Das "Schätzchen" vom Museumschef

Dr. Ulf Molzahn mit seinem Lieblingsstück, einem Kinderschuh aus der Zeit des Reformpädagogen Salzmann.
Nach seinem Lieblingsstück befragt, könnte es ein anderer Museumsdirektor durchaus ein wenig einfacher haben. Zumindest, wenn er lediglich ein Haus unter seinen Fittichen hat. Da muss Dr. Ulf Molzahn schon ein wenig länger überlegen, schließlich leitet er nicht nur das Stadtarchiv von Sömmerda, sondern ist als Museumschef ebenso für das Dreyse-Haus mit dem „Historisch-technischen Museum“, das Salzmann-Haus, das Schaudepot, Lapidarium, Stadtmauer und Wasserturm zuständig. Die Zeit des Nachdenkens über das liebste Exponat sei ihm daher gegönnt. „Das ist wirklich nicht so einfach, schließlich haben wir viele hundert Exponate“, beginnt er zu sinnieren...

Ausgangspunkt für Dr. Molzahns Überlegungen sind die ausgestellten Stücke im Dreyse-Haus. Johann Nicolaus Dreyse war der Erfinder des Zündnadelgewehrs. Eine kleine, sehr wertvolle Sammlung derartiger Waffen ist hier zu sehen, dazu besitzt das Haus Bau- und Fertigungspläne derselben. Heute gilt das Sömmerdaer Museum weltweit als Auskunftsstelle zum Thema Zündnadelgewehre.

Doch hier werden wir nicht fündig. „Ich könnte höchstens mit dem einen hier ausgestellten Gewehre als Lieblingsstück leben. Aus denen wurde nämlich niemals geschossen“, verwirft Dr. Ulf Molzahn seine Idee sich zu entscheiden gleich wieder. Schließlich liebäugelt er mit einer ganz anderen Rarität. Einem Zufallsfund, einem sehr schönen sogar, wie er findet.

Nur etwa hundert Meter weiter strahlt er übers ganze Gesicht. Angekommen im Salzmann-Haus. Jedes Mal aufs Neue ist er beeindruckt von diesem kleinen „Schatz“, der vor etwa sieben Jahren überhaupt erst zum Vorschein kam: Bei der Renovierung des Hauses, das den bedeutendsten Sohn der Stadt, den Theologen und (heute würde man so sagen) Reform­pädagogen Christian Gotthilf Salzmann, würdigt, wurde ein Kinderschuh gefunden. Und er stammt genau aus der Zeit, in der Salzmann hier gelebt hatte. Das ist schon allein aus der Machart des Schuhwerks abzulesen. Denn damals, bis zu einer anderslautenden Anordnung im 19. Jahrhundert, gab es keine linken und rechten Schuhe. Ein Schuh wurde bei der Fertigung über einen Leisten gezogen, sah genauso aus wie sein Gegenstück. Dieser hier ist aus Leder, außerdem mit Stoffnägeln gefertigt. Natürlich kann heute niemand mehr sagen, wessen Fuß ihn einst getragen hat. Aber es könnte der Salzmanns gewesen sein...
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige