Sehenswertes Sömmerda: 20 Jahre Sanierungsgebiet Altstadt

Die ehemalige Schmiede (hier der Innenhof) in der Altstadt stand lange Zeit leer bevor sie mit ihren charakteristischen Merkmalen grundlegend saniert wurde.
 
Simone Hold, verantwortliche für die Vergabe der Städtebaufördermittel, lobte die Leistungen Sömmerdas hinsichtlich der Stadtsanierung und versprach die Stadt auch zukünftig zu unterstützen.
 
Die Gäste der Jubiläumsveranstaltung besichtigten einige Objekte im Rahmen der Stadtsanierung. Dr. Burlein (3.v.r.) erläuterte.
Von Manuela Deutschland und Sandra Rosenkranz

"20 Jahre Altstadtsanierung, ich denke das ist eine Erfolgsgeschichte, die man nicht hoch genug bewerten kann", begrüßte Sömmerdas Bürgermeister Wolfgang Flögel die Gäste zur Festveranstaltung. Neben den Grundlagen für das gelungene Projekt und die Notwendigkeit es stetig auch in den kommenden Jahren fortzuführen, bedauerte er das gescheiterte Vorhaben der Museumserweiterung auf Grund einer knappen Mehrheitsentscheidung im Stadtrat.

Trotz dieses Schandfleckes, der neben anderen vorerst bestehen bleibt, kann sich das sanierte Stadtzentrum sehen lassen. Marktplatz, Kronbiegelplatz, Dreyse-Haus, Erfurter Tor, Feuerwehr und Volkshaus sind nur einige der vollendeten Maßnahmen. Die privaten Sanierungsmaßnahmen im Projekt belasteten die Töpfe der Stadt dagegen weniger. Mit beeindruckenden Bildern verdeutlichte beispielsweise der private Bauherr Matthias Huke den Gästen den Umfang der Arbeiten. "Das Fazit unserer Erfahrungen war, die Sanierung war problematisch", so Huke, der aus einem leerstehenden Haus ein Schmuckstück werden ließ.

Zu den privaten Bauherren gehören neben den einzelnen Bürgern unter anderem auch die Kirchgemeinden, die Stiftung Finneck sowie die Wohnungsgesellschaft (WGS). Letztere tritt maßgeblich als Bauherr im Bürgergarten auf. In moderner Form wurden hier im Zuge der kompletten Neuordnung die engen Gassen sowie die kleinen Innenhöfe auf den Städtebau der vergangenen Jahrhunderte abgestimmt. Weil sich kaum Privatpersonen interessierten, wurde die WGS aktiv.

Dr. Frank Burlein von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft, die an der Sanierung Sömmerdas mitwirkte, verdeutlichte in seiner Festrede, dass es keine alltägliche Sache sei, 20 Jahre für eine Kommune arbeiten zu dürfen. "Ich fühle mich durch die vielen Jahre eng mit dem Geschehen verbunden. Die Stadt hat frühzeitig eine Rahmenplanung aufgestellt und diese auch vertieft. Wir sind gut gerüstet mit Konzepten, Erfahrung und Entschlossenheit".

Simone Hold, verantwortliche für die Vergabe der Städtebaufördermittel, lobte: "Wenn man hier in Ihre Stadt rein fährt, dann können Sie darauf stolz sein, was Sie in den letzten 20 Jahren geleistet haben. Machen Sie weiter so und wir werden versuchen, Sie weiterhin zu unterstützen." Ohne die Mittel aus der Städtebauförderung wäre eine erfolgreiche Realisierung der Altstadtsanierung nicht möglich gewesen. Von 1991 bis 2011 konnten fast 43,5 Millionen Eure Städtebaufördermittel aus neun verschiedenen Förderkulissen von Land, Bund und EU akquiriert werden. Für die kommenden Jahre ist für Sömmerda allerdings hinsichtlich des Rückgangs der Städtebauförderung um zehn Prozent mehr denn je eine passgenaue Abrufung der Fördermittel wichtig.


Beispielhafte Projekte (Quelle: 20 Jahre Altstadtsanierung Sömmerda/Heft 12)

Objekt: Feuerwehr
Bauherr: Stadt Sömmerda
Maßnahme beendet: 2002
Die um die Jahrhundertwende gegründete Feuerwache erfüllte nicht mehr die heutigen Anforderungen an ein Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr.
Ein Funktionskonzept konnte jedoch nachweisen, dass durch Erweiterung die Unterbringung der im Feuerwehr-Leitplan geforderten Standplätze und Funktionsbereiche möglich ist. Das historische Gebäude mit Schlauchturm, Vereinsund Ruheräumen konnte also weiter mitgenutzt werden.
In dem ehemals vorhandenen kleinen seitlichen Anbau wurde durch Erweiterung und Teilneubau die Jugendfeuerwehr untergebracht.


