Nur heiße Eisen schmieden - Das besondere Interview mit Schmiedemeister Bernhard Güttel

Schmiedemeister Bernhard Güttel schmiedet jedes Eisen solange es heiß ist. Foto: Rosenkranz
 

In Großneuhausen hört man es seit über 250 Jahren klopfen. Denn die Schmiede gibt es dort seit 1735. In welcher Generation er heute den Betrieb führt, weiß Bernhard Güttel allerdings nicht. Der 60-Jährige ist seit 1980 Schmiedemeister und übt seinen Beruf, der mittlerweile schon zur Seltenheit geworden ist, mit Leib und Seele aus. Er bringt alles, was heiß ist, gern in Form. AA-Redakteurin Sandra Rosenkranz führte mit ihm ein Interview der besonderen Art.

Wissen Sie immer, wo der Hammer hängt?
Heutzutage nicht immer. Vieles ändert sich zu schnell.

Würden Sie jemandem gern mal zeigen, wo der Hammer hängt?
Auf alle Fälle unseren Politikern.

Sind Sie Ihres Glückes Schmied?
Jeder schmiedet sein Glück selbst.

Marmor, Stein und Eisen bricht, sagt ein Sprichwort. Und bei Ihnen?

Ich habe bisher oft Vertrauen erlebt, das gebrochen ist.

Würden Sie auch einen eisernen Vorhang schmieden?
Ja, für unehrliche Menschen und die, die Freundschaften bloß vortäuschen.

Standen Sie schon zwischen Hammer und Amboss?
Ja. Wenn wir Leistungen erbringen und die vom Kunden nicht bezahlt werden. Da wusste ich nicht, ob der Hammer mich trifft oder das Umfeld.

Gib es Dinge, von denen Sie wie mit einem Schlag getroffen wurden?
Das ist schwierig. Ich kann dazu nur sagen: Der Tod von meinem Freund war schlagartig.

Was schaffen Sie mit einem Schlag?
Eine ehrliche Antwort zu geben.

Welche Pläne schmieden Sie gerade?
Ich arbeite gerade an meiner Gesundheit. Aber wichtig ist, dass ich versuche, alle meine Pläne umzusetzen.

Weshalb ist es manchmal gut, mehrere Eisen im Feuer zu haben?
Um das heißeste herauszunehmen und zu bearbeiten. Das muss man immer zweideutig sehen.

Haben Sie neben dem Feuer andere heiße Sachen in der Werkstatt?
Einen Girl-Kalender.

Was ist bei Ihnen schon unter den Hammer gekommen?
Bei uns ist Gott sei Dank noch nichts unter den Hammer gekommen. Muss auch nicht sein. Wenn es nicht mehr verwertbar ist, kommt es in den Müll.

Bei welchen Dingen bleiben sie eisern?
Wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, bleibe ich eisern, bis ich es erreicht habe. Zum Beispiel habe ich mir vorgenommen, unser Grundstück mit Garten so zu erhalten, dass ich, wenn ich in zehn Jahren in Rente gehe, nicht mehr viel zu machen habe. Dann bleibe ich auch meinen Mitarbeitern gegenüber immer eisern, wenn ich eine entsprechende Leistung fordere. Und wenn es um die Firma geht, bin ich ebenfalls eisern.

Zählen Sie sich schon zum alten Eisen?
Nein, weil ich mich nicht so fühle. Auch wenn ich schon 60 bin. Ich gehöre zum jüngeren Eisen.

Was macht bei Ihnen die Kunst?
Ab und zu schmiede ich beispielsweise Kerzenständer oder wenn wir zum Handwerkertag mitmachen. Ansonsten habe ich als Metallgestalter keine Zeit die Kunst, die heute als Kunst gilt, zu schmieden.

Mussten Sie schon richtig in die Eisen treten?
Ja. Ich fahre Motorrad. Da muss ich öfter mal eine Vollbremsung machen. Aber auch beruflich, mit weniger Geld mussten wir ganz schön in die Eisen gehen.

Wann können sie feurig werden?
Bei meiner Frau.

Das Eisen schmieden, solange es noch heiß ist?
Ja, immer. Es ist notwendig, um einen Erfolg zu sehen.

Wieviel Jahre sind es noch bis zur eisernen Hochzeit?
30 Jahre

Was finden Sie hammerhart?
Hammerhart ist für mich, wenn sich ein Kunde freut und das ist nicht selten, das immer meine Handwerkerleistung anerkannt wird.

Was gehört bei Ihnen zum eisernen Bestand?
Alles, was ich liebe und wertschätze!

Was halten Sie davon, mal einen Komplott zu schmieden?
Gegen wen? Trifft man damit den Richtigen?

Haben Sie gerade Eisen im Feuer?
Ich habe mehrere Eisen im Feuer, aber es ist schwierig das richtige auszuschmieden.

Und welche Dinge folgen bei Ihnen Schlag auf Schlag?
Familie, Arbeit und Umfeld.
1
1
1
1
1
1
1
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
1 Kommentar
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 01.07.2014 | 13:14  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige