KoBB mit Leib und Seele

  „Hallo, Onkel Polizist“, ruft der Knirps quer über die Straße, als er den Mann in der blauen Uniform sieht. Thomas Daniel winkt dem Kleinen kurz zu, dann muss er weiter. Immerhin hat er eine Menge zu tun. Der Polizeihauptmeister ist in puncto Sicherheit zuständig für die Orte Schlossvippach (mit Dielsdorf), Vogelsberg, Sprötau, Eckstedt und Markvippach. Thomas Daniel ist dort seit vier Jahren Kontaktbereichsbeamter. Oder anders, abkürzend: KoBB. Das klingt im Thüringischen ein wenig wie „Cop“, das englische umgangssprachliche Wort für den Polizisten.

„Es ist ein sehr ländlicher Bereich, den ich hier betreue, Industrie gibt es kaum“, beschreibt der 48-Jährige seinen Wirkungskreis. Den gelernten Motorenschlosser zog es bald schon in den Polizeidienst. Und als er etliche Jahre in Erfurt-Nord auf der Straße eingesetzt war, wusste er: das ist genau sein Ding. Vor Ort sein, direkt mit den Leuten zu tun haben. Der reine Innendienst ist nichts für ihn. Deshalb ist er froh, inzwischen in der Verwaltungsgemeinschaft „An der Marke“ als Kontaktbereichsbeamter zu wirken. Rund 4200 Menschen leben dort. Und sie alle haben mit dem Uniformierten mit Sitz im Rathaus in Schlossvippach das Gefühl, recht sicher zu leben und ihre kleine, persönliche Polizeidienststelle vor Ort. Mit denselben Aufgaben wie eine große. Natürlich, wenn der große Supermarkt am Dorfrand ausgeraubt wird, ist der Polizeihauptmeister auf kürzestem Weg vor Ort und handelt. Aber solche Vorkommnisse sind die absolute Ausnahme.

„Auch Mord und Totschlag gab es hier seit langer Zeit nicht mehr, zum Glück!“, ist Thomas Daniel froh über einen eher friedlichen Bereich. Es sind die kleinen Dinge, die den Polizeihauptmeister tagaus tagein beschäftigen. Immer wieder muss er sich um Angelegenheiten zwischenmenschlicher Art kümmern, kommen Nachbarn plötzlich nicht mehr miteinander klar. Dabei gehe es oft nur um Bagatellen, die zu erbittertem Streit bis hin zum Gerichtsverfahren eskalieren. Nicht immer ist der Polizist da zuständig. Doch er versucht zu schlichten. „Worüber sich die Leute streiten, ist manchmal wirklich zum Heulen. Denkt denn keiner darüber nach, dass er auch in Zukunft mit seinem Nachbarn einigermaßen auskommen muss?“, schüttelt Thomas Daniel bedauernd den Kopf.

Er ist der, der mit den Leuten redet. Kommunikation ist das, worauf es dem KoBB ankommt. Nur so kann er etwas erreichen. In den Sprechstunden in seinem kleinen Büro sowieso, wenn die Dorfbewohner ihre Fragen stellen. Kleine Irritationen lassen sich schnell aus der Welt räumen. Und draußen, wenn es manche zu locker mit bestimmten Regelungen nehmen, greift er durch. „Ich versuche immer erst zu reden, aber manchmal hilft das eben nichts“, weiß er. Wegschauen kann er nicht, das geht gegen seine Dienstehre. Zu schnelles Fahren, das Kindergartenkind auf den letzten paar Metern auf dem Schoß und am Steuer – das geht gar nicht. Und manchmal, wenn eine große Veranstaltung in der Nähe ist und er darauf achtet, dass alles in seinem Bereich in Ordnung ist, legt er auch schon mal eine Nachtschicht ein. Als KoBB ist er flexibel.

Thomas Daniel geht auch von sich aus zu den Menschen: In den Kindergärten wird der „Onkel Polizist“ begeistert in Empfang genommen. In den Schulen gestaltet sich der Umgang miteinander schon schwieriger. Nicht jeder Jugendliche sieht den Polizisten unbedingt gern als Gesprächspartner. Schließlich ist er ja einer, der bei einer schlimmen Prügelei hinzugerufen wird und in der Ethikstunde darüber spricht, welche Folgen gesetzwidriges Verhalten haben kann.

Wer anonym eine Frage stellen möchte oder ein Anliegen hat, kann den dafür eingerichteten Briefkasten in der Schule nutzen. „Das könnte ruhig mehr werden“, wünscht sich Thomas Daniel einen noch besseren Kontakt zu den Schülern. Doch er bleibt dran. Für Thomas Daniel ist das Ehrensache. Er ist mit Leib und Seele KoBB.
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