Mord- oder Mooräcker?

Mordäcker zwischen Straußfurt und Henschleben: In den 1980er-Jahren wurde das steinerne Kreuz vor dem Versinken gerettet. Foto: Axel Heyder
Henschleben: Kirche | Ging es auf dem Boden des heutigen Rückhaltebeckens einst blutig zu?


Von Axel Heyder
und Lothar Dillenberger

HENSCHLEBEN. Irgendwo, wo das heutige Rückhaltebecken Straußfurt die Landschaft mit Wasser beckt, ist es einst wohl blutig zugegangen. Den letzten Beleg dafür haben, so erzählt man in Heschleben, Hans Grüning und sein Sohn in den 1980er Jahren gesichert. Ein steinernes Kreuz, das sonst im Schlamm versunken wäre, steht nun unmittelbar neben der Kirche in Heschleben. Die beiden Landwirte hatten den Brocken vor dem Versinken gerettet.

 Der Eintrag „Mordäcker“ stand für dieses Flurstück in den Urkunden. Lange Zeit glaubte man aber in Heschleben, dass es wegen des sumpfigen Gebietes Mooräcker statt Mordäcker hätte heißen müssen. Ein Irrglaube. Die Mordäcker gibt es tatsächlich, landesweit sogar. Noch andere Flurstücke, wie im hessischen Lengfeld oder Hüddingen heißen so. Der Streit um die Namensgebung des Flurstückes ist aus einer Urkunde des Gothaer Staatsarchivs vom Jahre 1331 zu schlichten, die den Beweis liefert, dass in jener Zeit ein Straußfurter Grundstück den Namen „Mordacker“ führte. Mordäcker waren die Schlachtfelder von einst.

 Im Jahre 1080 tobte westlich von Vehra – das zwischen Henschleben und Straußfurt liegt – auf den „Mordäckern“ die Schlacht zwischen den Truppen Kaiser Heinrichs des IV. (11. November 1050 bis 7. August 1106) und dem sogenannten Gegenkaiser Rudolf von Rheinfelden, auch Rudolf von Schwaben genannt (1025 bis 16. Oktober 1080). Dieser wurde während des Investiturstreites am 15. März 1077 in Forchheim zum Gegenkönig gekrönt.
 Heinrich der IV. war schon als Kind gekrönt worden, weil sein Vater Heinrich der III. an einer scheren Gicht litt und somit rechtzeitig die Thronfolge sichern wollte. Sein späterer Gegner von ­Vehra, Rudolf von Schwaben, hatte ihm zur Krönung damals die Treue geschworen, daran aber eine Bedingung geknüpft: Nur wenn er ein gerechter Kaiser werde, halte er ihm die Treue. Das war vermessen für die ­damalige Zeit.

 Heinrich IV. ­hatte sich später mit Papst Gregor dem VII. angelegt und dessen Macht in Frage gestellt, einer der Gründe für die Abspaltung seines Gegners. Bereits fünf Jahre zuvor tobte ganz in der Nähe die Schlacht bei ­Homburg an der Unstrut (ehem. Kloster Homburg / Bad ­Langensalza), am 9. Juni 1075 fügte Heinrich dem sächsischen Heer eine herbe Niederlage zu. Damals kämpfte Rudolf noch an seiner Seite. Anschließend wird berichtet, sei Heinrich „verheerend“ durch Sachsen und Thüringen gezogen. Mordäcker könnte es also noch mehr geben in dieser Gegend.
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