Die hohe Kunst der Flugakrobaten: Im Gespräch mit Kunstflugpilot Peter Wroblewski

Pilot Peter Wroblewski mit seiner EXTRA 300L. Mit 17 Jahren hat er mit dem Segelflug begonnen. Heute ist er ein erfahrener Kunstflieger. Fotos: Andreas Abendroth
 
Flugvorbereitung: Wie Traumtänzer bewegen sich die Piloten im Bereich des Flugplatzes. In höchster Konzentration gehen sie das Flugprogramm durch, prägen sich die erforderlichen Steuerbewegungen ein.
Alkersleben: Flugplatz | Himmelsstürmer oder Akrobaten in der Luft

Im Gespräch mit Kunstflugpilot Peter Wroblewski

Von Andreas Abendroth

ALKERSLEBEN. Auf dem Flugplatz Arnstadt-Alkersleben trainieren derzeit drei Männer mit ihren Sportflugzeugen. Nein, keine Starts und Landungen. Kunstflug ist angesagt. Einer von ihnen ist Pilot Peter Wroblewski. Der Unterhachinger geht seit 29 Jahren dem Hobby Sportfliegerei nach. Ich traf mich mit dem Piloten, fragte ihn nach den Beweggründen zu dieser Sportart.

Herr Wroblewski. Wie sind sie zur Fliegerei, im Besonderen zum Kunstflug gekommen?

Es ist eine Faszination, welche mich seit meiner frühesten Jugend begleitet. Bei mir begann alles im Alter von 17 Jahren mit dem Segelflug. 1972 kam der Privatpilotenschein für Motorflugzeuge dazu. Erste nähere Berührung mit dem Kunstflug hatte ich während Sicherheitstrainingstages in Speichersdorf. Der mehrfacher Welt- und Europameister im Kunstflug, Manfred Strößenreuther, betrieb dort gemeinsam mit seinem Vater eine Fliegerschule. Ich war davon begeistert. Und seit 1984 habe ich auch die Berechtigung für diesen Bereich in der Sportfliegerei. Heute flieg ich eine Kunstflugmaschine vom Typ Extra 300 L.

Was ist das Besondere, der Kick, Akrobatik in der Luft zu machen?

Da gibt es verschiedenste Beweggründe. Am Anfang habe ich mich mit dieser Art der Fliegerei schwer getan. Auch muss man sich erst an die Belastungen gewöhnen. Ganz zu schweigen von meinem ersten Flug mit Manfred Strößenreuther. Ich war fix und fertig. Zu meiner Frau habe ich nur noch gesagt: „Sprich mich ja nicht an, ich brauche Ruhe…“.
Heute ist der Kunstflug für mich Bewegung im dreidimensionalen Raum. Alles muss exakt geplant und ausgeführt werden. Beispielsweise sollte ein geflogener Looping ein Kreis und kein Ei sein. Ein dritter Punkt ist die sportliche Herausforderung. Beim Kunstflug wird durch die G-Kräfte der Körper stark belastet. Und doch darf die Konzentration im Kopf nicht nachlassen. Abschalten kann ich erst wieder, wenn die Maschine am Abstellplatz steht.


„Kunstflug ist die körperliche Belastung eines Boxers zu erleben und gleichzeitig noch Schach zu spielen.“, Kunstflugpilot Peter Wroblewski


Wie lange werden sie noch den Kunstflug ausüben?

Ich bin jetzt 66 Jahre „jung“ und fühle mich körperlich richtig fit. Anders gesagt, bis es die Gesundheit nicht mehr zulässt oder der Flugarzt etwas sagt. In der Regel geht es zweimal im Jahr ins Kunstflugtrainingslager. Dazu kommen eins bis zwei Flugwettbewerbe. Als ich noch jünger war, bin ich auch noch bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften um Podestplätze mitgeflogen.

Immer wieder kommt es auch im Kunstflug zu Unfällen. Wie gehen sie als Pilot damit um?

Unfälle können überall im Alltag passieren. Sie sind tragisch. Ist etwas passiert, muss man es für sich selbst verarbeiten. Ich höre mir die Ursachen an, überlege, wie sie vielleicht vermeidbar gewesen wären. Man muss wissen, wo die eigenen Grenzen und die der Technik sind. Und man sollte bei allem was man tut, nicht bis ans letzte Limit gehen.

INFORMATIONEN:

Begriffe und Erläuterungen rund um den Kunstflug

- Motorkunstflug: Ein Bereich der Sportfliegerei, welcher im Wettbewerbsbereich nach vorgeschriebenen Regeln durchgeführt wird.
- Kunstflugprogramm: Eine Abfolge von Flugfiguren wie beispielsweise Looping, Rolle, Rückenflug, Trudeln und Messerflug. Jede Grundfigur, jedes Manöver hat einen Schwierigkeitsgrad (K-Faktor), durch den die Leistung bewertbar wird.
- Im Wettbewerb werden drei Programme geflogen. Als erstes die „Bekannte Pflicht“, eine Flug unter Beachtung der vorgeschriebenen Reihenfolge der Figuren. Als zweites die „Kür“, welche von den Piloten selbst zusammengestellt wird und als dritter Punkt die „Unbekannte Pflicht“. Ein während des Wettbewerbs zusammengestelltes Flugprogramm, welches der Pilot nicht trainieren darf und „vom Blatt“ fliegen muss. Es gilt als die Hohe Schule des Kunstfluges.
- Als Kunstflugraum gilt ein quadratische „Box“ mit Kantenlängen von jeweils 1000 Metern.
- Die vorgeschriebene Sicherheits-Mindesthöhe von 450m über dem Boden darf keinesfalls unterschritten werden.
- Vom Wettbewerbskunstflug mit seinen strengen Regeln zu unterscheiden sind die Darbietungen bei Flugshows, bei denen die Unterhaltung der Zuschauer im Mittelpunkt steht.
- Der Kunstflug wird in Deutschland durch den Paragraphen 8 der Luftverkehrs-Ordnung sowie den Paragraphen 81 der Verordnung über Luftfahrtpersonal geregelt.
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