Der Zaubersammler

Picaro - der Zaubersammler ist auch mit dem Wohnmobil unterwegs, um auf den kleineren Bühnen aufzutreten. Derzeit möchte er möglichst viele Erfahrungen als Straßenzauberer sammeln und würde sich hier über Anfragen freuen.
 

Der Weimarer Zauberer und Erzähler Picaro gastiert am 27.April in Kölleda.



Von Manuela Deutschland

KÖLLEDA.Er malt sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Der Zaubersammler Picaro - der im realen Leben Johannes Salzwedel heißt - verpackt klassische Zauberei in kunterbunte Geschichten und schafft beeindruckende Illusionskonstrukte. Sein eigener Anspruch besteht darin, aus einem einzigen Trick ein unvergessliches Erlebnis zu machen. "Der Zauber passiert nicht beim Zaubernden, sondern im Kopf des Zuschauers", so Picaro.
Im Jahre 1977 erblickte er in Bremerhaven das Licht der Welt, doch aufgewachsen ist er in Kolumbien und Peru. Sein Studium, als Diplom Mediengestalter, führte ihn schließlich 1998 nach Weimar. Doch wie wird man zum Zauberer, was ist ein Zaubersammler und worin liegt die besondere Faszination dieser Leidenschaft? Wir haben nachgefragt.


1. Wie sind Sie zur Zauberei gekommen?

"Natürlich mit einem Zauberkasten zu Weihnachten! Ich liebte diesen
Kasten und führte gerne vor, was ich daraus gelernt hatte. Ich stand oft im
Kinderzimmer vor dem großen Spiegel und zauberte mir spielend selber
etwas vor, erfand dabei alternative Handhabungen. Ob man das als Üben
bezeichnen kann, weiß ich nicht.
Mit 14 trat ich der Magic Company Bremerhaven bei, bei der Walter
Schwittlinsky 1. Vorsitzender war. Ich lernte von einem unabhängigen Meister - jemandem, der aus dem Magischen Zirkel austrat, weil es ihm dort zu bürokratisch und bedingt vorging -
"Walberto". Nach einem Jahr musste man die Feuerprobe bestehen und in
einer Gala-Vorstellung auf die Bretter, die die Welt bedeuten.
Eigentlich wollte ich nicht, wollte doch nur "kleine" Zaubereien - so
für zwischendurch. Aber, wer einmal Blut geleckt hat ..."

2. Was fasziniert Sie am meisten daran?
"Die Vielschichtigkeit. Zauberei ist nicht bloß das Aufführen einer
geheimen Handlung mit einen vorgefertigten Trick, um so eine Täuschung
hervorzurufen. Es ist aber auch nicht nur Fingerfertigkeit, Timing oder
andere Methoden. Dies sind lediglich die Wurzeln, die Grundkenntnisse.
Es spielt so vieles mehr mit hinein: Körpersprache und- Beherrschung,
Psychologie, technisches Interesse, Spaß am Basteln, Improvisation,
Kreativität, möglichst introvertiert im Stillen Kämmerlein zu Üben und
extrovertiert sicheres, charismatisches Auftreten, Schauspielerei,
Menschenkenntnis, Hypnose, neurowissenschaftliche Erkenntnisse,
Geschichte(n), Statistik ...
Man kann sich verlagern wie man will - man findet auch dort
zauberhaftes, also nüchtern gesprochen: was lässt sich hier für meine
Zwecke "Zweckentfremden"? Seien es Materialien, Mechanismen,
Chemikalien, Ideen, Erfahrungen, Geschichten.
Es wird einfach nicht langweilig. Und jedes Scheitern, jede Erfahrung
bringen so viele Kenntnisse mit sich."


