105 Meter die Windkraftanlage hinauf

Sehe ich nicht gut aus?
 
Henrik Düker verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Greenpeace Energy eG
 
Da will ich hinauf.
Wundersleben: Windpark | "Sie bringen jetzt drei Mal soviel Leistung als vorher", nennt Sönke Tangermann, Geschäftsführer der Planet energy GmbH, den Hauptgrund für den Austausch der fünf von sieben Windkraftanlagen im Windpark Wundersleben durch neue Anlagen mit einer Leistung von zehn Megawatt. Mit einem Mühlenfest feierten die Hamburger und die Strom aus Wind Projektgesellschaft mbH & Co. Windpark Wundersleben KG den Abschluss ihres Repowering-Projekts.

Rosemarie Rübesamen, Geschäftsführerin der KG, hätte nie gedacht, dass man von den vor zwölf Jahren aufgebauten Anlagen 2011 bereits wieder fünf austauscht. "Aber der rasante Fortschritt in der Windenergie gibt uns recht", betont sie. Die Leistung und Erträge stimmen. Die drei durch Planet energy betriebenen neuen Windkraftanlagen beispielsweise liefern jetzt durch die neueste Technik pro Jahr rund 11,5 Millionen Kilowattstunden Strom. Die bis zur Spitze des Rotorblattes 150 Meter hohen Windräder nutzen die Windkraft ab drei bis vier Meter pro Sekunde. Und auf dem Wunderslebener Hügel ist es sehr windig. Es werden dort aber insgesamt nur diese sieben Anlagen bleiben, informiert Tangermann.

Zahlen und Fakten:
Windpark Wundersleben mit sieben Windkraftanlagen (1999 gebaut)
- Die 5 neuen Maschinen liefern jetzt 19 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr (ausreichend für
6400 Haushalte); 10 000 Tonnen CO2 werden vermieden
- jede Anlage kostet weit über 2,5 Millionen Euro plus Planungskosten (unter anderem Schallwerte
und Schattenrichtlinien einhalten), Kosten für Gutachten (Beachten von Landwirtschaft und Natur)
sowie Zuwegung
- eine Anlage ist bis zur Rotornabe 105 Meter hoch, bis zur Spitze eines Rotorblattes 150 Meter, Durchmesser des Rades ist 90 Meter
- Turm aus Stahl, Rotorblätter aus Glasfaser verstärktem Kunststoff
- im Maschinenraum an der Rotornabe: Generator mit einer Leistung von 2000 Kilowatt und ein Getriebe mit der Steuerungselektronik sowie Hydraulik (Drehen der Anlage entsprechend der Windrichtung und "Pitchen" der Rotorblätter um die Längsachse beziehungsweise Einstellen des Flügelprofils); ein Trafo spannt den Strom auf 20000 Volt
- Anlage läuft bei Windgeschwindigkeiten von 3 bis 4 Metern pro Sekunde über einen gewissen Zeitraum; Abschalten bei Windgeschwindigkeiten um die 90 km/h (ab 25 Meter pro Sekunde)


Mein Aufstieg in einer Windkraftanlage bis zur Rotornabe
Ich bin etwas nervös. Jetzt steige ich gleich eine Windanlage hinauf. Allen, denen ich davon erzählt habe, fanden das interessant, gut aber auch mutig.

Die Mitarbeiter von Vestas bereiten derweil alles vor. Die Turmtüren werden geöffnet, die Rotorblätter angehalten. "Wollen Sie die Jacke wirklich anbehalten. Da oben werden es etwa 40 Grad warm sein, denn wir haben die Anlage gerade abgeschaltet", macht mich einer der Werkstudenten (Umweltmanagement und Wirtschaftsingenieur für erneuerbare Energien) auf den bevorstehenden Aufstieg in 105 Meter Höhe aufmerksam. Ich ziehe die Jacke also aus. Ich dachte nur, dass es beim Blick von der Anlage etwas frisch werden könnte. Aber ich vertraue den Worten des jungen Mannes. Dann fragt er mich, ob ich noch einen Schutzanzug anziehen möchte. Na gut, Öl auf der Hose kann ich nicht unbedingt gebrauchen. Jetzt sehe ich perfekt aus für den Aufstieg. Man könnte denken, ich will sonst wo hin.

Nach dem Anlegen der Sicherheitsgurte, einer Belehrung und ausführlichen Anweisungen, geht es los. Genügend Abstand zum Vordermann lassen, mit der Platte der Sicherheitsausrüstung im Rücken gegen die Wand drücken und aufsteigen. Aber noch ein nicht ganz angenehmer Hinweis: Wenn jemand zwischendrin aufgibt, müssen alle, die danach folgen, ebenfalls wieder mit nach unten. Sie können dann einen erneuten Versuch starten. Ich steige nun als erstes hinauf. "Sandra, du musst dich zusammenreißen. Du willst nicht, dass wegen dir alle wieder runter müssen." Doch ich komme mit meinem Rücken und Gesäß nicht an die Wand. Verdammt. Also muss es so gehen wie sonst auf der Leiter zu Hause. Oben wird es schmaler, dass es dort mit der Platte an der Wand hoffentlich klappen wird.

