Unser Wellensittich

Wellensittiche heißen meistens Hansi oder Peterle. Unserer hieß Gucki. Mein Vater hatte ihm den Namen gegeben.. In seinem Zimmer stand auch Guckis Käfig. Er flog frei im Zimmer herum oder saß bei meinem Vater auf dem Tisch. Unsere Katzen durften nur ins Zimmern, wenn Gucki im Käfig war. Wie gerne wären Felix und Timmi öfter in Guckis Nähe gewesen. Nur so, um ihn beobachten oder mal auf den Käfig springen und Gucki erschrecken. Mein Vater versuchte Gucki das Sprechen beizubringen, aber es klappte nicht. Er gab kein Wort von sich, er tat meinen Vater nicht den Gefallen.

Wir saßen am Frühstückstisch und ließen es uns schmecken, nicht ahnend, was ein paar Meter weiter geschah. Mein Vater wollte noch die Zeitung lesen und ich ging in sein Zimmer, um seine Brille zu holen. Als ich die Tür aufmachte, verschlug es mir die Sprache. Überall lagen kleine Federn. Beide Kater saßen unter dem Tisch und spielten mit Etwas. Als erstes habe ich die zwei aus dem Fenster gejagt. Dann schnell meinem Vater die Brille gebracht. Nun wieder in sein Zimmer gerannt um zu schauen, was aus Gucki geworden war. Da lag er in mitten seiner Federn. An ihm waren keine Verletzungen zu erkennen. Ich hoffte, dass er vielleicht einen Herzschlag bekommen hat und keine Schmerzen erleiden musste. Durch den Verlust der vielen Federn war er noch leichter. Ich wickelte ihn eine Serviette, so dass nur sein Köpfchen herausguckte. Dann weinte ich um dieses kleine Vögelchen, dessen Leben so tragisch endete. Es war meine Schuld, ich hatte die Tür nicht richtig zugemacht. Die Katzen haben nur instinktiv gehandelt. Ich saugte die Federn weg und überlegte, wie ich meinem Vater beibringen sollte, dass sein kleiner Freund tot war. Er durfte nicht erfahren, dass die Katzen in seinem Zimmer waren. Er hatte sie sehr gern und war glücklich, wenn sie am Fußende seines Bettes lagen. So sollte es bleiben.

Also musste ich zu einer Notlüge greifen. Schweren Herzens ging ich zu meinem Vater brachte ihm schonend bei, das unser Gucki plötzlich tot im Käfig lag. Ich zeigte meinem Vater den eingewickelten Vogel. Zärtlich strich er ihm über das Köpfchen und weinte. In diesem Moment wusste ich nicht, wer mir mehr leid tat: Unser Gucki oder mein trauriger Vater.
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