3. Ihre größte Herausforderung bisher?

"Schwer zu sagen. Weil es doch immer wieder Herausforderungen gibt,
aber meist in so differenzierten Feldern, da sie sich schwer
vergleichen lassen. Unlängst - etwa 160 Kinder im Zaum zu halten während
es technische Probleme mit dem Funk-Mikro gab mag zu einer besonders
großen Herausforderung zählen. Oder Eben "nur" 100 Kinder ohne
Funk-Mikro zu bannen. Oder die Contenance zu wahren, wenn ein sog.
"Heckler" einen wirklich hart trifft."


4. Was treibt Sie an?
"Das Ziel innerhalb einer überschaubaren Zeit auf einen grünen Zweig zu
kommen. Denn dann habe entgegen meinen schlechten Erfahrungen einen
Broterwerb, der mir wirklich Spaß macht, der mir schier unerschöpflich
erscheint und das in völliger Eigenverantwortung."

5. In zahlreichen Onlineportalen verraten Zauberer ihre Tricks. Was
halten Sie davon und würden Sie jemals einen Ihrer Tricks
preisgeben?

"Nein wirklich. Es ist ein Jammer - denn, wie mein alter
Meister Walberto zu sagen pflegte: die nehmen denjenigen, die damit
ihre Brötchen verdienen, die Wurst vom Teller.
Und doch zeigt es, wie verzweifelt manche Zauberer bereits sind, wenn
sie durch solche Publicity auf sich aufmerksam und dabei sicherlich
keinen unbedeutenden Reibach machen. Mit YouTube und Co gehört die
Kunst der Zauberei einer aussterbenden an. Denn anders als bei gezielt
gelesenen Büchern oder gesichtetem Video-Material kann sich so auch
ungewolltes Material in unser Erinnerungsvermögen einschleichen. Und
bevor man es wahrnimmt, schreit man auf: "Ha - ich weiß wie das geht,
hab ich auf YouTube gesehen!" Während die Anderen vielleicht
dabei waren sich verzaubern lassen zu wollen.

Andererseits unterliegt auch die Zauberei einer Art Evolution.
Techniken und Hintergründe entwickeln sich weiter, passen sich an das
Zeitalter und die darin wandelnden Menschen an.
Und vielleicht gehört ein mehr oder minder kontrolliertes "Absterben"
dazu. Es ist nur schade, wenn oben geschilderte Situation passiert:
plötzlich erscheint es den Umherstehenden wie Zeitverschwendung, sind
buchstäblich enttäuscht, wie "billig" man sie hereinlegen wollte. Der
filigrane Zauber, der Bann ist gebrochen.
Das dabei auch etwas beim Zauberer zu Bruch gegangen ist, kümmert meist
niemanden. Teil der Kunst ist es meiner Ansicht auch, selbst in solch
einer Situation die Zuschauer wieder für sich zu gewinnen. Ja - es sind
nur Tricks - aber nicht um jemanden an der Nase herum zu führen,
sondern der Unterhaltung wegen. Die Zweideutigkeit hier ist gewollt.
Denn der Zauber passiert nicht beim Zaubernden, sondern im Kopf des
Zuschauers. Und so wie wir auch ein Buch zum dritten Mal lesen oder einen
Film gucken, obwohl wir wissen, wie er ausgeht, sollte auch Zauberei
verstanden werden: eine Form der Unterhaltung. Auf der Bühne sowie aus
nächster Nähe in den Händen der Zuschauer. "Die Ge-Nuss - ist eines der
Härtesten, die wir im Laufe unseres Lebens immer wieder zu knacken
haben"(Makrus Jerch zit. Friedhelm Kändler).

Einen Trick preisgeben? Gern. Ein wahrliches Interesse darin
vorausgesetzt. Denn der Preis ist hoch: verfügt man über bestimmte
(Er-)Kenntnisse, so wird es immer schwerer sich selbst verzaubern zu
lassen. Das kindliche Glück, das Wunder und das Wundern werden
seltener. Man fängt an sie zu suchen, und je weiter man in das
Kaninchenloch gesogen wird, desto hungriger wird man, lechzt nach
dieser Verzauberung, dieser Seligkeit. Der Pakt ist nun: der Kelch ist
an mich weiter gereicht - nun bin ich es, der die Fähre übersetzt und
die Fähigkeit hat den Menschen einen magischen, einzigartigen Moment in
ihrem Leben zu produzieren. Das Thema der Tragik in der Clownerie geht
hier mit dem Phänomen Hand in Hand.

