Das Lieblingsstück des Museumschefs in Kölleda

Wolfgang Freybote ist von der alten Bierfahne und vor allem von Kölledas Bierbrauer-Geschichte fasziniert. Er selbst, so gibt er zu, mag auch ab und zu ein Schluck des kühlen Gebräus. Am liebsten kostet er das Bier, wenn er in der Fremde unterwegs ist, "Bier braucht Heimat", sagt er.
 
Die Bierfahne
Oh, da muss ich erst einmal nachdenken“, erbittet Wolfgang Freybote, nach seinem liebsten Ausstellungsstück befragt, ein wenig Bedenkzeit. Kurz ist der Chef des Kölledaer Heimatmuseums unschlüssig, ob er sich für das Richtschwert entscheiden soll. Dann aber weist er lächelnd auf ein Schild an der Wand: Die eiserne Bierfahne.

Hinter dieser, zeitlich nicht genau einzuordnenden, steht die Geschichte von einem früheren Kölleda, in dem sich viele der Bewohner der Kunst des Bierbrauens widmeten. Obwohl das Wort Kunst in diesem Fall nicht das richtige zu sein scheint, zumindest, wenn man das Ergebnis ­genauer betrachtet...

Das Braurecht, so besagt es die Stadtordnung, die 1392 Graf Friedrich IV. von Beichlingen erließ, stand zu der Zeit allen Kölledaer Bürgern zu, die mindestens eine halbe Hufe (etwa 15 Morgen) Land besaßen. „Damals wurde mit Getreide noch kein Handel betrieben. Um die in dieser Gegend häufig angebaute Gerste gewinnbringend anzulegen, braute man Bier.“, weiß der Museumschef aus den alten Überlieferungen.

Die im Jahre 1704 ausgegebene Brauordnung regelte dann, wer wann sein Bier brauen und ausschenken durfte. Jeder, der mit dem Ausschank an der Reihe war, durfte das genau zwölf Tage lang tun. Viel länger hielt sich das Gebräu wohl nicht...

Und hier kommt die Bierfahne ins Spiel. Jener Kölledaer Bürger, der durch Losentscheid das Recht des Bierausschenkens innehatte, tat dies den Durstigen der Stadt mit dem Anbringen der Bierfahne kund. Den Preis
für das Bier hatte zuvor der Rat festgelegt, der sich nicht zimperlich zeigte, wenn er wieder einmal finanziell in der Klemme war: Dann wurde die Kanne Stadtbier eben teurer. Besondere Rechte beim Biergenuss kamen übrigens
Schwangeren und Kranken zu. Die durften sogar nach dem offiziellen Schankschluss jederzeit nach kostenlosem Bier verlangen. Allerdings findet sich nirgends eine Notiz, dass zu guten Bierzeiten der Krankenstand in Kölleda in die Höhe geschnellt sei...

„Bier war damals nicht nur ein Genuss-, sondern vor allem ein geschätztes Nahrungsmittel. Und es hatte viel weniger Alkohol als heute“, erklärt Wolfgang Freybote. Über den Geschmack allerdings war niemand glücklich. Manche Burschen kletterten gar des Nachts über die Stadtmauern, um anderswo
Bier zu trinken, das weitaus besser mundete. „Und dem billigen Nachbräu, das die weniger gut Betuchten in der Stadt trinken durften, wurde nachgesagt, es schmecke, als hätte der Braumeister seine Hosen darin ausgewaschen“,
schmunzelt der Chef des Museums. Für einen Tag in diese Zeit versetzt, würde er das Wagnis einer Kostprobe nicht eingehen: „Um Gottes willen“, wehrt er ab.

Neben der Bierfahne findet der Museumsbesucher weitere interessante Zeitzeugen, Teile einer Wasserleitung, die Wasser für den Marktbrunnen
lieferte. Angeordnet wurde dieser kostspielige Bau (1582-84) nicht, um die Bürger mit gutem Wasser zu versorgen. Eher war es die Sorge um ein gutes Stadtbier, das aus dem Quellwasser gebraut werden sollte. In der nächsten Zeit, kündigt Wolfgang Freybote an, soll die Ausstellung Stück für Stück erweitert werden. Es soll noch mehr Informationen über die Historie der Stadt und die Kölledaer Geschichte des Bierbrauens geben.
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4 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 17.04.2012 | 13:31  
Helke Floeckner aus Erfurt | 19.04.2012 | 12:37  
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 05.02.2014 | 15:29  
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