Objekt: Salzmannhaus
Bauherr: Stadt Sömmerda
Maßnahme beendet: 2010
Das Geburtshaus des Christian Gotthilf Salzmann und ehemalige Wohnhaus der Familie wurde noch lange nach Erwerb durch die Stadt weiter vermietet. Nach einer groben Bestandsaufnahme wurde klar, dass sich das Gebäude und seine komplette Baukonstruktion in einem sehr schlechten Zustand befinden. Die zwei Wohnungen wurden geräumt und mit der Sanierung des Gebäudes und Errichtung eines neuen Dachstuhls nach Vorbild des Originals begonnen.
Heute beherbergt das Gebäude, das die Häuserzeile am nördlichen Marktplatz abschließt, neben zwei Maisonettewohnungen auch Gedenkräume zu Ehren des berühmten evangelischen Pfarrers, Pädagogen und Aufklärer, der 1784 die philanthropische Erziehungsanstalt Schnepfenthal bei Gotha gegründet hatte.


Objekt: Musikschule
Bauherr: Stadt Sömmerda
Maßnahme beendet: 2002
Die Musikschule der Stadt Sömmerda war bis zur Sanierung in den drei ehemaligen, getrennt voneinander errichteten Schulbauten des 19. Jahrhundert untergebracht. Neben der räumlichen Trennung der Gebäude waren die Raumhöhen in den um 1930 aufgestockten Anbauten sowie die gesamte Baukonstruktion unbefriedigend. Fehlende Proberäume, Räume für Veranstaltungen und ein Musiksaal für die Aufführungen der Schüler fehlten ebenso, wie eine ausreichende Zahl an Neben-, Funktions- und Abstellräumen.
Im Zuge der Sanierung wurden die drei Hauptgebäude durch Ergänzung eines neuen Erschließungsbauwerks miteinander verbunden. Zwei neue Treppenhäuser mit Aufzug, Abstellräumen und Sanitärbereiche wurden darin untergebracht. Die Anbauten der ehemaligen straßenseitigen Gebäude wurden erneuert und die Dachrichtung gedreht, um zusätzlichen Nutzraum in den Dachgeschossen zu schaffen. So konnten neben den Schulungsräumen auch die erforderlichen Verwaltungsräume in den straßenseitigen Gebäuden untergebracht werden. Im Hauptgebäude befinden sich nunmehr der Musiksaal, Schulungsräume und die zweite, behindertengerechte Erschließung.


Objekt: Erfurter Tor
Bauherr: Stadt Sömmerda
Maßnahme beendet: 2000
Das Erfurter Tor ist eines der Wahrzeichen von Sömmerda. Das stattliche Torhaus mit seinem barocken „Zwiebelturm" wies erhebliche Schäden an Dachstuhl und Eindeckung auf. Durch Nagelfäule und eindringendes Wasser waren die Sparren zerstört; die vielfach vorgenommenen, eher provisorischen Umbauarbeiten mit unterdimensionierten Hölzern hatten dem Dachstuhl schwer geschadet.
Im Zuge der Maßnahme wurde die Dacheindeckung entfernt, der Dachstuhl Instand gesetzt, anschließend neu verschalt und wieder mit Naturschiefer eingedeckt.
Die vergoldete Turmhaube war so stark beschädigt, dass eine Erneuerung erforderlich war. Nach Fertigstellung des Daches erfolgte die Sanierung der massiven Natursteinaußenwände und der Fundamente.
Irn vorerst letzten Bauabschnitt wurde das Gebäude durch einen Funktionsanbau mit Foyer, Treppenhaus Küchen- und Sanitärräumen erweitert, so dass es nun in Kombination mit dem historischen Teil als Ausstellungsgebäude und Raum für allgemeine Veranstaltungen nutzbar ist.


Bauherr: Funk
Anschrift: Querstraße 7
Maßnahme beendet: 10.05.2011
Die ehemalige Schmiede stand lange Zeit leer, bevor sie unter Beibehaltung der charakteristischen Merkmale und Gebäudeteile einer Schmiede ausgebaut wurde. Unter Beibehaltung des Torhauses und Erweiterung der bereits bestehenden Wohnflächen wurde das Gebäude sowie die historischen Außenanlagen grundlegend saniert.


Bauherr: Huke
Anschrift: Thälmannstraße 54
Maßnahme beendet: 14.02.2003
Das leerstehende Wohnhaus mit deutlich erkennbaren baulichen Veränderungen in der Fassadenkonstruktion wurde entsprechend seiner Entstehungszeit rekonstruiert und in traditioneller Bautechnik mit ökologischen Materialien saniert. Es besteht aus Wohnhaus, Anbau und Scheune. Neuere Hallengebäuden wurden entfernt, alle Gebäude modernisiert und die Außenanlagen und Gartenflächen wieder hergestellt.


Bauherr: Evangelische Freikirche
Anschrift: Thälmannstraße 65
Maßnahme beendet: 13.07.2011
Der ursprüngliche Bauernhof wurde in den 60er Jahren von der evangelischen Baptistengemeinde erworben. Im Blockinnenbereich entstand ein Gemeindezentrum. Diverse leer stehende Nebengebäude wurden im Zuge der Blockneuordnung abgebrochen, so dass die erforderliche Erweiterung um gemeinschaftliche Funktionsbereiche sowie die Außenanlagen realisiert werden konnten.
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