Knackig allein reicht nicht - In Kindelbrück werden jeden Tag bis zu 300 Tonnen Äpfel geerntet

Natalia ist zum esten Mal bei der Ernte in Kindelbrück dabei.
 

Die Apfelernte ist anstrengend und erfordert einen prüfenden Blick mit der richtigen Entscheidung / Blick hinter die Kulissen in Kindelbrück

Es ist 7.30 Uhr. Der Nebel hängt noch über den Spitzen der Kindelbrücker Apfelbäume. Da hupt Enrico Pauli, Fahrer des kleinen Traktors, einmal laut, zwölf polnische Pflücker um Teamleiter Zanek rücken an die Seite und Pauli fährt mit sechs gefüllten Kisten mit jeweils 2,9 bis 3,5 Dezitonnen Äpfeln vorsichtig zwischen den Baumreihen zum Verladeplatz. Wenige Minuten später rückt der nächste Zug an. Es geht weiter.

„Seit August läuft auf den Plantagen von Kindelbrücker Obstbau die Apfelernte. Piros war die erste Sorte. Ende Oktober sind die letzten an der Reihe: Idared und Braeburn“, erzählt Beatrix Wolff, stellvertretende Geschäftsführerin Kindelbrücker Apfelanbau. Sie organisiert die Gruppen und Züge in der Plantage. Ihre Arbeitstage sowie die der weiteren Mitarbeiter, zu denen 150 Erntehelfer aus Polen gehören, beginnen um 7 Uhr.

In Regenjacken und oft mit Gummistiefeln, denn die Wege auf den Plantagen trocknen in dieser Jahreszeit nicht mehr ab, gehen die Pflücker mit einem Tornister für fünf bis zehn Kilogramm Äpfel, Pflückbeutel und Messringen an die Arbeit. Die letzten 2,40 Meter hohen Bäume mit Jonagored werden abgeerntet.

Vorsichtig – um Druckstellen zu vermeiden – aber schnell legen die Pflücker Apfel für Apfel in den Tornister und leeren ihn anschließend langsam in der Qualitätskiste. Da hinein schaffen es nur die besten Früchte und dafür müssen die Arbeiter alles im Blick haben: keine Schalenfehler oder Druckstellen, nicht deformiert, ein Durchmesser von 65 bis maximal 90 Zentimeter, mit Stiel und bei der Sorte Jonagored beispielsweise mindestens 30 Prozent rote Färbung.

Alles andere wandert in die Fallobstkiste für die Mosterei. „Selbst wenn der Apfel noch so schön aussieht“, erklärt Beatrix Wolff. „Passt die Größe nicht, muss er ins Fallobst.“ Der Markt will es nicht anders. „Und der russiche Markt, der die sehr großen Äpfel sonst abgenommen hat, bleibt in diesem Jahr geschlossen. Wir merken, dass er fehlt.“

Um 8.30 Uhr hat die Zanek-Gruppe den nächsten Zug mit neun Wagen gefüllt. An denen steht nicht nur die Apfelsorte, sondern auch die Nummer der Pflückergruppe. So ist später bei der Qualitätskontrolle genau zu erkennen, wer wie gut gearbeitet hat. Beatrix Wolff, deren Telefon kaum stillsteht, organisiert den Anschlusszug, kontrolliert nebenbei die Kisten und ob noch etwas an den Bäumen hängt.

Die Apfelernte ist kein einfacher Job. Der Tornister hängt während der ganzen Arbeitszeit über den Schultern vor dem Bauch. „Auch wenn es ein breiter Riemen ist, es ist eine schwere Arbeit. Aber die Frauen sind hier nicht unbedingt das schwache Geschlecht. Sie sind sehr zäh“, sagt Beatrix Wolff, die es jeden Tag aufs Neue erlebt. Eine von ihnen ist Monika. „Naja, es ist eine schwere Arbeit. Aber wir beißen die Zähne zusammen. Was wir hier an einem Tag verdienen, dafür müssen wir in Polen eine ganze Woche arbeiten“, sagt die junge Frau ohne dabei mit der Arbeit zu stoppen.

9.50 und 10.50 Uhr hat es die Zanek-Gruppe erneut geschafft zwei Züge zu füllen. Zwei Trackte - das sind 2 mal 200 Meter - schafft sie in viereinhalb Stunden. „Das ist eine schnelle Truppe“, lobt Beatrix Wolff. Die Kindelbrücker Obstbau weiß das Tempo und die Leistung der Polen zu schätzen. Einige gehören bereits zu den Stammmitarbeitern und kommen jedes Jahr. So wie der 43-jährige Zanek, der seit 14 Jahren diesen Job erledigt. Seine Frau begleitet ihn seit sieben Jahren. Andrzej und Josefa aus der Region Zakopane haben in diesem Jahr ihren Sohn Gregorz und ihre Tochter Aska zur Hilfe mitgebracht. Auch bei ihnen läuft alles ohne Probleme. Selbst die Kommunikation ist kein Problem. Jeder kann ein paar Brocken aus der anderen Sprache.

Um 12 Uhr zählt Beatrix Wolff von dieser Gruppe 21 Kisten mit Qualitätsäpfeln und 18,75 Kisten Fallobst. Aus ersteren geht mindestens eine Kiste in die Qualitätskontrolle zum Team um Steffi Nennewitz. Sie und Marika Lorenz suchen jeder 50 Äpfel aus einer Kiste und sortieren danach die fehlerhaften aus. „Für heute können wir bisher ein sehr gutes Ergebnis feststellen. Bei sechs schlechten von 100 sind das weniger als zehn Prozent“, resümiert Steffi Nennewitz für den ersten Teil des Tages. Und die beste Gruppe? „Gruppe sieben steht auf meinem Zettel.“ Das ist die Gruppe um Zanek, die somit nicht nur schnell gepflückt, sondern auch sehr gut sortiert hat.

Die Äpfel werden nun in die Lagerhallen und in die Verpackungshalle gefahren. Die Mosterei bekommt das Fallobst. „Abnehmer haben wir hauptsächlich in den ostdeutschen Regionen, aber auch in Hessen und Bayern“, informiert Diana Köhler, Geschäftsführerin Kindelbrücker Apfelanbau, die von einer sehr guten Ernte spricht. „Wenn in Europa sonst zehn Millionen Tonnen auf den Markt gelangen, sind es in diesem Jahr 12 Millionen.“


"Wir haben in diesem Jahr eine sehr gute Ernte, wie aber in ganz Europa."
Diana Köhler
Geschäftsführerin Kindelbrücker Apfelanbau


Im Blick
• Apfelplantagenumfang: 275 Hektar; die älteste Anlage ist mit der Sorte Idared bepflanzt und aus dem Jahr 1990.
• Apfelsorten in der Erntefolge: Piros, Machiels, Elstar, Zari, Gala, Shampion, Pinova, Jonagored, Pilot, Braeburn, Idared, Golden Deli
• 150 Arbeiter aus Polen: Sie werden aufgeteilt in drei Gruppen á 50 Mann und dann in vier kleine.
• Pro Tag werden je nach Sorte 180 bis 300 Tonnen Äpfel geerntet.
• www.kindelbruecker-obstbau.de
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