Fast vergessene Welt(en)

„Ich würd ja gern Bahn fahren, aber zumindest von meiner Heimatstadt aus, ist es mir einfach nicht möglich“, lässt uns der Kölledaer Wissen, für den die Stufen eine unüberwindbare Barriere darstellen.
 
Blick in den Tunnel
KÖLLEDA. Flora und Fauna erobern nach und nach das Bahnhofsrevier. „Rauchen verboten“ mahnt ein Schildchen im Namen von Ordnung und Sauberkeit - das am Gerippe der vor circa zwei Jahren entfernten Überdachung des Bahnsteigs hängt und wirkt an dieser Stelle schon fast ein wenig ironisch. Der Tunnel, welcher zum Bahnsteig führt, ist eine Zumutung für die Fahrgäste und das Bahnhofsgebäude gleicht einem Abrisshaus. Umso erschreckender ist es für jene, die feststellen müssen, dass tatsächlich noch Leute darin wohnen. „Die Schäden sind ja nicht von heute auf Morgen entstanden“, äußert sich Sigrid Schäffner, die so lange der Mietvertrag über die Deutsche Bahn lief, auch keinerlei Probleme mit notwendigen Reparaturmaßnahmen hatte. Seit sich die Immobilie in privater Hand außerhalb von Deutschland befindet, wird nichts mehr getan. Für die Großfamilie war die Wohngelegenheit damals optimal. Doch feuchte Mauern, großflächig bröckelnder Putz, kaputte Scheiben, defekte Rohre und ein mangelhafter Abfluss, machen das Wohnen zu einer Belastungsprobe. Vor allem im Winter, wenn der Korridor im Aufgang mit einer dicken Eisfläche überzogen ist. Ein Umzug, so verrät uns die zehnfache Mutter wird daher immer wahrscheinlicher.

Der Gesamtzustand des Bahnhofs ist eine Beleidigung fürs Auge und wirft für Ortsfremde ein schlechtes Licht auf die Stadt. Er wirkt abschreckend und keinesfalls einladend. Da nützt auch der schönste Touristen-Wegweiser direkt davor nichts. Einen Fahrkartenschalter gibt es schon lange nicht mehr, der unterirdische Zugang zum Bahnsteig ist aufgrund des dort stetig stehenden Wassers und der undefinierbar strengen Gerüche eine Zumutung für die Fahrgäste, das Welldach ist löchrig und sicherlich ist es ohnehin nur noch eine Frage der Zeit bis dieser Zugang - so wie schon so manch anderes Bauwerk - aus Sicherheitsgründen gesperrt werden muss. Menschen mit Handicap, so wie Jürgen Reinhardt der stellvertretend für zahlreiche Fahrgäste der gesamten Region steht - hat gar keine Chance das Gleis zu erreichen. Andere Gäste berichten auch immer wieder davon, dass des Öfteren kein Licht brennt und sie an einem stockfinsteren Bahnhof zu oder aussteigen müssen. Der stetige Rückgang von Fahrgästen wundert da nicht. Der Wetterschutz, der am 5. Juli auf dem Bahnsteig errichtet wurde, ist ein kleiner Lichtblick und soll laut Aussagen der DB-Station und Service AG ein Anfang für weitere Baumaßnahmen sein, denn eine neue Zuwegung ist bereits in Planung. Wie diese aussehen soll, als auch ein Baubeginn sind noch völlig offen. Kölleda ist letztlich ein Beispiel von vielen und wer weiß, wenn die Verantwortlichen nun endlich auch den fast vergessenen Bahnhöfen ihre Aufmerksamkeit schenken, so wird man sicherlich auch schon recht bald wieder von Eisenbahnromantik sprechen können.


Kurz und knapp:
In Kölleda rollte der erste Zug am 14.August 1874.
1999 wurde aus Anlass des 125 jährigen Bestehens ein Kräuterhochbeet auf dem Bahnsteig angelegt. Von diesem Beet ist heute leider nichts mehr zu sehen.
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17 Kommentare
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Thomas Twarog aus Erfurt | 05.10.2011 | 13:48  
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Andreas Weniger aus Erfurt | 05.10.2011 | 18:05  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 05.10.2011 | 18:14  
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Hannelore Grünler aus Artern | 05.10.2011 | 18:14  
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Andreas Weniger aus Erfurt | 05.10.2011 | 18:21  
5.256
Hans-Gerd Born aus Erfurt | 05.10.2011 | 19:18  
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Karin Jordanland aus Artern | 05.10.2011 | 20:08  
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Manuela Deutschland aus Sömmerda | 05.10.2011 | 20:24  
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Karin Jordanland aus Artern | 06.10.2011 | 08:30  
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Frank K. Viezenz aus Erfurt | 06.10.2011 | 10:32  
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 08.10.2011 | 13:59  
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Andreas Weniger aus Erfurt | 10.10.2011 | 21:46  
5.256
Hans-Gerd Born aus Erfurt | 12.10.2011 | 18:20  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 23.10.2011 | 20:17  
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Jürgen Hildebrandt aus Sömmerda | 17.05.2012 | 10:50  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 19.05.2012 | 12:01  
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