Ein Lächeln für das richtige Fahren

Fährt der Autofahrer in Kindelbrück mit vorgeschriebenen 50 Kilometern pro Stunde (km / h) in den Ort hinein, wird er freundlich angelächelt. Fotos: Sandra Rosenkranz
 
Kindelbrücks Bürgermeister Roman Zachar
 
Das Smiley ist mit der Geschwindigkeit nicht ganz zufrieden.
Kindelbrück: Ortseingang |

Das erste Dialogdisplay in Thüringen steht seit zwei Jahren in Kindelbrück – Bürgermeister Roman Zachar weiß es zu schätzen. Weitere Thüringer Kommunen werden in diesem Jahr ein Display aufstellen können, um den Verkehr zu ermahnen. Zu dem landesweiten Förderprogramm läuft 2015 zusätzlich eine Plakataktion, für die bis 27. September über das schönste Lächeln abgestimmt werden konnte.

Sie lächeln freundlich, ziehen ihre Lippen gerade oder lassen die Mundwinkel hängen und zeigen so deutlich ihre ­Gefühle. Entweder sind sie zufrieden oder unzufrieden mit der Geschwindigkeit, mit der ein Auto an ihnen vorbeifährt. Die Smileys – beziehungsweise offiziell Dialogdisplays – mahnen, die vorgeschriebene Geschwindkeit einzuhalten, und registrieren die Zahl der Fahrzeuge.
Seit 2013 haben bereits 94 Kommunen in Thüringen Displays erhalten. 70 Anträge gingen in diesem Jahr beim Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft ein. Damit ist das Fördervolumen, das sich auf insgesamt 100 000 Euro beläuft, ausgeschöpft. 53 Schilder können mit je 1753 Euro finanziert werden.
Am Ortseingang Kindelbrück wurde im Rahmen dieses Verkehrssicherheitsprojektes 2013 das erste Dialogdisplay in Thüringen aufgestellt. AA-Redakteurin Sandra Rosenkranz sprach mit Bürgermeister Roman Zachar über Nutzen, Aufwand und Erfolge.


Warum braucht Kindelbrück das Display?
Weil die Stadt durchschnitten wird von der Bundesstraße 86 und wir getrennte Wohngebiete haben. Die Schule befindet sich in einem, die Hälfte der Kinder wohnt aber auf der anderen Seite. Es gibt nur eine Möglichkeit, die Straße an ­einer Ampel zu überqueren. Wir hatten auch immer wieder eine Unterschriftensammlung von Eltern und darauf mussten wir reagieren.

Zeigt das Smiley Wirkung?
Gefühlt. Es ist eine ­angenehme Sache, wenn du siehst, wie die Autofahrer bremsen und nicht mehr wie seit 20 Jahren in den Ort hineinfahren. Der anschließende Verkehr verzögert sich. Es wird angenehmer für die Bürger bezüglich des Emissionsausstoßes, aber auch ruhiger. Es ist schon ein Unterschied, ob jemand mit 80 oder 50 km / h an dir vorbeifährt.

Werden die aufgezeichneten Daten ausgewertet?
Das passiert jeden Monat. Im Zeitraum der Förderung des Dialogdisplays sollen wir die Daten vornehmlich sammeln. Es wurde damals gesagt, dass sie dann zentral ausgewertet werden sollen, da es ein flächendeckendes Projekt in Thüringen ist.
Wir haben jetzt in Kindelbrück aber auch eine laufende Statistik über zwei Jahre erstellt vom 24. Juli 2013 bis 18. August 2015. Von 6 bis 22 Uhr erfolgt die Messung. 1,2 Millionen Fahrzeuge aus einer Richtung haben wir in dieser Zeit auf der Bundesstraße registriert. Von denen fuhren 37 Prozent die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 50 km / h. 63 Prozent fuhren nach wie vor zu schnell. Wobei sich das „Zu schnell“ meistens zwischen 50 bis 60 km / h bewegt.

Von Erfolg zu sprechen, sei dahingestellt. Sind Sie mit 37 Prozent ­zufrieden?
Noch nicht. Aber 60 km/h ist besser als 170 km / h Spitzengeschwindigkeit, die wir schon gemessen haben. Das sind alles Durchschnittswerte.
Wir können die einzelnen Zahlen nach Tageszeiten auswerten und dann kommt es immer auf die Sommer- und Wintermonate an. Es geht bergab. Und man hat nachfolgenden Verkehr, der nicht gleich in die Stoßstange fahren soll. Da ist es in gewisser Weise verständlich, wenn man bergab nicht sofort auf 50 km / h ist.

Glauben Sie, dass die genaue ­Geschwindigkeitsanzeige mehr Wirkung als das ­Gesicht erzielen würde?
Ich könnte mir vorstellen, dass die Zahl mehr bringt. Das Smiley ist prinzipiell eine Animation, freundlich mit dem Autofahrer ohne Druck umzugehen. Die Frage ist, ob ohne Druck reicht, wenn 37 Prozent der Autofahrer die vorgeschriebene Geschwindkeit fahren und 63 Prozent zu schnell? Ich glaube, ein bisschen mehr Druck wäre da vonnöten, um die Zahl wenigstens umzukehren.

