Er zeigt die Schokoladenseite

Diplom-Fotodesigner Thomas Stephan setzt die Natur der Hohen Schrecke richtig in Szene. Das Ergenis sind faszinierende Naturaufnahmen. (Foto: Thomas Stephan)
 
Der Wald der Hohen Schrecke (Foto: Thomas Stephan)
 
Thomas Stephan arbeitet seit 1982 als freier Fotograf. 1988 bekam er den Wold Press Photo Award für die Geo-Reportage „Der Kampf um eine handvoll Leben“. In den kommenden Tage zeigt er allerdings in Diavorträge seine vielfältigen Fotos von der Hohen Schrecke. (Foto: Thomas Stephan)
Interview mit dem Geo-Fotografen Thomas Stephan, der jahrelang in der Hohen Schrecke unterwegs war und jetzt seine Bilder in Diavorträgen präsentiert


Der Diplom-Fotodesigner Stephan Thomas fotografiert für Magazine und Institutionen, um Dokumentationen über Projekte und bestimmte Gebiete zu erarbeiten. Er hat mehrere Bücher über Wälder und die Natur in Deutschland veröffentlicht. Seit 1994 ist er bereits im Hainich auf Motivsuche und seit zehn Jahren durchstreift der Geo-Fotograf auch die Hohe Schrecke rund um Braunsroda. Zur fotografischen Arbeit in der Region fragte AA-Redakteurin Sandra Rosenkranz genauer nach.


Erst der Hainich, jetzt die Hohe Schrecke. Die Thüringer Natur scheint für Sie etwas Besonderes zu sein?
Die Artenvielfalt der thüringischen Wälder ist für mich als Fotograf besonders interessant. Hier wachsen viel mehr Laubbaumarten pro Hektar als in den Laubwäldern meiner Heimat, zum Beispiel der Schwäbischen Alb. Die Thüringer Wälder haben auch in ihrer Struktur viel mehr Altersklassen. Mittlerweile bin ich hier seit 1994 unterwegs. Die Fotos von der Hohen Schrecke entstanden dabei hauptsächlich 2011. Ich bin aber jedes Jahr zwei, drei Tage dort.


Bei Ihren Fotos legen Sie Wert auf Details. Wie sieht darauf die Detailwelt der Hohen Schrecke aus?
Die Hohe Schrecke ist sehr zerklüfftet und hat deshalb mehr Hangschluchtwälder. Das ist eine Besonderheit. In dem Waldgebiet fließt ganzjährig Wasser, dadurch ergeben sich andere Waldbilder, auch in der Krautschicht. Durch die eher nährstoffarmen Böden ist die Hainsimse die Charakterpflanze, insgesamt findet man auf kleinem Raum unterschiedliche geologische Voraussetzungen, die verschiedene Waldgesellschaften hervorbringen.


Welche Besonderheiten haben sie dokumentiert?
Auf der Finne habe ich Diptam fotografiert, Blumen die ich zuvor noch nicht gesehen habe. Bei den Käfern sind es die Urwaldreliktarten wie der seltene Schwarzbraune Kurzschröter, unsere kleinste Hirschkäferart.


Haben sie ein Lieblingsmotiv in der Hohen Schrecke?
Ja, zu einer Elsbeere die am Waldrand bei Langenthal steht, gehe ich seit Jahren immer wieder hin.


Wir leben im Zeitalter der Hobbyfotografen, die die Hohe Schrecke sicherlich schon auf zahlreichen Bildern festgehalten haben. Wie heben Sie sich als Profi ab?
Ich glaube, dass man als professioneller Fotograf, schon Bilder macht, die sich abheben. Ich denke, bei mir zeichnet sich das durch eine besondere Bildsprache aus. Ich versuche einerseits die Landschaft zu dokumentieren, anderseits auch Bilder zu machen, die beim Anschauen Emotionen ansprechen. Ich zeige bewusst immer die Schokoladenseite von der Landschaft.


Sind sie der Designer unter den Schneidern?
Das ist natürlich ein Stückweit schon so. Das ist Gegenstand des Studiums, dass man innovative Ideen hat. Man versucht neue Perspektiven, andere Bildausschnitte zu sehen, Dinge so in Szene zu setzen, wie man sie vielleicht noch nicht gesehen hat.


