Ärztemangel auf dem Land

Zahlreiche Betroffene haben sich an uns gewandt und uns ihre Sorgen und Ängste mitgeteilt.
 
Bianka Vernickel, Beichlingen, 1 Kind ( 6Jahre)

Eltern hoffen auf Nachfolger für Kinderarztpraxis in Kölleda.

Fünf Kinderärzte sind derzeit im Landkreis Sömmerda niedergelassen. Einer davon in Weißensee, drei in Sömmerda, einer in Heldrungen und eine Praxis gibt es in Kölleda. Letztere wird allerdings ab 1. April ihre Pforten schließen und bis zum heutigen Tag, ist trotz Ausschreibung kein Nachfolger in Sicht - was den Betroffenen große Sorgen bereitet. Denn mit dem Wegfall einer Praxis im Landkreis - bedeutet dies zum einen längere Wege und folglich einen Ansturm auf die noch vorhandenen Praxen - wo man ohnehin schon längere Wartezeiten in Kauf nehmen muss.
Mit Hinblick auf den Wegfall der Praxis in Kölleda gibt es hier auch das Problem, dass zahlreiche Eltern auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Eine Horrorvorstellung vieler Betroffener ist es ohnehin, mit einem kranken Kind eine längere Wegstrecke mit Bus oder Bahn zu bewerkstelligen. Aber, wie viele Kinderwagen passen eigentlich in einen Bus? Züge halten zwar auch in Kölleda - aber wie komme ich mit meinem Kinderwagen bis zum Gleis? Denn dieser Bahnhof ist nicht barrierefrei.
Zahlreiche Betroffene haben sich an uns gewandt und uns ihre Sorgen und Ängste mitgeteilt.

Ramona Schlomann, Kölleda, zwei Kinder ( 11 und 14 Jahre)
"Wenn sich kein Nachfolger für Kölleda findet, werden wir uns einen Arzt außerhalb suchen müssen. Das bedeutet auch, dass ein neues Vertrauensverhältnis aufgebaut werden muss, aber eben auch längere Wege auf uns zukommen. Die Suche gestaltet sich meiner Meinung nach schwer. Wenn ich mit meinem kranken Kind, mit öffentlichem Verkehrsmittel, ins zehn Kilometer entfernte Sömmerda fahren muss, weil kein Auto da ist. Dann sitzt man im überfüllten Wartezimmer und da ich gehört habe, dass in Sömmerda wohl auch eine Kinderarztpraxis schließen soll, kann ich mir gut vorstellen das es auch Engpässe geben wird und wir eine Wartezeit von drei bis vier Stunden in Kauf nehmen müssen. Alles in allem wird es wohl ein Horror für die meisten Eltern, gerade für die mit noch ganz kleinen Kindern.
Es kommen ja jetzt schon viele Eltern von den umliegenden Dörfern - auch mit dem Bus. Was ist denn, wenn es eine Grippeepidemie gibt und fünf Kinderwagen gleichzeitig in einen Bus müssen? Mit der Bahn kann man ja nicht fahren, solange das Kind noch den Kinderwagen braucht, denn man kommt ja gar nicht zum Bahnsteig. Ich hoffe sehr, dass sich ein Nachfolger findet."


Yvonne Krumpe, Kölleda, ein Kind ( 5 Jahre)
"Ich arbeite in Erfurt, und wenn ich einen Anruf aus der Kita bekomme, falls etwas mit meiner Tochter ist, dann werde ich es sicher nicht kurzfristig bis nach Sömmerda schaffen. Denn dann heißt es ja erst einmal zurück nach Kölleda, Kind aus der Kita holen und dann nach Sömmerda. Das bedeutet wahnsinnige Wege und längere Wartezeiten. Man darf gar nicht dran denken, es ist so schon immer voll ... Meine Freundin kommt mit ihren drei Kindern aus Rastenberg bis nach Kölleda."


Diana Müller, Kölleda, zwei Kinder (4 und 6 Jahre)
"Das Hauptproblem sind die langen Wege. Vor allem dann, wenn schnelle Hilfe gebraucht wird. Wenn ich arbeiten bin, dann sind die Kinder bei der Oma und sie ist auf den Bus angewiesen."



Bianka Vernickel, Beichlingen, 1 Kind ( 6Jahre)
"Ich fahre zwar schon jetzt bis nach Sömmerda, aber gerade im Notfall war es immer gut das es in Kölleda noch einen Kinderarzt gab. Zu Grippezeiten habe ich in Sömmerda schon jetzt Wartezeiten von ein bis zwei Stunden. Mit dem Wegfall eines Kinderarztes wird sich diese wahrscheinlich verlängern."


Weshalb, ist es so schwierig Kinderärzte für den ländlichen
Raum zu gewinnen? Wir haben bei der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen nachgefragt:

Ass. jur. Matthias Z e n k e r, Geschäftsführer Sicherstellung:
"Derzeit besteht für den Landkreis Sömmerda keine Möglichkeit, dass sich
mehr Kinderärzte niederlassen können, denn dieser Planungsbereich ist für
Neuniederlassungen gesperrt.
Es liegen im Moment zwei Verzichtserklärungen vor. Beide Vertragsarztsitze
sind ausgeschrieben. Das betrifft einmal Kölleda und einmal Sömmerda.
Man wird sehen, wie viele Bewerber es für diese ausgeschriebenen Sitze gibt.
Danach erfolgt die Neubesetzung.
Gegenwärtig geht der allgemeine Trend, so auch bei den Ärzten, eher zum
Zuzug in die Städte als auf das Land."
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11 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 13.02.2013 | 11:11  
7.497
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 13.02.2013 | 11:17  
1.851
Manuela Deutschland aus Sömmerda | 13.02.2013 | 11:47  
122
Jürgen Hildebrandt aus Sömmerda | 13.02.2013 | 18:27  
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Karin Jordanland aus Artern | 13.02.2013 | 19:45  
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Hannelore Grünler aus Artern | 13.02.2013 | 20:31  
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Antje Hellmann aus Jena | 14.02.2013 | 23:17  
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Renate Jung aus Erfurt | 19.02.2013 | 17:36  
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Jürgen Hildebrandt aus Sömmerda | 19.02.2013 | 18:21  
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Manuela Deutschland aus Sömmerda | 18.03.2013 | 14:13  
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Renate Jung aus Erfurt | 18.03.2013 | 17:43  
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