In den falschen Spiegel geschaut: Zehnjähriger Junge beim Rodeln unter Lkw gerutscht

Bad Langensalza: Amtsgericht | Ein 49 Jahre alter Lkw-Fahrer ist vom Amtsgericht in Bad Langensalza wegen fahrlässiger Tötung zu 1.800 Euro Strafe verurteilt worden. Der Angeklagte hatte im Januar 2011 in Bothenheiligen beim Rückwärtseinparken eine zehnjährigen Jungen überfahren, der beim Rodeln unter seinen Lkw gerutscht war. Der Junge war auf dem Hosenboden einen vereisten Hang am Ortseingang heruntergerutscht. Der Lkw-Fahrer wollte sein Fahrzeug hinstellen und übersah das Kind. Als er sein Fahrzeug eingeparkt hatte und er ausstieg, sah er den leblosen Jungen unterm Fahrzeug am Boden liegen. Der Zehnjährige zog sich so schwere Verletzungen zu, dass er kurze Zeit später im Hufeland-Krankenhaus verstarb.

Neun Monate später wurde das tragische Unglück vor dem Amtsgericht in Bad Langensalza strafrechtlich aufgearbeitet. Einem 50-Jährigen wurde nach Gerichtsangaben eine Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen. Die Mutter des getöteten Jungen war als Nebenklägerin im Prozess vertreten. Der Junge war das einzige gemeinsame Kind der Eheleute. Die Frau war recht schnell zur Unfallstelle geeilt und hatte hilflos zuschauen müssen. Die Familie des Opfers wohnt keine 300 Meter von der Unfallstelle, wo mittlerweile ein Kreuz an das Schicksal des Jungen erinnert. Auch der Angeklagte lebt weiterhin in Bothenheilingen, kommt nach eigenen Angaben täglich an der Unfallstelle vorbei. Im Prozess wurden Sorgfaltspflichtverletzungen „im unteren Bereich“ festgestellt, die allerdings schlimme Folgen hatten.

Der Fahrer erlag in jenen Minuten einem fatalen Irrtum. Er war davon ausgegangen, dass der Junge ihn gesehen hatte. Und seine Gewohnheiten beim regelmäßigen Einparken in den Feldweg kannte. Er habe Blickkontakt gehabt, sagte er in der Beweisaufnahme. Anstatt das Kind wegzuschicken oder sich einen Einweiser zu besorgen, manövrierte er sein Fahrzeug allein an die gewohnte Stelle an einer Seitenstraße. Während dieses Rückwärtsfahrens hatte der Angeklagte wohl in den falschen Spiegel geschaut. Weil er sich auf eine Gehwegkante konzentrierte, schaute er nur rechts in den Spiegel und vernachlässigte die linke Seite. So übersah er den Jungen, der nicht auf dem Hügel stehen geblieben sondern heruntergerutscht war. Die Tochter des Angeklagten soll den Jungen noch gewarnt haben. Sie wurde im Prozess aber nicht gehört. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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