschlag 30 cm, liegend 11 cm. Der Vorläufer der heutigen Klappscheiben waren stabile Meterologen-Luftballons, die von hinten in die Scheibenlöcher gesteckt wurden, ein Treffer war damit sofort sichtbar. Später verwendete man anstelle der Ballons Glasscheiben. Auch auf Papierscheiben wurde geschossen.

Training: Für uns Sportler gab es genaue Vorgaben, die wir im Jahr zu erfüllen hatten: Insgesamt 9600 Kilometer mit dem Ski, dem Skiroller, beim Cross oder mit dem Fahrrad mussten absolviert werden. Dazu kamen noch einmal 7000 Schuss. Der Lärm dabei war enorm, jeder Schuss so laut wie ein Silvesterknaller. Viele meiner Sportfreunde müssen deshalb heute ein Hörgerät tragen.

Waffenschmuggel: Einmal mussten wir wegen des Wetters ein Trainingslager von Österreich nach Antholz/Italien verlegen. Unsere Waffenbegleitscheine konnten allerdings nicht so schnell geändert werden. Wir riskierten die Fahrt, versteckten die Gewehre und kamen mit dem Zug durch alle Kontrollen. Im Bahnhof von Fordezza war es vorbei mit dem Glück, eine Schar Carabineri umringte uns – wir hatten die Waffen über der Schulter – und schrie: „Illegale Waffen!“ Es ging alles gut aus, die Zöllner waren italienische Biathleten und verstanden den Zweck unseres „illegalen“ Waffentransportes.

Verpasstes WM-Gold in Lake Placid 1973: Mit unserer Staffel waren wir gut aufgestellt. Manfred Geyer, heutiger Trainer von Slowenien, übergab mir – ich war dritter Läufer - auf Platz eins. Ich war in hervorragende Laufform, schoss Null und konnte so auch als erster übergeben. Leider schoss unser letzter Mann zwei Strafrunden. Damit mussten wir uns den Russen und Finnen geschlagen geben und bekamen die Bronzemedaille.

Olympia: Für die Olympischen Spiele in Sapporo/Japan im Jahr 1972 war ich qualifiziert, hatte in der Olympiavorbereitung den Sommertest gewonnen und fühlte mich in Bestform. Eine Hirnhautentzündung verhinderte dann leider meine Teilnahme. Was ich selbst nicht geschafft habe, erreichte dann Carola Anding (1980 Gold mit der Staffel). Es war ein toller Erfolg für mich als Trainer.

Bekannte Namen: Die Nachnamen einiger meiner Trainingskollegen sind heute sehr bekannt, Sohn oder Enkel brachten später große Erfolge. Dazu gehören Uwe Kirchner, Vater von Mark Kirchner, oder Axel Lesser, Opa von Eric Lesser.

Fernsehfieber: Im Fernsehen verfolge ich jedes Biathlon-Rennen. Ganz besonders drücke ich unseren Thüringer Startern die Daumen. Auf EriK Lesser bin ich besonders stolz, ich kenne ihn sehr gut, er hat von 2000 bis 2002 in der Schülerklasse bei mir trainiert. Heute ist er Vizeolympiasieger und Weltmeister.
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