Struppi im Einsatz

Jörg Stengler mit der ehemals freilaufenden Hündin aus Rastenberg.
 
Jörg Stengler mischt das Granulat, dass die Hündin etwas benommen machen soll, ins Fleisch
Sömmerda: Tierheim | Regelmäßig gehen beim Thüringer Tierrettungsdienst von Jörg Stengler Anrufe ein. Der jüngste kam aus Rastenberg. Bürger fühlten sich dort von einem Hund am Ortsrand belästigt. Er plünderte Mülltonnen und stellte eine Gefahr da. Über ein Vierteljahr wurde der offensichtlich verwilderte Haushund immer mal wieder gesichtet. Jörg Stengler bat die Anwohner, den Hund erst anzufüttern bis er sich wieder ein wenig an die menschliche Zuwendung gewöhnt. Sein Plan: bei einer Fütterung den offensichtlich verwilderten Haushund fangen.

Der besagte Tag war gekommen und Jörg Stengler nahm mich mit: Im Struppi 33 riecht es etwas unangenehm. Er entschuldigt sich dafür. Er hatte die Nacht zuvor eine tote Katze transportieren müssen. Doch ich wusste, dass ich nicht mit einem Reisebus fahren würde. Auf dem Weg nach Rastenberg, erzählt er mir von dem Glück, in der Finnestadt Menschen gefunden zu haben, die bereit waren, dem freilaufenden Hund Futter zu geben. Katzen werden nämlich lieber gefüttert. Dann warnt er mich vor: „Wenn es heute nicht klappt, fahr´ ich frustiert nach Hause."

Vor dem Supermarkt treffen wir Roland Hahn, der Gehacktes für den Einsatz besorgt. Anschließend fahren wir zu Wolfgang Stoll. Er fütterte die Hündin regelmäßig, nennt sie Tina und unterhält sich jeden Tag mit ihr.

Als Jörg Stengler die Hündin sieht, achtet er als Erstes auf das Gesäuge. „Sie hat keine Welpen, sonst wären die Zitzen länger. Die sind ganz normal. Wir können handeln", so Stenglers Fazit. Auch wenn er den Hund hätte immobilisieren können mittels Blasrohr mit Spritze, entschied er sich für ein Granulat im Futter, das die Tiere in ihrer Wahrnehmung beinflusst. Benommenheit ist die Folge. „Dabei darf ich das Tier aber nicht aus den Augen verlieren", betont der Tierfreund, der nicht als Tierschützer bezeichnet werden will. Er mischt das Granulat unter das Fleisch und lässt es von Wolfgang Stoll bereitlegen. Dieser lockt Tina mit sanften Worten an. Sie ist misstrauisch. Nur ganz vorsichtig beschnuppert sie das Fleisch und beginnt den Fleischberg ringsherum abzufressen. Doch schnell lässt sie den Rest liegen und läuft Richtung Wald. Auch wenn Tina sich noch einmal kurz zeigt. Jörg Stengler bläst die Aktion ab. Für eine Wirkung hatte Tina viel zu wenig Mittel aufgenommen. Die Männer verabreden sich für den folgenden Montag.

Den angekündigten Frust merke ich auf dem Rückweg nicht. Wie es dann weitergeht, will ich wissen. „Es wird schwierig, den Hund in einen Zwinger zu sperren, nachdem er ein halbes Jahr in Freiheit gelebt hat", vermutet Jörg Stengler. „Doch wir werden es so angenehm wie möglich für ihn machen."

Eine Woche später erneuter Einsatz, leider ohne mich, aber mit Erfolg. Wolfgang Stoll lockte Tina auf sein Grundstück und rief dann Jörg Stengler an. „Die Hundedame stellt sich etwas affig an. Aber ich setzte mich durch", so Stengler. „Ich kann mir bei solchen Einsätzen keine Gefühle leisten." Seine Kosten für beide Einsätze schätzt er auf 300 bis 400 Euro. Es ist sein guter Wille dies zu tun, denn entlohnt werde er nur für Fundtiere und die Spenden haben nachgelassen.

Die scheue Hundedame ist in der Tat etwas eigenbrötlerisch, sucht keinen Kontakt - kein Wunder nach Monaten im Wald. Auch ich werde beim Fototermin fast ignoriert. In der Vermittlung sieht Jörg Stengler ein Problem: „Ich habe absolute Bedenken, solch einen Hund besonders in eine Familie mit Kindern zu geben." Bis auf weiteres ist die namenlose Hündin, die von Jörg Stengler mit Kosenamen wie Schnecke gerufen wird - und auch darauf hört - vorerst im Tierheim an der Weißenburg zu Hause.

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Telefon: 0171/6 40 85 70. (24 Stunden und 365 Tage im Jahr)
Tiere in Not: tiereinnot@tierheim-soemmerda.de
Thüringer Tierrettung: tierrettung@tierheim-soemmerda.de
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1 Kommentar
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Florian Storch aus Gotha | 14.01.2011 | 14:38  
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