Die grüne Oase der Schüler: Der Schulwald der Gerhart-Hauptmann-Regelschule Roßleben ist 20 Jahre alt

Der langjährige Schulleiter Hans-Jürgen Weilepp (rechts) und Dr. Jürgen König (Mitte). Foto: Rosenkranz
 
Diese Robinie ist der höchste Baum im Schulwald. Foto: Rosenkranz
Die Gerhart-Hauptmann- Regelschule in Roßleben gehört zu den grünsten Schulen Thüringens. Vor 20 Jahren legten die Schüler mit Unterstützung des damaligen Försters Wilmar Frederking einen Schulwald an. Ausgangspunkt war, dass die Schule damals ehemalige Ackerflächen und Flächen unter einer stillgelegten Fernwärmeleitung übertragen bekam. Heute haben die Bäume stattliche Höhen erreicht, zwischendrin wirkt das Gebiet wie ein kleiner Urwald.
Mit dem neuen Schulkonzept wurde ein Schwerpunkt auf die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ gelegt, die auch die Erzeugung von nachwachsenden, umweltfreundlichen Rohstoffen beinhaltet. So entstanden Schulwald-Schülerprojekte, die sich mit der Einheit von Ökologie, Ökonomie und Sozialem beschäftigen.
Das Wachstum konnte der langjährige Schulleiter Hans-Jürgen Weilepp über die Jahre genau beobachten. Gemeinsam mit Dr. Jürgen König, der zahlreiche Umweltprojekte an der Schule betreut, beantwortete er folgende Fragen.


Wie groß ist die Fläche des Schulwaldes?
» Etwa ein Hektar Schulfläche wurde in Wald umgewandelt. Flächenmäßig wird er immer größer, weil die Randbereiche weiter bepflanzt werden. Jedes Jahr kommt zum Beispiel der Baum des Jahres hinzu.

Der seltenste Baum im Schulwald?
» Der Speierling (Wildobstart), der auch deutschlandweit zu den Raritäten gehört. Wir konnten aus den drei Speierlingsbäumen bereits über 1000 Kerne gewinnen und kleine Bäume anziehen.

Welche Baumarten stehen im Schulwald?
» 36 verschiedene Baumarten unabhängig von den Sträuchern – unter anderem Fichten, Eichen, Birken, Kaiserlinde, Platanen, Silberlinde, Speierlinge, Ginkgo, Ulme. Auf der Streuobstwiese stehen Pflaumenbäume, Kirschen und verschiedenen Apfelsorten.

Welche Baumart kommt am häufigsten vor?
» 1993 / 94 wurden 2000 Jung-Traubeneichen und damit die höchste Zahl einer Baumart gepflanzt. Aus den Traubeneichen wollen wir astfreies Stammholz erziehen.

Welche Pluspunkte bringt ein Schulwald?
» Durch die Umweltprojekte, zu denen der Schulwald gehört, konnte die Umweltgruppe an der UNESCO-Projektschule im vergangenen Jahr als offizielles UN-Dekadeprojekt „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet werden. Wir haben desweiteren mehrfach den Titel Umweltschule in Europa und Internationale Agenda-21-Schule erringen können. Mit der Erzeugung des nachwachsenden Rohstoffes Holz für unser Biomassekraftwerk wurden wir 2009 Energiesparmeister im Bundeswettbewerb und erhielten dadurch Sponsorenunterstützung von Stiebel-Eltron für die Energieversorgung der Schule.

Welches ist der höchste Baum des Schulwaldes?
» Eine Robinie ist der höchste und gleichzeitig, mit schätzungsweise 60 Jahren, der älteste Baum im Schulwald. Er ragt unmittelbar am Pausenhof etwa 18 Meter in die Höhe. Der mächtigste Baum ist eine 50-jährige Weichselkirsche mit einem Stammdurchmesser von 60 Zentimetern.

Wer nutzt den Wald und wie?
» Vorrangig ist der Schulwald ein Anschauungsobjekt für den Unterricht in den MINT-fächern. Verschiedene Jugend-forscht- Projekte basieren auf Themen des Schulwaldes. Aber wir können dem Wald auch nachwachsende Rohstoffe entnehmen. So konnte bereits ein Umweltbildungs-Tipi in Wiehe aus den Nadelholzstangen gebaut werden. In diesem Jahr werden wir nach waldbaulichen Prinzipien in der Eichenparzelle Zukunftsbäume freistellen und pflegen.

Was ist mit dem Schulwald noch geplant?
» Vorrangig ist die Aufgabe, den Schulwald nach der Ausgliederung aus dem Schulgelände nachhaltig zu erhalten. Die aus Kernen gezogenen Jungspeierlinge und verschiedene Wildobst- und Nussarten sollen die biologische Vielfalt im Schulwald erhalten. Das Projekt „Schulwald“ soll zukünftig in einer Kooperation mit der John-F. Kennedy Gemeinschaftsschule in Erfurt Schule machen.

Welche Tiere leben im Schulwald?
» Neben verschiedenen Drosselarten brüten Turmfalken, Türkentauben, Finkenarten, Rotkelhchen und Zaunkönig. Rote Milane werden häufiger beobachtet – der Kyffhäuserkreis besitzt wahrscheinlich die meisten Brutpaare bundesweit, wobei in Deutschland die meisten Roten Milane weltweit vorkommen.

Wer kümmert sich um den Wald?
» Die Umweltgruppe an der Schule hat sich zum Ziel gesetzt, den Schulwald aktiv zu erhalten, zu entwickeln und nachhaltig zu nutzen. Unterstützung erhalten sie von Förstern. Der wissenschaftliche Beirat der UNESCO-Projektschule und die Schutzgemeinschaft Kyffhäuser-Unstrutlandschaft begleiten die Schüler fachlich.

Was wächst im Schulwald, was nicht von Hand gepflanzt wurde?
» Im Unterstand der Traubeneichen, Ahorn und Pappelarten siedelten sich auch Straucharten wie Heckenkirsche, Schlehe und Weißdorn an. Wir finden aber auch Pionierbaumarten wie die Ölweide.
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