Ein Leben voller Treppen

In seiner Werkstatt finden sich Glocken, Zeiger, Zifferblätter – Christian Beck ist gelernter Uhrmacher. Foto: Axel Heyder
Christian Beck ist einer der wenigen Turmuhrbauer in Thüringen

KÖLLLEDA. Christian Beck dreht an der Uhr. Fast täglich sogar. Die Gemeinden freuen sich darüber, denn dadurch bringt der Turmuhrbauer manches alte Schmuckstück wieder in Gang. Viele aus seiner Zunft gibt es nicht mehr in Thüringen. Der Spezialist für Turmuhren und Glocken schätzt, dass es etwa noch fünf bis sechs Firmen gibt, die dieses Gewerbe betreiben. „Man kennt sich.“

Wie viele Stufen er selbst schon in seiner Karriere hoch und runter ist, wie viele schmale Treppen, alte Leitern er bestiegen hat, keiner kann das mehr genau sagen. Im Landkreis Sömmerda gibt es aber nicht viele Türme, die er nicht kennt. Hunderte sind es in seiner Karriere mit Sicherheit.

Als Christian Beck noch vor der Wende im Laden seines Vaters in Kölleda mitarbeitete, drehte der gelernte Uhrmacher an den kleinen Zahnrädchen. Sorgte dafür, dass die winzigen Teile richtig ineinander greifen. Uhrmacher-Schraubendreher, Pinzette und Lupe hießen seine Werkzeuge. Damit käme er heute nicht weit, die Schraubenschlüssel sind inzwischen so groß wie ein Männerarm.

Nachdem in des Vaters Laden, der zu DDR-Zeiten immer gut besucht war, nach der Wende aber die Nachfrage deutlich sank, suchte sich Christian Beck damals ein Betätigungsfeld. „Ich hatte mich zuvor schon mit Turmuhren beschäftigt“, erinnert er sich an die Anfangsjahre. Er gründete ein Gewerbe und hatte schnell so viel zu tun, dass er davon leben konnte.

Inzwischen ist der Kölledaer weit gereist, hat in Rom und London gearbeitet. Die Uhr, die er für die ­Dokumenta in Kassel für den Künstler Anri Sala gefertigt hatte, wurde nach der Ausstellung im Hessischen nach England verkauft. 1,2 Tonnen Uhr mit einem Zifferblatt, das einen Durchmesser von vier Metern hat. Auch für solche Spezial­aufträge ist er zu haben. Und das war noch nicht das größte, was er bauen musste. Nun tickt die Zeit an einer Stelle in London ein wenig thüringisch. Auch Herausforderungen wie einen 14 Meter langen Pendel für eine Uhr hat er schon gemeistert.

Inzwischen ist das kleine Unternehmen „Gloriosa“ auf zehn Leute angewachsen. Glocken, Läutanlagen, Zifferblätter, Turmbekrönungen oder Wetterfahnen, um all das hat sich das Spektrum erweitert. Wenn die Leute das nächste Mal auf die großen Zifferblätter der Türme schauen, wer weiß, vielleicht kniet Christian Beck oder einer seiner Mitarbeiter gerade dahinter, um das Uhrwerk zu warten.
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