Schaffen Sie es, dass das Display auch durchgehend leuchtet? Das ist nicht immer und überall der Fall.
Es passiert mal, dass es im Stromsparmodus steckengeblieben und einen halben Tag nicht aufgeladen ist. Aber das ist höchst selten.

Wie schätzen Sie Aufwand gegenüber Nutzen ein?
Nutzen ist sehr hoch und Aufwand hält sich in Grenzen. Es wäre natürlich sinnvoll, dort eine Solarzelle anzubringen, die das regelmäßig auflädt. Weil man einen Kommunalmitarbeiter braucht, der das Gerät abbaut, herbringt, auflädt, zurückbringt, anschließt. Und diesen Mit­arbeiter braucht man in der Kommune mehr für andere Dinge als für diese Arbeiten.

Würde es auch ohne Smiley gehen?
Ich würde eher gern ein zweites Display für die Einfahrt aus Richtung Kannawurf haben. Weil dort eine schnurgerade Straße direkt in den Ort führt und dazu verleitet, wahnsinnig schnell zu fahren. Entweder muss man die Polizeipräsenz erhöhen oder solche Warnmöglichkeiten nutzen.

Wird gleichzeitig geblitzt, um die Autofahrer abzuschrecken?
Das weiß ich nicht. Manchmal. Zu wenig, finde ich. In der Ortslage ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Fußgängern gering. Und weil noch nichts passiert ist, kann auch nichts passieren. Baulich kann man auch nichts verändern. Wenn die Leute weiter gut aufpassen, bleibt das auch so. So ist es natürlich schwierig für uns, die Bevölkerung zu beruhigen.

Also gab es keine andere Lösung als das Dialogdisplay?
Wir versuchen schon seit Jahren eine andere Straßenüberquerung zu realisieren, was aber mit der Bundesstraße nicht vereinbar ist. Das Verkehrsaufkommen reicht angeblich nicht aus.

Wir waren die Resonanzen der Bürger?
Die Kindelbrücker Einwohner waren erfreut und man sieht auch, dass das Display respektiert wird von den Autofahrern.

Und wenn Sie in Ihren Heimatort hineinfahren: Haben Sie schon die Mundwinkel nach unten erlebt?
Nein. Ich habe meine Kinder im Auto. Für sie muss das Smi­ley wirklich lachen, sonst werden sie sauer, selbst wenn es nur den geraden Strich zeigt.


Wettbewerb

• Begleitet wird die Aktion der Dialogdisplays von der Kampagne „Heute schon gelächelt“. Noch bis zum 13. September sind die Thüringer aufgerufen, Fotos von ihrem schönsten Lächeln einzusenden.
• Und so funktioniert die Teilnahme am Wettbewerb: Entweder über www.meinanzeiger.de/laecheln direkt ein Foto hochladen. Oder per E-Mail an presse@tmil.thueringen.de senden.




Wie Kindelbrück gehörte auch Sömmerda 2013 zu den 44 Kommunen, die 2013 insgesamt 52 Förderbescheide für Dialogdisplays erhalten. Kommunen mit einer eigenen Straßenverkehrsbehörde wie Sömmerda können immer zwei Displays beantragen.

So wurden in der Kreisstadt auch zwei Geräte in Betrieb genommen. Nachgefragt bei Ullrich Mittelbach, Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes der Stadt Sömmerda.

Wo hängen beziehungsweise stehen die Displays?
Eines der Displays befindet sich in der Fichestraße in Höhe des Gymnasiums in einer Zone mit 30 km/h als zulässiger Höchstgeschwindigkeit. Ein weiteres ist am Stadtring angebracht. In dem Bereich beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 50 km/h.

Gibt es dazu eine Statistik?
Die Auswertung etwa für den Monat Juni 2015 hat ergeben, dass am Stadtring 26 Prozent der Autofahrer, die die Zone mit dem Display passiert haben, zu schnell unterwegs waren. Die Zeit der Geschwindigkeitsüberschreitung liegt vor allem in den Nachtstunden. Die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit von Verkehrsteilnehmern am Stadtring lag bei 52 km/h.
In der Fichtestraße in der Zone mit zulässiger Höchstgeschwindkeit 30 km/h waren im Monat Juni 15 Prozent der Autofahrer zu schnell unterwegs. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 34 km/h.

Wird seit Einführung der Displays analysiert, ob das Smiley mehr und mehr Wirkung zeigt?
Über den bisherigen Zeitraum der Messung beziehungsweise das Anzeigen durch die Displays kann für die zwei Bereiche in Sömmerda festgestellt werden, dass die Displays Wirkung zeigen.



2014 erhielten 50 Kommunen insgesamt 52 Dialogdisplays.

Zu den Orten zählt auch Oldisleben. Hier steht das Display jetzt vor der Gemeinschaftsschule und die Autofahrer dürfen nur mit 30 km/h vorbeifahren. Der OIdislebener Bürgermeister Joachim Pötzschke spricht von einem positivem Einfluss des Smileys. "Ich habe das Gefühl, dass das Display Wirkung zeigt. Ich komme mehrmals am Tag daran vorbei - ob selbst mit dem Auto oder zu Fuß - und kann sagen, dass die Autos definitiv langsamer fahren. Auch wenn ich die genauen Zahlen nicht kenne."





Und wie finden Sie die Smileys am Straßenrand? Halten Sie sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit, damit Sie angelächelt werden? Hilft das Display den Verkehr abzubremsen?
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