Immense Schäden in der Landwirtschaft durch langen Winter, Flut und Hitze

Die Unstrut, hier zwischen Wiehe und Roßleben, hat die Felder entlang des Flussbettes überflutet.
 
Überschwemmung im Landkreis Sömmerda.
 
Überschwemmtes Feld in der Nähe von Gebesee.
Erst der lange Winter, dann starke Regenfälle. Und nun die Hitze, welche Auswirkungen das auf die Landwirtschaft hat, erklärt den Lesern des Allgemeinen Anzeigers Martin Hirschmann vom Thüringer Bauernverband. Das Interview führte AA-Redakteur Axel Heyder.


Die Wetterkapriolen spielen für die Landwirtschaft sicher eine große Rolle....
Als Branche, die unter freiem Himmel wirtschaftet, ist die Landwirtschaft mehr als jede andere Gruppe in erheblichem Maße von Wetterschwankungen und Wetterextremen betroffen. Nahezu jede Veränderung lässt sich direkt in der Vegetation, im Wachstum oder dem Ertrag der Kulturen nachvollziehen. Das wiederum hat direkt Einfluss auf die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse und die finanziellen Erträge.


In welcher Form hat sich der lange Winter ausgewirkt?
Der lange Winter 2012/13 hat sich weniger in direkten sogenannten Auswinterungsschäden (Schneedecke schützt die Pflanzen vor Frostschäden, ohne sie und bei starken Frost kann es sonst zu Schäden an Pflanzen kommen) gezeigt, wie das z.B. im Winter 2011/12 der Fall war, sondern vorrangig in einem wochenlangen Entwicklungsstopp aller Kulturen. Das konnte auch jeder Landwirtschaftsfremde an den Bäumen und Sträuchern seiner Umgebung sehen. Diese Verzögerung führt zu einem späteren Wachstum, einer späteren Blüte, einem späteren Kornansatz / Kornfüllphase und zu einer verzögerten Ernte.


Unmittelbar danach wurden durch die heftigen Regenfälle Felder überflutet. Welche Schäden hat das angerichtet?
Die heftigen Regenfälle der Monate Mai und Juni haben unter anderem die flussnahen Flächen beeinträchtigt. Es kam dabei zu regional sehr starken Überflutungen von Ackerflächen, wie auch von Grünland (die der Futtergewinnung für die Tierhaltung dienen). Aber auch viele flussferne Böden, waren durch die langanhaltenden Regenfällen und Starkregenereignissen von bis zu 70mm/h in ihrer Speicherfähigkeit erschöpft. Hinzu kamen Schäden durch Staunässe und direkte Folgen des Starkregens. Viele Flächen waren wochenlang nicht zu betreten bzw. zu bewirtschaften. Allerdings gab es in Teilen Thüringens und auch in anderen Bundesländern noch wesentlich massivere Schäden als im Raum Sömmerda, auch wenn die Schäden in den betroffen Regionen Mittelthüringens nicht unerheblich sind.

Insbesondere die Futterernte im Grünland, die üblicherweise im Mai stattfindet, wurde durch Überschwemmungen, Staunässe und die Tatsache, dass viele Flächen so feucht waren, dass keine Bewirtschaftung möglich war, erheblich beeinträchtigt. Dazu kamen Verunreinigungen durch vom Wasser mitgeführten Schlamm und Unrat. Viele Ackerbaukulturen hatten mit feuchtigkeitsbedingten Krankheiten / Auswirkungen wie Schimmelbildung, Fäulnis, Pilzbefall zu kämpfen, was auch wiederum zu Ertragseinschränkungen führen wird.


