Unverkennbar

Pauline Spengler spielt Gitarre, hat eine markante Stimme und schreibt eigene Lieder. Am 25. Januar kann man sie live in Gebesee erleben. Foto: Sandra Rosenkranz
      Die 17-jährige Pauline Spengler aus Kindelbrück gibt am 25. Januar ein Konzert in Gebesee und wird als ­Geheimtipp angekündigt.
Ich sprach mit der Gymnasiastin über ihre eigenen Lieder, Vorbilder, Straßenmusik und Ziele


Beim Jugendwettbewerb „Alles außer Klassik“ 2010 standest du das erste Mal im Rampenlicht und hast ihn gemeinsam mit Frauke Hoffmann gewonnen. Was ist seit dem passiert?
Seit dem haben die Auftritte zugenommen, denn es sind ja ein paar Leute auf mich aufmerksam geworden. Ich spiele bei Geburtstagen, auf Hochzeiten, bei Freunden. Nichts Großes aber es ist trotzdem sehr schön. Ich bin an Erfahrung reicher geworden und auf der Gitarre spiele ich noch sicherer. Man lernt auch auf den Wettbewerben jedes Jahr viele neue Leute kennen. Bei „Alles außer Klassik" haben wir zum Beispiel auch alle zusammengesessen und gemeinsam gespielt. Das ist einfach so schön, sich mit Musik zu verständigen und dabei neue Freundschaften aufzubauen.

Klingt nach „Musik ist mein Leben“?
Wenn ich Musik mache, kann ich abschalten und für einen kurzen Zeitraum alles um mich herum vergessen. Wenn ich mich ärgere oder Stress in der Schule habe, dann nehme ich mir die Gitarre und spiele. Danach geht es mir wieder gut. Vor der Gitarre habe ich Klavier und Schlagzeug gespielt. Das hat mich nicht so erfüllt. Da fehlte mir der Spaß. Zur Gitarre kann ich auch singen.

Auf Youtube kann man zwei Studioaufnahmen mit Coversongs von dir hören.
Ja, von meinen Eltern habe ich zu meinem Geburtstag vor einigen Jahren einen Gutschein für Studioaufnahmen bekommen. Ich fand sehr interessant zu sehen, wie es dort abläuft, was es für Möglichkeiten und Techniken gibt. Das war mir zu dem Zeitpunkt gar nicht so bewusst.

Du schreibst auch eigene Songs. Wann gab es den ersten?
Das hat angefangen als ich auch angefangen habe, Gitarre zu spielen. Aber die Texte waren noch nicht so tiefsinnig. Mein erstes richtiges Lied habe ich 2012 im Dezember geschrieben. Das heißt auch „December“.

Worum geht es darin?
Da geht es um einen Jungen, den ich damals kennengelernt habe, aber wir haben einfach zu weit auseinander gewohnt. So war es schwierig, sich näher kennenzulernen und zu treffen. In gewisser Weise ist dies traurig, aber die Freude ist umso größer, wenn es dann doch einmal klappt und man sich wiedersieht.

Du schreibst und singst über Dinge, die dich betreffen. Stört es dich nicht, dass die Zuhörer möglicherweise zu viel über dich erfahren könnten?
Nein. Ich finde das sogar gut. Ich glaube, dass meine Texte Lebenssituationen widerspiegeln, in denen sich ganz viele Leute wiederfinden – schöne und traurige Erinnerungen, Momente, die man einfach nicht vergessen kann oder will.

Wie würdest du deine Musik beschreiben?
Meine kann ich nicht unbedingt in ein Genre einordnen. Da die Lieder eben immer auf Erfahrungen und Erinnerungen, auf Dingen basieren, die passiert sind. Die ich selbst erlebt habe. Meistens handelt es von Personen, die ich mag und kennengelernt habe. Mein letztes Lied beispielsweise habe ich mit „Stein“ (Martin Steinicke)- meinem musikalischen Begleiter - zusammen geschrieben. Das heißt „Summer long“. Da geht es um den Sommer und das, was wir und unsere Freunde alles erlebt haben. Deswegen war es mit der schönste Sommer für mich. Auch weil Stein und ich seitdem zusammen Straßenmusik machen.

Was? Straßenmusik?
Ja, wenn das Wetter gut ist, fahren wir fast jede Woche nach Erfurt. Wir wollen dort die Leute mit unserer Musik begeistern. Wir singen die selbst geschriebenen Lieder und Coversongs. Aber nicht aus den Charts. Wir singen die Lieder, die vielleicht nicht jeder kennt, damit man auch einmal was Neues hört.

Wer sind deine Vorbilder?
Meine Eltern natürlich, das ist ja logisch. Musikalische Vorbilder sind Alin Coen, das ist auch eine deutsche Singer-Songwriterin. Von ihren Texten bin ich begeistert. Sie schreibt deutsche Texte, die tief in die Materie gehen. Da denke ich, dass ich das niemals hinbekommen könnte. Ich kann mich in Englisch viel besser ausdrücken als in Deutsch. Vorbilder sind auch die deutschen Texter Bosse und Philipp Poisel. Denn ich finde, es gibt heute einfach noch zu wenig deutsche Künstler, die sich mit der deutschen Sprache beschäftigen und ihre Musik in Deutsch rüberbringen. Sie geben auch nicht riesengroße Konzerte, sondern kleine, eher in einem familiären Rahmen. Die kommunizieren mit ihren Gästen, kommen ins Publikum und singen mit uns.

