Urmel & Co - Mit Ostwind aus dem Keller

Die Sömmerdaer Rockband „Urmel & Co“ – Joachim Golinski (r.), Lothar „Urmel“ Nürnberger (m.) und Jürgen Bauer. Foto: Rosenkranz
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Urmel & Co


„Heute habe ich das Aufnahmegerät mit!“, sagt Joachim Golinski. Noch einmal soll es nicht passieren, dass die drei den Riff vergessen, während sie die Idee für den Song ausfeilen. Bei der Sömmerdaer Rockband Urmel & Co ist Probe angesagt. So manches Mal kommen Joachim Golinski, Lothar „Urmel“ Nürnberger und Jürgen Bauer dabei ins Schwitzen, in ihrem Proberaum im alten Luftschutzkeller in der Rheinmetallstraße. Dort steht auch die alte Technik. Ganz nach dem Motto „Zurück zur Röhre“.

Als Band gehört Urmel & Co zu den Alteingesessenen. Inspiriert von DDR-Rockbands begann die Geschichte vor mehr als 40 Jahren unter dem Namen Franke-Echo-Combo. „Damals haben wir öfter mal verbotene Titel ­gesungen und wurden ebenfalls verboten“, erzählt Joachim, der mittlerweile 63 Jahre alt ist. „Aber wir haben immer wieder angefangen“, ergänzt Urmel. Mitte der 70er-Jahre sind alle ihrer Wege gegangen. Doch aus den Augen verloren haben sie sich nie. 2005 – nach 30 Jahren – war der große Zusammenschluss und sie durften Lieder auf englisch singen: Jimi Hendrix, Deep Purple, Uriah Heep ließen grüßen. Ihr Interesse liegt auf den Altmeistern des Rock.

Bis 2011 spielte Werner Assmann in der Band. Er stieg dann aus und Jürgen Bauer aus Eisenach ein. Dieser ­spielte zuvor in der ­Rhönband, die auch in den USA auftrat. „Wir haben vorsichtig angefragt“, sagt Urmel. Jürgens Antwort: „Wenn ich nochmal in einer Band mitmache, dann nicht professionell.“ Er ist mit 57 Jahren der jüngste in Urmel & Co. „Wir machen auch ausschließlich Musik, die wir unser ganzes Leben schon machen wollten“, betont Joachim.
So bearbeiten sie die internationalen Titel der bekannten Rockbands extra für sich und ihre Instrumente – Bass, Schlagzeug und Gitarre. Jürgen spielt auf einer Les-Paul-Gitarre – ein Traum, den er sich nach der Wende erfüllt hat.

Seit 2011 komponieren ­Urmel, Joachim und Jürgen nun auch eigene Songs. Vital-rythmisch interpretierter Rock ist das Markenzeichen. Zu diesem Sound singen sie von Volkseigentum, Schwachsinns-TV, dem Flaschenmann und den Fans von Rot-Weiß Erfurt, die den Titel vor jedem Heimspiel hören. Diese Lieder sind auf ihrer ersten eigenen CD „Ostwind“ erschienen. Es sind Titel ohne Nostalgie, auf deutsch und sie sind rockig. „Uns soll jeder verstehen. Aber zu Rockmusik deutsche Texte mit Tiefgang zu finden, ist schwer“, gesteht Joachim. Doch es ist ihnen gelungen. Liebe ist dabei kein Thema. Eher Ironie und Politik. Alle haben ihre Ideen mit eingebracht, mitkomponiert – sie bezeichnen es als perfekte Teamarbeit. Der CD-Verkauf war zudem an eine Spendenaktion gekoppelt. Stolz konnten Urmel & Co einen Scheck über 1500 Euro an das Kinderhospiz Mittelthüringen übergeben.

Jetzt sind fünf neue Titel in Arbeit. „Vielleicht reicht es ja mal für eine zweite CD. Aber wir haben Zeit, wir sind doch noch jung“, sagt der 60-jährige Urmel mit einem Schmunzeln.

Auf den CD-Erfolg folgte das nächste Event, das die Männer in ihrem Bandleben nicht vergessen werden: Im Oktober 2012 spielten sie in Gotha mit Martin Gerschwitz von Iron Butterfly zusammen. „Das war das größte Highlight!“, schwärmt Joachim. Jürgen und Urmel schwärmen mit.

Der Sender Bayern 1 fällt bei Höhepunkten als nächstes Stichwort. Bayern? „Ja, bei den Bayern-Beatles-Charts zum 50. Geburtstag der Beatles waren wir mit einer ­eigenen Fassung von ‚Get Back‘ als einzige Thüringer Gruppe vertreten.“ Wenn ­Urmel, Joachim und Jürgen also selbstbewusst sagen und singen „Wir sind die beste Band der Welt“ – dies ist auch ein Lied auf der CD –, kommt das nicht unbedingt von ungefähr. Sie spielen auch nicht mit anderen Musikern als Ersatz, falls einer von ihnen ausfällt. „Da sagen wir eher ab.“

Dann hoffen wir mal, dass sie zur Sömmerdaer Kneipenmeile alle gesund sind, denn da können wir Urmel & Co live erleben.


Nachgefragt
Wer ist euer Vorbild?
• Lothar „Urmel“ Nürnberger: Bertram Engel, der Schlagzeuger bei Peter Maffay und Udo Lindenberg
• Joachim Golinski: Deep Purple ist nach wie vor meine Lieblingsband.
• Jürgen Bauer: Keith Richards wird ewig mein Vorbild bleiben. Das Einfache bei seinem Spiel beeindruckt mich.

Euer Lieblingslied?
• Joachim Golinski: Deep Purple „Child in Time“ – das Lied als gesamttechnisches Werk
• Lothar „Urmel“ Nürnberger: Iron Butterfly „In Garda Da Vida“
• Jürgen Bauer: Honky Tonk Woman von den Stones

Was wünscht ihr euch?
• Lothar „Urmel“ Nürnberger: Ich möchte gesund bleiben, sodass ich so lange wie möglich meinem Hobby auf der Bühne nachgehen kann.
• Jürgen Bauer: Ich möchte noch einmal mit ZZ Top zusammen auf der Bühne stehen. Das wär´ ein Gaudi.
• Joachim Golinski: Gesund bleiben, um das Hobby noch lange zu machen, und dass man angekündigter Enkel auch ein bisschen musikalisch wird.

Was mögt ihr musikalisch gesehen gar nicht?
• Joachim Golinski: Mit klassicher Operette kann man mich vertreiben.
• Jürgen Bauer: Ich bin für alles offen.
• Lothar „Urmel“ Nürnberger: Oper ist absolutes Gift.


Noch ein Beitrag über Urmel & Co
http://www.meinanzeiger.de/soemmerda/kultur/ein-li...


Die Musiker und Bands aus der Region auf meinAnzeiger
Urmel & Co
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Egon Kupphardt
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