Wir schieben noch immer eine Verzögerung von mindestens 2 bis 3 Wochen zum durchschnittlichen Zyklus vor uns her. Diese Wachstumshemmnisse werden in der Ernte und den Erträgen sichtbar werden, auch wenn eine exakte Abschätzung der Auswirkungen nicht möglich ist. Hier wird erst die eingebrachte Ernte Klarheit bringen. Besonders in den Maisbeständen kann man stellenweise das geringere und verzögerte Wachstum deutlich sehen


Dem Regen folgte die Hitze, hat auch sie Schäden angerichtet?
Bisher hat die Hitzephase noch wenige Auswirkungen gehabt, allerdings entwickelt sich jetzt die Trockenheit paradoxerweise trotz des vielen Regens im Mai, zum Problem. Denn durch das Überangebot an Wasser im Mai / Juni haben viele Pflanzen kaum tiefgehende Wurzeln gebildet. Und nun, wo die oberen Bodenschichten durch die Hitze austrocknen, können die Wurzeln die tiefer liegenden Wasserschichten nur schwer erreichen. Hier besteht die Gefahr von Vortrocknungen und anderen Trockenschäden.


Welche Gegenden in den LK Sömmerda waren besonders von den Unwettern betroffen?
Die heftigen Regenfälle der Monate Mai / Juni haben im Raum Sömmerda insbesondere die flussnahen Gebiete der Gera, Lossa und Gramme betroffen (Andisleben/Ringleben/Gebesee, Elxleben, Straußfurt, Frohndorf). Hier kam es zu teils großflächigen Überflutungen. Allein im Gebiet der Geratal Agrar GmbH von ca. 750 Hektar (Schäden von etwa 1. Million Euro durch Ernteausfälle).


Profitieren auch die Bauern von den Hilfen aus den Fonds für Flutgeschädigte, oder stehen sie alleine damit da?
Wie andere Flutgeschädigte haben und werden sicher auch die betroffenen Landwirte die angebotenen Hilfen aus dem Fond für Flutgeschädigte und der Soforthilferichtlinie Land- und Forstwirtschaft 2013 des Freistaates Thüringen nutzen, um ihre Schäden zumindest teilweise auszugleichen. Dennoch werden diese Hilfen, wie auch bei anderen Geschädigten, sicher nicht ausreichen, um alle Auswirkungen der Überschwemmungen, Staunässe oder Starkregenfälle zu kompensieren. Hier kommen auf die Landwirtschaftsbetriebe finanzielle Belastungen zu, die zu geringeren Unternehmenserträgen, geringeren Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinden und geringere Investitionen führen werden. Dennoch ist die Thüringer Landwirtschaft dankbar für die Unterstützung durch das Land, die insbesondere für die am stärksten Betroffenen eine Verringerung ihrer Lasten und Sorgen bedeutet.


Sind durch die Schäden Missernten zu erwarten?
Waren besondere Gemüse/Getreide besonders betroffen? Gibt es Engpässe?
Bei einige Kulturen wie Mais und Raps aber auch Getreide zu Ertragsverlusten kommen. Eine genaue Einschätzung wie stark die Verluste sein werden, ob/wie es Engpässe geben wird oder eine Bewertung der Ernte 2013 als „Missernte“ 2013 sind jedoch noch verfrüht. Hier wird erst der Herbst genauere Ergebnisse bringen.


Welche Auswirkungen auf die Verbraucherpreise sind zu erwarten? Besonders der Preis für Kartoffeln ist ja derzeit schon sehr hoch.
Auch hier ist eine Bewertung derzeit noch nicht möglich, da die Preisentwicklung zur Ernte noch nicht vorhersehbar ist. Zudem werden die Verbraucherpreise zu einem hohen Anteil durch andere Kosten z.B. Strompreise, Margen der Lebensmittelindustrie und des Handels, Weltmarktentwicklungen & Spekulationen als durch die landwirtschaftlichen Rohstoffpreise getragen. Der Anteil des Getreides an einem Brötchen macht lediglich 2 bis 4 Prozent aus. Selbst eine Verringerung der Gesamtgetreidemenge um die Hälfte, die nicht zu erwarten ist, dürfte nur marginale Auswirkungen auf den Verbraucherpreis haben.
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