Für zwei Stunden zum Erbsbär werden

Esperstedt: Bürgerhaus | Er soll den Winter vertreiben und begleitet somit jedes Jahr in Esperstedt den Karnevalsumzug. Die Rede ist vom Erbsbär.




Was sich so wunderbar anhört, war für zwei Esperstedter am Sonnabend mit einer nicht ganz so einfachen Aufgabe verbunden gewesen. Für den 24-jährigen Lars Mirus und den neunjährigen Niklas Grauert hieß es nämlich, zwei Stunden in Stroh eingebunden zu überstehen. Der Aktion stand auch in diesem Jahr nichts im Wege, denn Schäfer Bogk aus Udersleben sorgte für die nötige Menge Stroh, etwa zehn Bündel, die in fleißiger Arbeit von sechs Esperstedtern zu langen Rispen gebunden wurde.

Für Lars war es nicht das erste Mal. "Etwa fünf Mal habe ich mich schon in den Erbsbären verwandelt", sagt er nach einigem Überlegen. Niklas macht das Schauspiel freiwillig zum ersten Mal mit, doch so recht ahnte er nicht, auf was er sich da eingelassen hatte. Während die Esperstedter Karnevalsfreunde Niklas das Stroh um die Beine banden, fragte Lars noch einmal nach: "Musst du nochmal auf Toilette. Jetzt geht es noch, später nicht mehr." Niklas winkte ab.

Um 11.15 Uhr waren die Beine komplett eingebunden. Um 13 Uhr ging der Umzug los. 2,5 Kilometer schätzten die Faschingsfreunde die Strecke, die es für Niklas und Lars durchzuhalten galt. "Erst etwa um 14 Uhr werden die beiden wieder aufgeschnitten", weiß Reinhard Kuppe. "Dann ist derjenige völlig durchgeschwitzt, also klatschnass. Das war in all den Jahren immer so."

Bis kurz vor dem Umzug dauert das "Ankleiden". "Jetzt haben wir etwa 20 bis 30 Kilogramm mehr zu tragen", schätzt Lars Mirus, der beim Einbinden der Arme diese auf zwei Besen stützen musste. Der Kraftaufwand war ihm anzusehen. Und wie fühlt er sich im dicken Strohkleid? "Man fühlt sich wie in einer mobilen Sauna" antwortet er wohl recht treffend. Dann ging es für die Erbsbären Lars und Niklas los. Im schwerfälligen Schritt mussten sie gemeinsam mit den Bettelfrauen Spenden einsammeln. Das entsprechende Frauenkostüm zog sich dabei Reinhard Kuppe an. "Früher ist der Erbsbär nur mit den Bettelfrauen durchs Dorf gelaufen", erzählt der Esperstedter. "Sie sammelten beispielsweise Knackwurst, Brot und Kleingeld ein."

Die Frauen sollen hier nicht vergessen werden: Erfahrungsgemäßig haben nach dem Umzug nicht nur die Erbsbären Hunger. Deshalb sorgten sieben Frauen im Vorfeld für das leibliche Wohl. 150 Brötchen hatten sie geschmiert und belegt.
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