Geschichte zum Anfassen

Szenen originalgetreu nachzustellen, dass ist eine Herausforderung für Martin Hayder und seine Mitstreiter. Fotos: privat
 
Martin Hayder in historischer Uniform.
Sie sind Handwerker, Bäcker, Tischler, Kaufleute oder Sanitäter und so unterschiedlich wie ihre Berufe und Charaktere auch sein mögen – in einer Sache sind sie sich einig:
Sie wollen – in Form von Gefechtsdarstellungen - Geschichte zum Anfassen darstellen.
Möglichst detailgetreu werden Militärische Einheiten wirkungsvoll in Szene gesetzt. Das fängt bereits bei den Nachbildungen der Lagerstätten an, wo die leidenschaftlichen Fans der Militärgeschichte - die Strapazen der damaligen Soldaten zur Veranschaulichung nacherleben.
Bevorzugt sind hier Nachbildungen aus Napoleonischen Epochen und Gefechte aus Befreiungskriegen.
Martin Hayder begeistert sich nun schon seit den 80er Jahren für Militärgeschichte und zählt sich selbst mit zum 3.französsischen Linien Infanterie Regiment, Kompanie der Voltigeure (3eme d`Infanterie de Ligne).
Doch wie kommt man zu solch einem Hobby und was treibt gestandene Männer dazu an, sich den Strapazen der damaligen Zeit auszusetzen?
Martin Hayder organisiert zum 1225 jährigen Stadtjubiläum von Buttstädts, ein Stadtgefecht anno 1813 und hat sich unseren Fragen gestellt:


Wie sind Sie zu diesem Hobby gekommen?
Über das Zinnfiguren gießen ,bemalen und Dioramen erstellen. Nach der Wende hat man die
Möglichkeit gehabt das Hobby im Maßstab 1:1 zu machen und das hat mich begeistert.


Welche Epoche ist Ihnen die Liebste?
Natürlich die Napoleonische. Es war der Umbruch in unsere moderne Gesellschaftsordnung, mit freiheitlichen Idealen und dem Bürgerlichen Gesetzbuch „Code Civil“ was heute noch in Frankreich zu großen Teilen Bestand hat.


Ihr wollt die Strapazen der damaligen Soldaten nacherleben. Warum muten sich gestandene Männer diese Dinge – wie karges Essen, Strohlager etc. zu?
Für unsere Zeitreise über`s Wochenende gehört nun mal, dass wir alles so authentisch wie
möglich nachgestalten, nur so kann man nacherleben, wie die Soldaten gefühlt und gedacht
haben, nicht nur zum Gefecht, sondern auch und erst recht im Biwak, wo wir unser Essen
kochen, Uniformen reparieren, neue Kontakte in ganz Europa knüpfen und im Stroh
schlafen. So praktizieren wir Völkerverständigung seit langem und reden nicht nur drüber!
Wir zeigen unseren Besuchern Geschichte zum Anfassen und beantworten gern alle
Fragen der Gäste.


Während der Gefechtsdarstellungen kommt es natürlich auch zum Schusswechsel.
Mit was für Waffen wird geschossen?
Die Waffen sind natürlich keine Originale mehr, schließlich liegt das Ganze 200 Jahre zurück.
Es sind aber originalgetreue Nachbauten und Schussfähig.




Wie sehen die Sicherheitsvorkehrungen aus?
Neben den Zuschauer Absperrungen, werden die Musketen mit Patronen geladen, die aus
dünnem Papier bestehen, um Gefahren auszuschließen.
Sicherheitsabstände werden in Schussrichtung eingehalten und es wird auf gar keinen Fall
direkt gezielt. Nur mit sogenannten Hoch - oder Tiefanschlag, je nach Untergrund.



Wann haben Sie an der ersten Darstellung mitgewirkt und wie haben Sie das damals empfunden?
Meine erste Darstellung war im Jahr 2000 in Leipzig. Ich hatte eine gespannte Aufgeregtheit
alles richtig zu machen und war gleichzeitig stolz, dass ich mit Gleichgesinnten bei so etwas
mitwirken konnte.


Was war Ihr bisher größtes Erlebnis?
Das war zweifellos die Winterschlacht von Austerlitz Anfang Dezember 2005 bei Brünn in Tschechien. Dort waren 4000 Mann aus 20 Nationen versammelt.
Dann die Schlacht von Waterloo im Jahr 2010 bei Brüssel in Belgien, wo über 3000 Mann da
waren, auch aus Übersee wie Australien, USA, Neuseeland.



Was ist für die Zukunft geplant?
In naher Zukunft fahre ich in die Niederlande, dann bin ich in meiner alten Heimat
Buttstädt ( vom 17. bis 19. August) und eine Woche später bei Berlin.
In 2013 stehen die 200 jährigen Jubiläen zur Völkerschlacht an, dort wird dann auch viel
los sein. Die Gelegenheit für Interessierte, weil ein großes Event dann auch mal in der
Nähe ist.



Zum Buttstädter Stadtgefecht haben sich bereits100 Akteure - aus ganz Deutschland - mit vier Geschützen angemeldet. Vor Martin Hayder und seinem Team liegt noch eine Menge Arbeit. Doch darauf war man ja gefasst und wenn die Begeisterung am Ende auf das Publikum überspringt, so ist das für alle Teilnehmer der schönste Lohn.
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9 Kommentare
5.678
Gunter Linke aus Saalfeld | 09.05.2012 | 20:04  
3.865
Karin Jordanland aus Artern | 09.05.2012 | 21:36  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 09.05.2012 | 22:22  
5.678
Gunter Linke aus Saalfeld | 09.05.2012 | 23:08  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 09.05.2012 | 23:59  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 10.05.2012 | 01:43  
1.851
Manuela Deutschland aus Sömmerda | 10.05.2012 | 11:10  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 10.05.2012 | 23:20  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 10.05.2012 | 23:22  
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