Red Bull Air Race - Im Gespräch mit dem deutschen Piloten Matthias Dolderer

(Foto: Mike Hewitt/Getty Images for Red Bull Air Race)
 
(Foto: Vladimir Rys/Getty Images for Red Bull Air Race)
Alkersleben: Flugplatz | Viel Adrenalin ist im Spiel

Im Gespräch mit dem einzigen deutschen deutscher Red Bull Air Race Piloten Matthias Dolderer / Der Höhepunkt zu den Flugtagen in Alkersleben

Von Andreas Abendroth

Im Red Bull Air Race fliegen die weltweit besten Piloten mit hoher Geschwindigkeit gegeneinander. Sie navigieren einen schwierigen Kurs aus engen Kurven und Wenden. Beim Durchfliegen der Air Gates, sie bestehen aus gigantischen Pylonen, ist perfekte Präzision gefragt, denn diese dürfen nicht mit dem Flügel berührt sowie vom Flugkurs abgewichen werden. Zu dieser Fliegerelite gehört der Deutsche Matthias Dolderer.
Er wird zu den Flugtagen in Alkerleben, 28. und 29. April, die Gäste mit seiner Flugshow begeistern.
Ich spreche mit dem Rennflieger, während er beim Flugevent „Sun n Fun“ in Lakeland, Florida im Einsatz ist.


In Ihrer Vita kann man lesen, dass der Virus „Flugzeug“ sprichwörtlich vom Vater auf den Sohn übergesprungen ist. Wie kamen Sie zum Rennflugsport?



Schnell und tief hat mich schon immer fasziniert, egal ob in der Luft, auf dem Boden oder auf dem Wasser. Ich war beim aller ersten Red Bull Air Race 2003 in Zeltweg als Showpilot dabei und war sofort von diesem Sport begeistert.
Es ist die fliegerische Erfüllung und mit nichts anderem zu vergleichen.

Sie sind für einen rasanten Flugstil bekannt. Ist ihr Ehrgeiz immer mit dem am Limit fliegen verbunden?

Der Flugstil und das Limit sind zwei verschiedene Sachen. Man versucht im Training und im Wettbewerb immer das Limit zu pushen, um seine eigenen Fähigkeiten zu erweitern.
Wenn man nicht ans Limit geht, kommt man meist nicht weiter. Gleichzeitig habe ich großen Respekt und es ist wichtig, das Limit niemals zu überschreiten, vor allem nicht im Flugzeug, da es im Gegensatz zum Autorennsport kein Kiesbett gibt und man nicht anhalten kann. Der Flug ist erst dann beendet, wenn man sicher am Abstellplatz angekommen ist.
Die oberste klasse im Motorkunstflug wird "Unlimited" bezeichnet. Man versucht immer wieder an die grenzen der Physik zu gehen und sie zu überlisten. Dabei sind spektakuläre Flugmanöver entstanden. Der Ehrgeiz ist groß, jedoch steht Sicherheit vor allem. Für uns Piloten und für die Zuschauer.


Wie bereiten Sie sich auf einen Renntag vor?

Der Renntag fängt gedanklich schon lange vor dem Renntag an. Jeder hat seinen eigenen Rhythmus. Ich plane die Rennwoche und den Renntag bereits weit im Voraus, um mich mental und körperlich darauf einzustellen.
Während der Rennwoche sind die Tage genau durchgetaktet. Jedes Team muss sich an einen strikten Zeitplan halten, in dem von Briefings, Flüge, Fotoshootings, Autogrammstunden etc. eingearbeitet sind.
Am Renntag selbst geht’s nach dem Frühstück zum Flugplatz. Dort findet als erstes eine interne Teambesprechung statt. Was auf dem Plan steht und um die aktuelle Strategie zu besprechen.
Danach zum Pilotsmeeting, weches Pflicht ist. Es folgen Interviews und Meet & Greets. Spätestens eine Stunde vor dem ersten Flug ziehen wir Piloten uns in unsere abgeschotteten Räume zurück, um uns zu 100 Prozent auf die Fliegerei zu konzentrieren. Ab diesem Zeitpunkt sollte man nichts mehr an sich heranlassen, um nicht abgelenkt zu sein. Die mentale Vorbereitung ist sehr wichtig.
Sobald man im Flugzeug sitzt ist der Fokus aufs Rennen derart stark, dass einen nicht mehr aus der Ruhe bringen sollte.


Vom Boden aus betrachtet, sieht es manchmal halsbrecherisch aus, wenn sich die Air Race-Piloten mit ihren Maschinen aus der Höhe Richtung Pylonen stürzen. Was geht da in ihnen vor?

Volle Konzentration, Anspannung: Es sieht vielleicht so aus, ist es aber bei weitem nicht. Die Rennpiloten sind sehr speziell trainiert und verfügen über eine sehr große Flugerfahrung. Halsbrecherisch fliegen wir bestimmt nicht, wir sind die ersten, die überleben möchten.
Aus einem so genannten "Holding" (Warteschleife in der Luft) beginnen wir mit einem flachen Sinkflug in die Racebox. Sobald der Racedirektor mit dem Funkspruch "Smoke-on, cleared into the track" erteilt, ist man zu 100 Prozent konzentriert auf das Rennen. Eine art Tunnelblick, wo man alles andere ausblendet. In den rund 90 Sekunden im Rennkurs muss man alle Sinne bei sich haben, um möglichst präzise und schnell zu sein. Man bekommt zum Beispiel nicht mit, wo man fliegt oder wie viele Zuschauer da sind, weil die Augen und Sinne nur auf die Racebox gelegt sind.
Sobald man durch das Ziel fliegt, kommt ein kleiner Teil von Entspannung, nach der Landung totale Entspannung.
Anderen Profisportlern geht es genau so.

Mit welcher Maschine werden sie zum Flugtag nach Thüringen kommen und über welche Vorführungen von Ihnen werden die Gäste des Flugtages staunen?

Ich werde mit meiner EDGE 540 fliegen, mein ehemaliges Rennflugzeug, mit welchem ich 2009 und die halbe Saison 2010 Rennen geflogen bin. Zwei Vorführungen pro Tag, zwischen den Vorführungen werde ich eine Autogrammstunde geben und für Fragen der Zuschauer zur Verfügung stehen.
Den Zuschauern wird ein spektakuläres, atemberaubendes Unlimited-Freestyle-Kunstflugprogramm geboten.
Ich freue mich auf die Tage in Thüringen und hoffe, dass möglichst viele Zuschauer nach Alkersleben kommen werden.

Danke, dass Sie sich im 7814 Kilometer entfernten Lakeland Zeit für meine Fragen genommen haben. Ich freue mich auf Ihre Flugshow in Thüringen.

HINWEIS:
Flugtage auf dem Flugplatz Arnstadt - Alkersleben am 28. und 29. April 2012
Infos unter: www.grossflugtage.de
Der ALLGEMEINE ANZEIGER ist der Medienpartner zu den Flugtagen.
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5 Kommentare
3.886
Lydia Schubert aus Nordhausen | 24.04.2012 | 22:39  
Andreas Abendroth aus Saalfeld | 24.04.2012 | 23:15  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 25.04.2012 | 15:50  
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Evan van Heges aus Erfurt | 25.04.2012 | 23:59  
Andreas Abendroth aus Saalfeld | 27.04.2012 | 22:09  
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