Wird einem etwas aufgedrückt :"schaut her - so geht der Trick" - so
ist man doch schnell satt von etwas, worauf man doch gar keinen Hunger
hatte. Und doch ist es nunmehr umso schwerer diesen Menschen zu
verzaubern, ihn dort abzuholen, wo er gewollt ist, sich fallen und
führen zu lassen, wie bei einem Tanz. Einfach Freude und Wunder empfinden,
das wird schwerer. Ungefragt zahlt man einen Preis ohne
Gegenleistung. Wer diese Seelen bekommt entzieht sich meiner Erkenntnis."


6. Was war bisher Ihr schönstes Erlebnis in Verbindung mit der
Zauberei?

"Abgesehen davon, dass es immer wieder toll ist, wenn alles wie geplant
geklappt hat oder einem Zufälle günstigen Rückenwind zugespielt hat,
man sich pudelwohl fühlt, wenn die Chemie stimmt und der Zuschauer
Freude daran hat, einen ganz besonderen Moment miterlebt zu haben.
Die Crux ist: dieses sonderbare zwischenmenschliche
Geben-Nehmen-Verhältnis macht unheimlich Spaß. Der Therapeut würde so
etwas wohl als Narzissmus im mittleren Stadion deuten, oder so ähnlich.
Konkret mag mir kein bestimmtes Erlebnis in den Sinn kommen. Es gibt
viele, jede mit ihrer eigenen Qualität. Ein ungeheuer glücklicher und
dadurch für einen Effekt sehr willkommener und nutzbarer Zufall lässt
sich so nicht einfach vergleichen mit einer gelungenen Choreographie
von Bewegungen und Griffen und vielleicht anderen Methoden, so
dass man tatsächlich für kurze Zeit gerade alles im Griff hat oder es
zumindest zu glauben.

Für mich besonders schöne Erlebnisse habe ich abseits der
Bühnensituation: Wenn ich über Kenntnisse Erlange, Wege beschreite, die
vor mir schon einmal bewandert wurden, Gedanken schon einmal gedacht
wurden. Das zeigt mir, dass ich nicht auf dem Holzweg bin und dass ich mit
meinen Gedanken nicht allein bin. Es ist eine schlecht zu beschreibende
Art der Verbundenheit.

Eine sehr schöne Erinnerung in diesem Zusammenhang: Eines Tages zeigte
ich meiner Mutter einen kleinen Trick mit Streichhölzern, einen
anderen Tag einen anderen. Sie hat in ihrer Erinnerung beide kleinen
Tricks zu einem Erlebnis zusammengefasst - zu einem unmöglichen Effekt.
Ich korrigiere das nicht mehr - denn was kann einem Zauberer besseres
passieren?"



7. Was verbindet Sie mit Kölleda?
"Die Freundschaft zu einem mir teuren Menschen, der mich als wie ich ihn
nenne "Counterpart" geschäftlich in der Zauberei wie auch privat in
der Motivation zur Seite steht. Der wohnt nämlich dort. Im Grunde also
die Bratwürste und das Go-Kart-Fahren zu seinen Geburtstagsfeten.
Oh, und der bevorstehende Auftritt ..."


Termin
27. April, 16 Uhr im Hotel Pfefferminzbahn Kölleda.
Eine Mischung aus Erzählung und Zauberei für Kinder.
Kontakt direkt mit dem Zaubersammler unter: 03643/4574674
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3 Kommentare
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 24.04.2013 | 11:01  
5.678
Gunter Linke aus Saalfeld | 24.04.2013 | 19:30  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 24.04.2013 | 21:58  
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