Die Vorbilder und ihre Musik sind nicht unbedingt etwas für die Masse, oder?
Das stimmt. Das möchte ich selbst auch nicht. Viele sagen mir, dass ich einen Wiedererkennungswert habe. Den strebe ich immer an. Ich möchte mich auch nicht angleichen, sondern immer genau das andere machen - eben nicht wie in den Charts, die wie nach bestimmten Schemata aufgestellt wirken.

Wenn du Lieder auf Deutsch so gut findest, warum versuchst du es nicht weiter?
Ich habe es schon versucht. Ich kann mich irgendwie nicht so ausdrücken. Das, was ich vermitteln will, schaffe ich im Englischen besser. Da finde ich die richtigen Worte und habe auch das Gefühl, es klingt besser.

Es gibt jetzt fünf Lieder von dir. Würdest du sagen, du hast deinen Musikstil schon gefunden?
Ich kann sagen, dass ich die langsamen Lieder an sich weniger mag. Ich finde, die strahlen immer etwas Traurigkeit aus. Meine Lieder sind schnell. Das macht mir mehr Freude als eine Ballade. Ich habe zwar ein etwas langsameres dabei, aber ohne traurigen Text. Ich musste ja auch abwechslungsreich sein.

Welche Leidenschaften neben der Musik hast du noch?
Meine Freunde sind für mich mit das Wichtigste, genauso wie meine Familie. Ich brauche immer jemanden um mich herum, brauche Spaß, muss viel unternehmen, Konzertbesuche und alles ist mit schönen Erinnerungen verbunden. Und ich fahre gern in große Städte.

Worauf freust du dich in diesem Jahr noch besonders?
Dass ich mein Abitur mache und es geschafft habe mit der Schule. Dann auf die Abschlussfahrt nach Bulgarien mit meinen Freunden. Und in diesem Jahr kann ich endlich meinen Führerschein machen. Die Musik spielt natürlich auch eine große Rolle, wie das Konzert jetzt in Gebesee. Das wird eine ganz neue Erfahrung.

Was möchtest du nach dem Abi machen? Was mit Musik?
(lacht) Das ist eine ziemlich schwierige Frage. Also es wird auf jeden Fall nichts mit Singen. Das steht für mich schon fest, weil ich das nur als Hobby behalten möchte. Ich möchte eher in den sozialen Bereich. Vielleicht etwas mit Kindern. Ich habe überlegt, Erzieherin zu werden, weil man da auch mit den Kindern singen kann. Musik wird mich ein Leben lang begleiten, weil es für mich einfach dazugehört. Aber ich möchte auch andere Erfahrungen machen als nur mit Musik.

Gibt es einen Plan B?
Ich würde zunächst ein freiwilliges soziales Jahr machen bei der Stiftung Finneck. Meine Freundin und ich haben unsere Seminarfacharbeit darüber geschrieben. Wir haben viele Erfahrungen sammeln können. Und es war so schön, sich mit den Kindern mit Behinderung zu beschäftigen. Wie diese Kinder Emotionen vermitteln, fasziniert mich.

Hast du trotzdem musikalische Ziele?
Ich muss sagen, ich bin im Moment so zufrieden wie es ist. Natürlich würde ich es schön finden, wenn es noch ein paar mehr Auftritte und Konzerte werden. Denn Stein und ich wollen unsere Musik noch mehr an die Leute heranbringen. Das ist mein Ziel. Den Leuten soll unsere Musik gefallen, und sie sollen Spaß haben, wenn sie unsere Konzerte besuchen, unsere Auftritte erleben.

Wo siehst du dich musikalisch in zehn Jahren?
Das unsere Musik bekannter geworden ist und ich immer noch mit Stein Musik mache. Bis dahin hatten wir vielleicht auch schon die Chance, außerhalb von Sömmerda und Thüringen zu spielen. Ich habe mich auch beim Gitarrespielen weiterentwickelt. Bisher reicht es, aber ich möchte noch mehr können, um stolz auf mich zu sein.

Willst du deinen Gesang noch verfeinern mit einer Gesangsausbildung?
Es ist vielleicht schön, wenn man eine hat. Ich habe versucht, mir selbst meinen eigenen Stil beizubringen, anzugewöhnen. Meine Stimme entsprechend zu verändern, um dann bei dem Konzept zu bleiben. Meine Freundin, die bei der Straßenmusik mein neues Lied gehört hatte, vergleicht mich mit Amy McDonald, dass ich die Stimmfarbe von ihr habe.

Wie findest du eigentlich die Talentshows im Fernsehen?
Ich finde Sendungen wie DSDs oder Supertalent nicht so angemessen. Es geht teilweise nur ums Aussehen und dann wird auf die Stimme geachtet. Bei The Voice of Germany wird nur auf die Stimme geachtet, deswegen drehen die sich auch um. Das finde ich viel besser. Denn man sollte nicht nur in den Vordergrund gerückt werden, weil man gut aussieht und dadurch repräsentativ ist.

Abschließend verrate mal noch deinen momentanen Lieblingssong, auch wenn er vielleicht nicht jedem bekannt ist?
Zur Zeit das Lied „So oder so“ von Bosse. Da geht es auch um das Leben. Man soll das Gute beibehalten, das Schlechte über Bord werfen. Das ist auch mein Lebensmotto.

https://de-de.facebook.com/pages/Stein-Pauline/141...
http://www.youtube.com/user/PaulineSpengler


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