Auf Kameradensuche

Die beste Technik funktioniert nicht, wenn sie nicht durch geschulte Feuerwehrmänner bedient werden kann

Am Wochenende sind die Feuerwehren wieder im Großeinsatz. Es gilt die Osterfeuer abzusichern und kontrolliertes Abbrennen zugewährleisten. Auch für die Arterner Feuerwehr ist am 23. April der Arbeitseinsatz am Osterfeuer.

Dort ist die Feuerwehr (FFW) aber nicht nur eine örtliche Feuerwehr, wie sie die kleinen Orte besitzen. Artern ist eine Stützpunktfeuerwehr. Vor kurzem übergab Staatssekretär Rieder vom Thüringer Innenministerium einen Fördermittelbescheid über 125.000 Euro. Das Geld bewilligte das Thüringer Landesverwaltungsamt Weimar für die Anschaffung eines neuen Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeuges HLF 20/16. Dieses deckt künftig den vorgeschriebenen Mindestbedarf an Löschgruppenfahrzeugen für den überörtlichen Einsatzbereich der Stützpunktfeuerwehr ab und verbessert die Bewältigung der Einsätze und die Sicherstellung des Brandschutzes.

Eine positive Nachricht, die beim genaueren Betrachten der personellen Situation der Feuerwehren einen Beigeschmack bekommt. Arterns Wehrleiter und Gerätewart Peter Hauthal spricht von einem „Fördermittelbescheid
für die Kameraden auf Zeit“, weil das Nachwuchsproblem auch die Arterner Wehr trifft. Der Stützpunktfeuerwehr Artern gehören 32 aktive Einsatzkräfte (davon vier weibliche), eine Alters- und Ehrenabteilung mit neun Angehörigen
sowie eine Jugendfeuerwehr mit 23 Mitgliedern (davon zwei Mädchen) an.
Relativ gute Zahlen, aber eben auf Zeit.

Peter Hauthal ist ständig auf der Suche nach interessierten Bürgern. Dabei ist ihm nicht nur die Jugend wichtig, sondern auch der ältere Bürger im Ort, der in Artern und Umgebung bereits sesshaft ist und nicht wie ein junger Mensch noch seinen festen Wohnsitz finden muss. Die „Komm – mach mit“-Aktion, die die Arterner für die Kameradensuche starteten, blieb ohne Erfolg. „Niemand hat sich daraufhin gemeldet“, beklagt Peter Hauthal. Die fehlende Honorierung der Arbeit der Feuerwehr nennt er als Ursache. „Die Anreize fehlen“, ist er sich sicher. Zusammenschlüsse der einzelnen Feuerwehren wäre ein erster Gedanke. Doch zum Teil sind die technischen Unterschiede in der Bestückung der Wehren als auch hinsichtlich des entsprechend notwendigen Fachwissens zu groß.

Als Kleinstaaterei bezeichnet Dirk Thieme, Fachberater in der Arbeitsgruppe Tunnel, diese Gegebenheiten. Seit der Schmücketunnelöffnung und der damit einhergehenden Absicherung sieht er ein weiteres Problem in den unterschiedlichen Voraussetzungen der Wehren und Kameraden. "Normalerweise müssten wir alle gemeinsam einmal eine Ausbildung machen“, regt er an. „Doch das war noch nicht der Fall. Lediglich einige gemeinsame
Übungen haben wir gemacht. Das reicht nicht aus. Die Technik muss beherrscht
werden“, ist sich Dirk Thieme sicher.

Neid, dass Artern nun ein modernes Fahrzeug finanziert bekommt und andere Wehren nicht, bremst Peter Hauthal wiederum aus und sagt ganz klar: „Das Auto ist nicht für uns, sondern für die Menschen in der Region, die in
Gefahr sind. Ich sehe mich als kostenlosen Dienstleister und ich mache meinen Job aus Überzeugung.“ Im Gespräch lobt er Arterns Bürgermeister Wolfgang Koenen, der der Feuerwehr immer helfe, wenn es nötig sei. Nach dem Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetz sind die Landkreise Aufgabenträger für den überörtlichen Brandschutz und die überörtliche allgemeine Hilfe. Sie müssen daher Stützpunktfeuerwehren planen sowie die erforderlichen baulichen Anlagen, Einrichtungen und Ausrüstungen bereithalten. Von Kameradensuche ist leider nicht die Rede. Peter Hauthal und
Dirk Thieme wünschen sich eine bessere Zusammenarbeit der Feuerwehren und hoffen auch auf die Unterstützung der Bürgermeister.


HFL im Blick
- Zuwendungsverfahren Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug:
- Beschaffung durch den Landkreis
- Gesamtkosten: 300.000 Euro
- bewilligte Zuwendung: 125.000 Euro
- Eigenanteil: 175.000 Euro
- Ausstattung des Fahrzeuges: vom Fahrzeugmotor angetriebene Feuerlöschkreiselpumpe, Schnellangriffseinrichtung oder Einrichtung zur schnellen Wasserabgabe sowie eine festgelegte Standard-Zusatzbeladung für technische Hilfeleistung
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