Und wie machen Sie das?
Bei mir gibt es immer Dinge, die vor dem Auslösen stattfinden. Man braucht Freunde und Informationen. Denn um ein ganz bestimmtes Foto zu machen, muss ich zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmten Stelle sein. Das ist die Pflicht. Und dann gibt es die Kür. Wenn ich unterwegs bin, plötzlich etwas sehe, das mich beseelt und begeistert und ich spontan fotografiere. Da sind also zwei Wege: einmal das bewusste Suchen nach einer bestimmten Situation und das spontane Erfreuen.


Sie zeigen jetzt in Diavorträgen in der Region selbst Ihre Fotos, verraten sie dazu Insider-Wissen?
Man kann mich immer fragen. Ich gebe auch Workshops zum Thema. Ich würde mich freuen, wenn Leute nach dem Vortrag vielleicht in den Wald gehen, da neue Bilder sehen und ich ihnen dabei helfe, dass sie sie sehen.


Können Sie so einen Allround-Fototipp für den Anfänger geben?
Als Erstes sucht man sich ein Thema bewusst aus. Am Beispiel Hohe Schrecke, überlegt man sich, dass man zur Burgruine Rabenswald geht, mal im Frühling, mal im Sommer, mal im Herbst und mal im Winter dort fotografiert. Man wird bei jedem Mal neue Dinge entdecken und merkt plötzlich, wie man die Ruine und den Wald immer besser kennenlernt. Der Grund dafür ist, dass man bewusst an dieselbe Stelle noch einmal hingeht und sich vorher Gedanken macht.


Ist das auch ein besonderer Hinweis für die Hohe Schrecke?
Man braucht immer ein Ziel. Das ist dann irgendwie ein Baum, eine Aussicht, eine Ruine oder eine bestimmte Stelle im Wald.


Sie haben auch einen Baum als Ziel? Aber da stehen so viele Bäume?
Ich glaube, dass es normal ist, dass man keinen Nullachtfünfzehn-Baum aus dem Wirtschaftswald für sich entdeckt. Sondern einen seltenen Baum, eine knorrige Eiche, eine Buche mit einer mächtigen Krone oder einen dicken gespaltenen Stamm.


Welche anderen Regionen haben Sie in Thüringen schon detailliert dokumentiert?
Im Naturpark Hainich-Werratal arbeite ich viel. Auch das Thüringen Becken, zum Beispiel den Bottendorfer Hügel habe ich fotografiert, der direkt an die Hohe Schrecke angrenzt. Zudem gibt es eine Dauerausstellung auf der Burg Gleichen, wo auch teilweise meine Fotos verwendet werden.


Als Kenner von Hainich und Hoher Schrecke, sehen Sie beide Regionen touristisch auf gleicher Höhe?
Der Hainich hat als Nationalpark eine ganz andere Möglichkeit zur Bewerbung der Region. Zumal er als Welterberegion auf gleicher Stufe wie die Wartburg steht.
Die Hohe Schrecke ist mindestens genauso bedeutend. Wenn man überlegt, es ist ein Katzensprung zur Himmelscheibe nach Nebra und nach Heldrungen mit der Wasserburg. Ich denke, dass dieses Gebiet es verdient, touristisch sanft erschlossen zu werden. Am Beispiel Hainich kann man sehen, was innerhalb von 15 Jahren alles passieren kann. Es gibt in der Hohen Schrecke bereits Bemühungen, das zu ändern und die unterstütze ich gern.


Soll man Ihre Fotos als Werbung für die Region nutzen?
Ja natürlich. Das war meine Absicht.


Warum sollte man Ihren Diavortrag zur Hohen Schrecke besuchen, wenn man sie doch kennt und darin wohnt?
Mein Anspruch ist, dass ich Dinge zeige, als jemand der Deutschland und Mitteleuropa bereist hat und sich mit Wäldern sehr gut auskennt. Ich glaube schon, dass es Sinn macht, sich einmal von jemandem die eigene Heimat zeigen zu lassen, der seit 30 Jahren Natur in Deutschland anschaut und jetzt auch die Hohe Schrecke kennen und lieben gelernt hat und mit diesem Wissen einen Vortrag hält.



Vortragstermine
18. November, 19.30 Uhr, Wasserburg Heldrungen
19. November, 19.30 Uhr, Schloss Beichlingen
20. November, 19.30 Uhr, Feuerwehrhaus in Gehofen
21. November, 19.30 Uhr, Stadtpark in Wiehe
22. November, 19.30 Uhr, Josefskirche in Rastenberg

Der Eintritt ist frei!
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