Das Lieblingsstück des Museumschefs: 100 Jahre alte Puppe Erna

Die Puppe Erna ist das Lieblingsstück von Christina Rippel. Sie ist die Vorsitzende der Heimatfreunde Leubingen und hat die Aufsicht über die Heimatstube. Foto: S. Rosenkranz
Sömmerda: Heimatstube |

Heute Christina Rippel von der Heimatstube in Leubingen

Erna ist 104 Jahr alt, trägt unter ihrem Kleid ein Spitzen­unterhöschen, hat noch volles echtes Haar und sehr bewegliche Gelenke. Sie sitzt auf ihrem Stammplatz – auf dem roten Sessel mit dem Samtkissen. „Sie ist keine Schönheit, aber ich liebe sie“, schwärmt Christina Rippel. Als Vorsitzende der Heimatfreunde hat sie auch die Aufsicht über die Heimatstube und Erna ist ihr Lieblingsstück.
Sich zu entscheiden, fiel der Leubingerin nicht leicht. Butterfässchen und Zentrifuge standen in Konkurrenz. Doch Christina Rippel hat die Puppe mit ihrem erwartungsvollen, erschrockenen und erstaunten Blick vollkommen ins Herz geschlossen. „Durch ihren geöffneten Mund sieht Erna aus, als würde sie mir gleich eine Geschichte erzählen. Und ich würde ihr zuhören.“ Liebevoll nimmt die 58-Jährige die über 100-Jährige in den Arm.
„Als ich Erna vor fünf Jahren zum ersten Mal sah, habe ich gedacht ‚Man ist die häßlich!‘ Aber umso länger ich in ihre Augen schaute, umso hübscher wurde sie“, erzählt die Museumsleiterin. So entwickelte sich die Verbindung zu Erna. Diese kam auch so wie sie jetzt angezogen ist, in die Heimatstube. Selbst das Original-Kleid ist nicht vergilbt. „Welche Puppe von heute wird über 100 Jahre alt werden? Ernas Gelenke quietschen zwar. Aber in ihrem Alter?“, merkt Christina Rippel an. Und für den recht strengen Blick der alten „Dame“ hat sie eine ganz eigene Erklärung: „Erna hat die Kriegsjahre durchlebt. Bei so viel Leid und Not guckt man eben so erschrocken.“
Bei ihren Führungen durch die Heimatstube macht Christina Rippel immer Station bei Erna. Sie nimmt sie in den Arm und erzählt jedem Ernas Geschichte und warum sie auf dem roten Sessel sitzt. „Ich passe auf, dass sie keiner rumzerrt. Denn diese Puppe ist eine Kostbarkeit. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass mit ihr mal jemand gespielt hat“, sagt Christina Rippel, die als Kind selbst leidenschaftlich gern mit ihrer Puppe gespielt hat.
Auch jetzt hält sie Erna im Arm, streift ihr sanft durchs Haar. „An der Puppe ist für mich alles perfekt. Ich könnte mich an ihr ‚festgucken‘. Ihr fehlen zwar die Augenlider, aber dafür sind die Augen aus Glas. Dann hat sie auch noch Pausbäckchen.“ Christina Rippel gibt zu: „Das schöne Gesicht stelle ich heute erst fest.“ Und das Alter ist darin nicht zu erkennen.
Wenn die Heimatfreunde und Christina Rippel Erna weiter so pflegen, wird sie wohl 200 Jahre alt werden. Und vielleicht hat sie auch dann noch in der Heimatstube auf dem roten Sessel ihren Stammplatz.

Hintergrund
Die Geschichte der Puppe Erna aus den Familien Mahnert und Eulenberger

Die Tante Emma schenkte der kleinen Erna 1910 die Puppe, die schon die Tante Emma durch die Kindheit begleitete. Als Erna erwachsen war, gab es da eine kleine Erika, die nun das Püppchen erhielt. Das Original-Kleidchen hielt all die Jahre stand. Als Erika in die Jahre kam, überlegte sie, wo sie der Puppe einen würdigen Ruhestand verschaffen könnte. So gelangte die Puppe in die Heimatstube in Leubingen wo sie ihren Lebensabend genießt.

Information
Heimatstube Leubingen in der Werner-SeelenbinderStraße 4;
Öffnungszeiten von März bis Oktober: Montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie sonn- und feiertags von 15 bis 17 Uhr oder auch nach Vereinbarung 0 36 34 / 60 85 27 oder 62 31 93


Die Lieblingsstücke auf einen Blick
Heimatstube Leubingen
Museum Kölleda
Museum Sömmerda
Heimatmuseum "Alte Schule" in Wiehe
Regionalmuseum Bad Frankenhausen
Traditionsbauernhof Straußfurt
Rankemuseum Wiehe
Erich´s Hof in Bretleben
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