Die Luft wird mit jedem Meter knapper. Ich stelle die Sicherung an der Leiter wieder fest. Kurze Pause. Von oben die Rufe: "Ja, das sieht gut aus. Weiter so." Motivation für die nächsten 30 Stufen. Das Zählen der Stufen habe ich schon nach den ersten paar aufgegeben. Ich muss mich auf meine Atmung und meinen Körper konzentrieren. Das ist wichtiger. Eines ist sicher: Es waren bis zum Ziel mehr als 105 Stufen, eher um die 500.
Ich weiß nicht mehr, wann die Arme bereits lahm und die Füße schwer wurden. Nach oben schaue ich nicht. Der Blick führt nur ins Unendliche. Ich klettere wieder auf eine kleine Verengung zu, wo zwei Teile des Turmes aufeinanderstoßen. Ein idealer Platz für eine kurze Rast und von den Vestas-Mitarbeitern ausdrücklich empfohlen.

Langsam ist ein Ende in Sicht. Und der Schweiß tropft. Die Haare sind feucht unter dem Helm. Oben angekommen, gibt es noch eine kleine Hürde. Um in den Raum zu gelangen, muss ich von der letzten Stufe unter einer Stahlkonstruktion durchrobben. Nicht ganz so einfach für mich. Wann bin ich das letzte Mal gerobbt? Doch dann: Geschafft! Luft holen!

Der Blick von oben entschädigt für die Strapazen. Angekettet schaue ich rundrum. Weißensee, Straußfurt, Wundersleben... Dann kommt auch noch die Sonne raus. Einfach herrlich. Schnell noch ein paar Fotos machen. Aber meine Hände zittern noch von der Anstrengung. (Anmerkung: Meine Kamera durfte mit dem Fahrstuhl hochfahren.) Die Vestas-Mitarbeiter erklären uns noch kurz, was in dem Maschinenraum alles zu sehen ist, vom Generator bis zur Kühlung. Ich darf nicht mit Blitz fotografieren, denn sonst könnte ich einen Alarm auslösen. Die Anlage kann auf Blitze und Blinken von Flugzeugen reagieren und sich automatisch abstellen. Noch einmal durchatmen. Dann der Funkspruch, dass wir mit dem Abstieg beginnen mögen. Jetzt muss ich die ganze Strecke auch wieder runter...

Jo, was mache ich mit der Tasche? Kann diese wieder mit dem Fahrstuhl runter? Ok, wir versuchen es. Dann geht es abwärts. Dieses Mal bin ich die letzte. Henrik Düker von Planet energy ist weit genug entfernt. Es geht los. Und da merke ich die Beine schon nach den ersten paar Stufen. Aber wenigstens habe ich noch genug Puste. Jetzt muss ich noch darauf achten, dass sich die Sicherung nicht feststellt. Mit der Platte im Rücken komme ich problemlos an die Wand. Und Tatsache: Es ist einfacher. Ich brauche auch nicht mehr so viele Pausen wie hinauf, auch wenn ich die Zähne zusammenbeißen muss, da meine Beine manchmal von den Stufen zu rutschen drohen. Jetzt klappt es sogar, dass ich bis unten mit dem Körper an der Wand lang rutsche. Was habe ich beim Aufstieg falsch gemacht? Egal, ich bin unversehrt hoch und runter gekommen.

Jetzt fehlt noch meine Kamera. Mit dem Fahrstuhl klappt es nicht. Also bemüht sich einer der Werkstudenten (Mit Namen möchten sie alle nicht benannt werden) und klettert zu uns hinab. Ihm gebührt mein Dank. Durchgeschwitzt, aber nicht mehr so sehr nach Luft schnappend, ziehe ich den Anzug aus und meine Jacke an. Auf geht es zum nächsten Termin.
Die Muskeln in den Armen spüre ich schon. Und am Sonntag? Muskelkater? So etwas kenne ich nicht :-)
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12 Kommentare
Axel Heyder aus Erfurt | 31.08.2011 | 11:42  
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 31.08.2011 | 11:44  
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Manuela Deutschland aus Sömmerda | 31.08.2011 | 18:27  
Andreas Abendroth aus Saalfeld | 02.09.2011 | 10:22  
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Karin Jordanland aus Artern | 02.09.2011 | 14:41  
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Karin Jordanland aus Artern | 02.09.2011 | 14:44  
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Karin Jordanland aus Artern | 02.09.2011 | 14:44  
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Karin Jordanland aus Artern | 02.09.2011 | 14:45  
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 02.09.2011 | 15:36  
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Hannelore Grünler aus Artern | 11.09.2011 | 11:18  
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 12.09.2011 | 07:55  
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Hannelore Grünler aus Artern | 13.09.2011 | 20:02  
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