App steuert bisher einmalige Kreisberegnungsanlage in Thüringen - besseres Futter für Milchkühe in Frohndorf

Klaus Streckhardt, Mitarbeiter Agra-Milch, freut sich über die reiche Maisernte. Durch die Steuerung der Bewässerungsanlage hat er wesentlich dazu beigetragen.
 
Kreisberegner im Einsatz. (Foto: Markus Möller)

„Wir müssen jetzt aufhören zu meckern und die neuen Chancen durch den Klimawandel nutzen, mit bis zu zwei Ernten im Jahr. Die Voraussetzungen dafür haben wir in diesem Jahr geschaffen“, sagt Sylvio Key, Geschäftsführer Agra-Milch e.G. Frohndorf/Orlishausen. Im Thüringer Becken kann dies nur mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem gelingen, da es eine niederschlagsarme Region ist. Seit dem Frühjahr drehen sich deshalb auf den Feldern des Unternehmens die bis zu 500 Meter langen Kreisberegnungsanlagen - steuerbar mit einer App vom Smartphone aus. Es sind die Ersten in Thüringen.

In dem mittelständischen Landwirtschaftsbetrieb wird nachhaltig gewirtschaftet: Das Futter für die Kühe wächst auf den eigenen Feldern. Die Kühe geben Milch und die Exkremente werden in der Biogasanlage zur Erzeugung von Wärme und Strom genutzt. Dieser treibt unter anderem die Pumpen der Bewässerungsanlagen an.

Die mehr als 1100 Milchkühe sind in Stallanlagen untergebracht. „Weidehaltung ist für uns nicht möglich, denn wir müssten zufüttern. Aber frisches Gras und Silage gleichzeitig vertragen die Tiere nicht.“ So wachsen auf den Feldern rund um Frohndorf Silomais, Luzerne, Ackergras, Futterweizen und Winterfutterroggen für die Produktion von nahrhafter Silage - 21000 Tonnen pro Jahr. Nur sehr wenig Futter, wie Soja- und Rapsschrot, müssen zugekauft werden. „Dadurch haben wir die Chance, fast autark zu arbeiten und Futtermittelskandalen zu entgehen, wie vor zwei Jahren, als das Schimmelpilzgift Aflatoxin in Norddeutschland in der Milch nachgewiesen wurde.“ Bis zu 50 Kilogramm Silage verspeist eine Kuh am Tag, dazu kommen noch einmal 90 bis 120 Liter Wasser. „Damit eine Kuh möglichst viel Milch geben kann, muss das Tierwohl oberste Priorität haben. Acht Mal am Tag wird gefüttert. Nach dem Essen kann die Kuh sich in Liegeboxen ausruhen, bevor sie zum Melken geht. Die Qualität unserer Milch ist sehr gut, dafür haben wir schon mehrere Auszeichnungen bekommen“, erzählt Sylvio Key.

Immer größere Sorgen bereiten dem Unternehmen die Rahmenbedingen für die Milchproduktion. Fallende Milchpreise, steigende Bodenpreise, höhere Umweltauflagen, neue Düngeverordnungen bis hin dazu, geeignete Lehrlinge zu finden. „Um weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen wir je Kuh mehr Milch produzieren. Mit dem Umbau der Stallanlagen haben wir das Tierwohl weiter erhöht und durch die Beregnung unserer Pflanzen die Qualität des Futters verbessert.“

Gemeinsam mit der Thüringer Fernwasserversorgung wird seit 2014 ein thüringenweit einmaliges Bewässerungskonzept für die 420 Hektar Anbaufläche umgesetzt. Fachhydrologe Markus Möller begleitete die Planung der Anlage und sorgt gemeinsam mit seinen Kollegen dafür, dass stets genügend Wasser verfügbar ist. Im Frühjahr gingen die ersten Kreisregner in Betrieb. Das Wasser dafür stammt aus der Talsperre Frohndorf, die es je nach Bedarf in das Flüsschen Scherkonde abgibt. Drei Kilometer unterhalb der Talsperre steht eine Pumpstation. Über ein Rohrleitungsnetz wird das Wasser direkt aus dem Fluss in Großkreisregner, die auf den Feldern stehen, eingespeist. Diese verteilen das Wasser über ihre langen Arme und Düsen direkt über den Pflanzen. Dadurch kann mit niedrigerem Wasserdruck gearbeitet werden. Das spart Strom sowie Kosten für die Anschaffung der Pumpen. Die rund 500 Meter langen Arme drehen sich in 72 Stunden einmal im Kreis. „Da Felder ja eigentlich eckig sind, können die Arme am Ende so eingeklappt werden, dass fast alle Pflanzen Wasser erhalten. Das können wir über GPS steuern“, erklärt Sylvio Key.

Das System stammt aus den USA. Von seinem Smartphone aus steuert Mitarbeiter Klaus Streckhardt die gesamte Anlage. Bei Regen kann er sie sofort ausschalten, bei zu erwartender Hitze einschalten oder die Wassermenge verändern. Fehlermeldungen im System werden auch sofort auf dem Handy angezeigt.

Vier Kreisberegner versehen auf 180 Hektar schon ihren Dienst, weitere acht befinden sich noch im Aufbau. Die ersten Ernten mit Beregnung sind eingefahren. „Für uns hat sich die Bewässerung gelohnt, rund 30 Prozent ist der Ertrag gestiegen. Ich denke, unseren Kühen wird das neue Futter demnächst gut schmecken“, sagt Landwirt Sylvio Key.

Hintergrund:
- Agra-Milch e.G. Frohndorf/Orlishausen im Kreis Sömmerda ist ein Betrieb zur Milcherzeugung. - 1150 Milchkühe stehen in den Stallanlagen.
- Jährlich werden rund 12 Millionen Liter Milch an das Deutsche Milchkontor geliefert, dazu gehören unter anderem die Thüringer Milchwerke in Erfurt mit der regionalen Marke Osterland.
- Zur Bestandserhaltung gibt es eine eigene Jungrinderaufzucht.
- Das Unternehmen wirtschaftet nachhaltig, erzeugt zu 95 Prozent sein Futter für die Tiere selbst, ebenso die benötigte Wärme und den Strom mit einer Biogasanlage. - Zur Verbesserung von Qualität und Menge des Grundfutters investiert der Betrieb seit 2014 in ein modernes Bewässerungssystem auf insgesamt 420 ha.
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