Vergessenes Juwel

Bürgermeister Rainer Beie (l.) und Steffen Haselhuhn vom Traditionsverein wollen den Turm retten.
 
Das kleine Gewölbe im Turminneren ist völlig marode.
Ichstedt: Alter Turm | Ichstedter wollen ihren rund 900 Jahre alten Turm sanieren – das große Ziel ist ein Aussichtsturm.


Bürgermeister Rainer Beie bezeichnet ihn als "kleines Juwel oder ungeschliffenen Diamanten", den man vergessen hat, zu erforschen. "Den Kyffhäuser hat man erforscht, die Pfalz in Tilleda, nur unseren alten Turm hat man in der Reihe vergessen", sagt er. Gemeinsam mit dem wiederbelebten Ichstedter Traditionsverein will er das ändern.

Der rund 900 Jahre alte Turm ist die ehemalige romanische Kapelle des Ortes mit wehrhaftem Charakter. Er droht zusammenzufallen, wenn er nicht endlich gesichert wird. "Der Turm ist Gemeindeeigentum und somit sind wir auch zur Sicherung verpflichtet", nennt Bürgermeister Beie den Hintergrund. Seit 1945 ist am Turm nichts mehr gemacht worden. Es fehlt das Dach. Entsprechend entwickelte sich der Zustand des Turmes. Auf recht stabilen 1,50 Meter breiten Seitenwänden liegt zwar noch eine Gewölbe, aber es ist so marode, dass auch dieses jederzeit zusammenfallen kann. Schwarz und porös sind die Steine, die eine lange Geschichte erzählen könnten.

Gemeinde und Traditonsverein unter Vorsitz von Steffen Haselhuhn machen jetzt gezielt auf die Problematik und den Wiederaufbau aufmerksam. Zunächst soll ein neues Dach auf den Turm gesetzt werden, um den Rest vor weiterem Verfall zu schützen und um später weiter zu bauen. Aber um erst einmal den Ist-Zustand zu erhalten, hat die Gemeinde kein Geld. Sie hofft auf Fördermittel als Unterstützung, muss aber den entsprechenden Eigenanteil aufbringen. Die Ichstedter begannen mit der Spendensammlung. "Bisher haben wir 1000 Euro aber auch schon einige Sandsteine", berichtet Steffen Haselhuhn.

Dass Interesse am Turm besteht, konnten der Bürgermeister, Ichstedts Heimtforscher Paul Huke und Steffen Haselhuhn bereits zum Tag des offenen Denkmals im vergangenen Jahr - zu dem sie spontan die Türen öffneten - feststellen.Gleiches geschah am 18. Mai dieses Jahres. Seitdem ist der Turm auch ausgeschildert. Diese Resonanz hat sie nur bestärkt in ihrem Vorhaben, den Turm wieder zum Leben zu erwecken.

"Unser alter Turm ist das Wahrzeichen aus Ichstedts Vergangenheit, aber auch die älteste Dorfkirche in Thüringen", sagt Beie stolz. Er ist überzeugt, dass das Projekt deshalb nicht nur für die Gemeinde und den Landkreis, sondern auch für das Land Thüringen interessant ist. So wollen der Ichstedter, ihren alten Turm in einzelnen Schritten sogar als Aussichtsturm sanieren, der einen weiten Blick ins Umland ermöglicht, vom Kyffhäuser bis zum Weinberg, von der Thüringer Pforte bis Sachsen-Anhalt.

Am 11. Juli gibt es den nächsten Vor-Ort-Termin, zu dem Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege als auch das Planungsbüro aus Mühlhausen anwesend sein werden. "Wir wollen noch in diesem Jahr den Fördermittelantrag stellen", betont Rainer Beie das erste Ziel und ergänzt: "Andere schlafen noch, wir nicht mehr."



• Der alte Turm gehört zum Ursprungssiedlungsgebiet in der Region; wahrscheinlich Ende des 11./Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut. Das historische Bauwerk war Pfarrkirche, später Armenhaus und teilweise Leichenhalle, und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs sogar bewohnt.

• Kontakt: Ländlicher Traditionsvereins Ichstedt e.V. Telefon 03466 / 322152 (Besichtigungstermine können vereinbart werden.)
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