Bibbern bei minus 117 Grad in der Kältekammer

Die Kältekammer ist ein kleiner Raum mit einem Fenster, durch das die Patienten die Physiotherapeutin sehen und sie alles überwachen kann. Während der drei ­Minuten in eisiger Kälte heißt es: locker in ­Bewegung ­bleiben.
Bad Langensalza: Friederiken-Therme |

Sabine Heyer arbeitet am eisigsten Ort in Nordthüringen: Sie führt Patienten in die Kältekammer der Friederiken-Therme

„Fassen Sie die innere Tür­klinke nicht mit bloßen Händen an!“ Die Warnung von Sabine Heyer ist eindringlich. Die Physiotherapeutin reicht Handschuhe herüber, dann öffnet sie die erste dicke, isolierte Tür zur Kältekammer der Friederiken-Therme in Bad Langensalza. Schon geht es hinein in den kältesten Eisschrank Nordthüringens.

Zwei Vorkammern helfen, sich an die Kälte zu ­gewöhnen. Erst bei minus 15 Grad, dann bei minus 60 Grad. Eine Temperatur, mit der selbst der strengste Winter hierzulande niemanden in die Wangen beißt. In Kammer drei wird es dann ganz extrem: minus 117 Grad. „Erst hier läuft die Therapiezeit“, erklärt Sabine Heyer. Maximal drei ­Minu­ten, lautet ihre Vorgabe. Auch, wenn der Mensch fünf Minu­ten ertragen könnte. Doch nichts wird erzwungen. „Jeder entscheidet selbst, wann er wieder rausgeht.“ Zwei Minuten aber sollte man mindestens aushalten, um einen Therapieerfolg zu erzielen.

Die Ganzkörperkälte­therapie kann helfen, Schmerzen zu lindern. Sie wird unter anderem bei Rheuma, Neurodermitis, Muskel- und Gelenks­erkrankungen oder Asthma angewandt. Andere nutzen sie als Kick für den Leistungssport oder zur Motivationssteigerung. „In Japan peppen sich Manager in der Mittagspause mit einer Kältedusche auf“, verweist die Physiotherapeutin auf das Ursprungsland dieser Behandlungsmethode. „Und Wladimir Putin nutzt mehrere solcher Kammern für seine Sportpferde.“

Seit 14 Jahren gehört die Kältekammer zum Angebot der Friederiken-Therme. Betreut wird sie von mehreren Physiotherapeuten. „Aber es kommt nur selten vor, dass wir selbst mit in die Kälte gehen“, räumt Sabine Heyer ein. Meist steht sie draußen, überwacht die Patienten durchs Fenster, kontrolliert die Temperatur.

Alle 30 Sekunden macht sie über die Sprechanlage eine Zeitansage. „Das gibt den Patienten eine Orientierung“, sagt die Fachfrau. Sie weiß ganz genau, wie es sich anfühlt, wenn die eisige Luft die Hautoberfläche rasch abkühlt.
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Antje Hellmann aus Jena | 30.08.2014 | 09:42  
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