Sie sind nicht die Polizei

Andreas Böttger (l.) und Torsten Koning sind Streetworker in Sömmerda
Andreas Böttger und Torsten Koning arbeiten als Streetworker und sind für die Jugendlichen immer vor Ort

SÖMMERDA. Für ihre Arbeit gibt es keinen Leitfaden und auch keinen Thesenplan: Andreas Böttger aus Greiz und Torsten Koning aus Leipzig sind Streetworker. Das öffentliche Stadtgebiet ist ihr Arbeitsplatz, immer vor Ort, dort, wo sich die Jugendlichen treffen und salopp gesagt abhängen. Kein Tag ist da wie der andere, entsprechend schwanken die Stimmung der Jugendlichen und die Bedeutung ihrer Probleme.

Andreas Böttger, markant mit kurz rasierten Haaren und rotem Pferdeschwanz, hat Sozialarbeit studiert. Sein Berufsziel war klar, die Arbeit mit jugendlichen Gruppen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten. "Ich weiß wie sie ticken, denn ich habe früher selbst auf der Straße gehangen", verrät er. Sein Kollege Torsten Koning, blonde kurze Haare und Brille, fand über das Studium der Germanistik, Soziologie und Theologie zu seinem Beruf. Ihre Arbeitsstile stellen sie sehr unterschiedlich dar. Andreas Böttger bezeichnet seine Grundherangehensweise eher als konfrontativ wie ein Basketballer. Torsten Koning sei dagegen eher der Künstler.

Verschiedene Arbeitsstile, unterschiedliches Aussehen, doch bezüglich ihrer Arbeit sind sie sich einig: "Wir sind nicht das Ordnungsamt, die Polizei oder die Eltern." Sie werden sich jedes Problems annehmen und wenn notwendig weitervermitteln. Bei der Vielfalt an Problemen sicherlich ein Vorteil, wenn sie sich hinsichtlich des Arbeitstiles ergänzen. Aber Einigkeit ist Voraussetzung. "Wenn wir uns nicht einig sind, würden das die Jugendlichen ausnutzen", ist sich Andreas Böttger sicher. Grundlegend müssen sie allerdings erst einmal ein Vertrauensverhältnis zu den Jugendlichen aufbauen. Erfolg ist nicht immer garantiert, oft auch erst nach längerer Zeit. Doch den Kontakt frustiert aufgeben ist tabu.

Gründe für das Abhängen der Jugendlichen auf der Straße gibt es viele. "Abgesehen davon, dass sich Jungen und Mädchen aller sozialen Schichten und mit unterschiedlichem Bildungsgrad auf der Straße treffen, ist es vor allem der Freiraum, der den öffentlichen Raum so attraktiv macht", nennt Andreas Böttger einen Hauptgrund. In Sömmerda beispielsweise gäbe es genügend Treffs und Angebote für Jugendliche. Doch wie in der Schule und in Vereinen seien auch dort bestimmte Regeln einzuhalten.

Mittlerweile haben beide die kleine Kreisstadt kennengelernt, sich einen Überblick verschafft, die für Gruppentreffen bekannten öffentlichen Stellen wie den Böblinger Platz aufgesucht und sich auch bei den älteren Bürgern vorgestellt. Offenheit wurde ihnen überall entgegengebracht. Ihr erster Eindruck: Sömmerda sei übersichtlich und mit einer Großstadt bezüglich harter Drogen und Verbrechen nicht zu vergleichen, resümiert Torsten Koning. "Ich empfinde es allerdings erschreckend wie hoch der Alkoholkonsum hier ist", ergänzt Andreas Böttger. Er wisse, dass soziale Kontrolle in einem Neubaugebiet nicht unbedingt gegeben sei. Beide wünschen sich noch mehr bürgerliches Miteinander, aber auch Verständnis von der älteren Generation. Zumal der Altersdurchschnitt in Sömmerda 45 Jahre sei. Trotzdem auf der aufsuchenden Arbeit das Hauptaugenmerk liegt, organisieren beide attraktive Projekte für die Jugendlichen.

Kontakt:
Andreas Böttger: 0162/9136110 oder 03634/607890
Torsten Koning: 0162/9136112 oder 03634/353851

E-Mail: streetwork-soemmerda@gmx.de

Sprechzeiten:
Dienstag 14 bis 16 Uhr
Donnerstag 16 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung

Die Angebote der beiden richten sich hauptsächlich an junge Menschen zwischen 14 & 17 Jahren. Für sie sind sie Ansprechpartner in allen Lebenslagen; Unterstützer bei der Bewerbung, Arbeitssuche und anderen Problemen. Sie gestalten Freizeitangebote nach den Wünschen der Jugendlichen und gestalten Präventions- sowie Projektangebote für Schulen und Gruppen.
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