Heinar flattert durch Sömmerda und zeigt: "Nazis sind hier nicht willkommen"

Karsten Thiersch und ­Stephanie Schieritz ­organisieren eine Aktion mit „Storch Heinar“. Foto: Rosenkranz

Stephanie Schieritz und Karsten Thiersch klären über rechtsgerichtete Parolen auf und organisieren Plakataktion mit „Storch Heinar“

Jeden Tag auf dem Weg zurArbeit und zurück muss Stephanie Schieritz fast ausschließlich an NPDPlakaten vorbei. „Ich kann sie nicht mehr sehen. Ich musste noch einmal etwas tun.“ Obwohl sich die 32-jährige Vereinsbetreuerin im Arbeiter-Samariter-Bund auch beim Bündnis für einen toleranteren Landkreis engagiert, überlegte sie, wie sie die Bürger vor den Wahlen noch ein weiteres Mal vor den rechtsgerichteten Versprechen warnen kann.

„Ich bin überzeugt, dass es notwendig ist, die Menschen immer wieder über diese Partei und ihre Ziele aufzuklären. Aber jede Aktion muss im rechtlichen Rahmen bleiben, denn die NDP erstattet oft Anzeige“, weiß Stephanie Schieritz aus eigener Erfahrung. Ein Brief von der Staatsanwaltschaft flog schon ins Haus. Wahlbehinderung lautete die Anzeige. Dabei suchten wir nur die Unterhaltung mit Bürgern, als die NPD im Rathaus Unterschriften für ihre Zulassung zur Stadt- und Kreistagswahl sammelte.“

Seit 8. August kennt das Bürgerbündnis den 11. September als Termin, an dem die NPD auf dem Sömmerdaer Markt werben will. Noch ein Grund für Erziehungswissenschaftlerin Stephanie Schieritz aktiv zu werden. Ihre Idee: rundherum Plakate mit „Storch Heinar“ – dem Demokratie-Botschafter – aufhängen. Und zwar oberhalb der NPD-Plakate, sodass der Bezug sofort zu erkennen ist.

Damit konnte sie Karsten Thiersch vom Netzwerk Regenbogen sofort mitreißen. Der 30-jährige Sozialpädagoge ist ebenso Beratungsmanger für demokratische Teilhabe und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Beide arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen, schätzen gegenseitig ihre Weltoffenheit und obwohl sie die Reaktionen von Rechtsradikalen kennen, machen sie sich immer wieder zu
neuen Aktionen auf.

Für die Plakataktion zählten sie im Vorfeld. In Sömmerda hängen mehr als 100 NPD-Plakate. So mussten sie wenigstens 150 Plakate mit Heinar besorgen – für 540 Euro. „Doch von SPD, Linke, Grünen und FDP bekamen wir finanzielle Unterstützung. Den Rest gab das Bürgerbündnis für einen toleranten Landkreis“, lobt Stephanie Schieritz.

Die ersten Plakate hängen seit gestern. Morgen geht es weiter. Wohl die letzte Chance vor den Wahlen. „Wir handeln aus innerer Überzeugung“, betont Karsten Thiersch, der auch bewusst keiner Partei angehört. „Ich gehe mit keiner 100 Prozent konform.“ Parteimitglied zu sein, kann sich auch Stephanie Schieritz nicht vorstellen. Aber Wählen ist Pflicht und wenn es per Brief ist. Karsten Thiersch hält es da mit einem Spruch von „Storch Heinar“: „Mit dem Wählen ist es wie mit dem Zähneputzen. Wenn man´s nicht tut, wird´s braun.“

Termin


Plakataktion mit „Storch Heinar“: 11. September um 8 Uhr auf dem Sömmerdaer Markt

Hintergrund - Storch Heinar


• 2008 startete unter dem Dach von „Endstation Rechts.“ die satirische Kampagne Storch Heinar. Unter Bezug auf die in rechtsextremen Kreisen beliebte und identitätsstiftende Marke „Thor Steinar“ karikiert sie Neonazis und ihre Rituale, um über deren rechtsextreme Strategien ­aufzuklären.
• Über seine Reisen und Begegnungen informiert Storch Heinar auf www.storch-heinar.de und in sozialen Netzwerken. Allein bei Facebook verfolgten Anfang September 2014 rund 87 000 Fans regelmäßig seine Aktivitäten.
• Ende 2012 erhielt die Initiative den Bundes-Engagementpreis des Familienministeriums. 2013 ernannte das Bundesnetzwerk bürgerschaftliches Engagement und 2014 das Bündnis für Demokratie und Toleranz Heinar zum „Demokratie-Botschafter“.
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