Begegnungen, die man nicht vergisst

Alexandro Querevalú (Foto/privat)
 
Gudrun Hofmann und Alexandro Querevalú (Foto/M.Deutschland)

Ein Urlaub, der Klang von Straßenmusik und die schicksalhafte Begegnung zweier Menschen.


Von Manuela Deutschland

Gudrun Hofmann ist Mutter bereits erwachsener Kinder, verheiratet und lebt in Gebesee - wo sie sich in ihrer Freizeit gern dem Malen widmet. Ein Urlaub - vor vier Jahren stellte ihr Leben für kurze Zeit auf den Kopf. Der Grund: die Musik des Straßenmusikers Alexandro Querevalú.

Es war Anfang August des Jahrs 2010, als Gudrun Hofmann - gegen Ende des Urlaubs in Swinemünde (Polen) mit Ehemann, ihrer Schwester sowie Schwager über die Promenade flanierte. "Schon von Weitem hörte ich diese wunderschöne Musik - wir gingen darauf zu und blieben eine Zeit lang stehen. Alle waren begeistert. Doch neben meiner Begeisterung war da noch etwas anderes, ein Gefühl, das mich nicht mehr loslassen wollte. Am liebsten hätte ich ihn in die Arme genommen. Doch die Männer drängelten und wollten weiter", berichtet Gudrun Hofmann über ihre erste Begegnung, die ihr nicht mehr aus dem Kopf ging. Glücklicherweise hatte sie eine CD an seinem Stand erworben, sodass die Recherche und damit der Fortgang dieser Geschichte ihren Lauf nahm. Es dauerte nicht lange und der erste Kontakt mit Alexandro Querevalú war hergestellt. "Die erste E-Mail schrieb ich in der traditionellen Sprache der Peruaner - in Quechua. Allerdings mit Hilfe des Google-Übersetzers", schmunzelte die angehende Brieffreundin, denn bis dahin war ihr noch nicht bewusst, dass es noch zu einem großen Missverständnis kommen würde, denn der aus Peru stammende Inka musste sich ebenfalls den Google-Übersetzer zur Hilfe nehmen und das Resultat war erschütternd, denn der Inhalt der Botschaft hatte nichts mehr mit dem ursprünglichen Text zu tun. Heute können beide darüber Lachen, das Kommunikationsproblem fand ein Ende, als sich herausstellte das die Muttersprache des Musikers spanisch ist und er zudem fliesend polnisch spricht, wobei Polen bereits 1993 zu seiner zweiten Heimat wurde.
Mit großen Ängsten im Gepäck kam er nach Europa. Der Grund hierfür war einzig und allein seine Liebe zur Musik und das Geschenk eines Freundes - der ihm das Ticket eines Tages in die Hand drückte. "Mit neun Jahren erlernte ich mein erstes Instrument. Mein Cousen brachte mir das Spielen der Indianermusik bei. Für mich gab es schon bald nichts Schöneres. Mit 14 nahm mich mein Vater von der Schule. Für mich war es an der Zeit, mit für den Lebensunterhalt zu sorgen und so arbeitete ich bis zu meinem 18 Lebensjahr auf dem Fischmarkt. Für mich war das die Hölle." Der Freund, der ihm das Ticket schenkte, hatte einen Freund in Polen und dieser betrieb ein Tonstudio. "Eigentlich sollte es nur für sechs Monate sein", sprach er. Doch wie das Leben so spielt, kam am Ende alles anders. Seine Heimat, seine Familie - sollte er erst Jahrzehnte später wieder sehen.

Was Gudrun Hofmann und ihn betraf, so wurde aus einer kurzen Begegnung, eine intensive Freundschaft. Das erste Treffen in Deutschland war 2012. "Ich habe ihn nach Gebesee eingeladen und einen Auftritt in Erfurt organisiert und freute mich sehr auf seinen Besuch. "Ich war erst etwas unsicher ob ich fahren sollte, aber ich dachte mir: es war ein großer Schritt bis nach Europa, da werde ich auch einen Besuch nach Deutschland wagen", beschreibt der peruanische Musiker seine Gedanken. "Er ist so ein wunderbarer Mensch", schwärmt die Frau mit dem großen Herzen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem jungen Musiker zu helfen wo sie nur kann. Mittlerweile ist er für sie wie ein Sohn. "Ich habe auch jetzt guten Kontakt zu seiner Familie in Lima. Die Eltern sind mir sehr dankbar dafür ,dass ich mich so um ihren Sohn kümmere." Sein Talent stellte er in Deutschland und insbesondere auch im Raum Thüringen - mittlerweile des Öfteren unter Beweis und wenn er nicht gerade in unseren heimischen Gefilden zu Gast ist, dann musiziert er auf der Promenade im polnischen Swinemünde und fasziniert mit dem Wohlklang seiner Instrumente ...
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 16.01.2014 | 13:01  
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Renate Jung aus Erfurt | 25.01.2014 | 01:34  
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