Baumstark - Mit Wolfgang Sauerbier im Kyffhäuserwald unterwegs

Wolfgang Sauerbier neben der über 200 Jahre alten Eiche am Ruheplatz.
 
Liebeserklärungen
Im Kyffhäuserwald erzählen die alten Bäume Geschichten. Und am besten kennt sich Wolfgang Sauerbier damit aus. Für den ehemaligen Leiter der Naturschutzbehörde des Kreises ist ein Baum nicht einfach ein Baum. Er sieht ihn mit anderen Augen und liest an seinem Äußeren ab, was der Baum bisher erlebt hat. Deshalb habe ich mich mit ihm auf einen besonderen Spaziergang durch den Kyffhäuserwald begeben. Was die Bäume erzählen, hat er für mich übersetzt.

Zunächst starten wir Richtung Naturparkstation. Der Weg führt durch eine Roßkastanienallee mit 110 Exemplaren, die 1921 angelegt wurde. Sie wirken auf mich klein, aber robust. Ein recht verschnörkelter Baum fällt mir auf, worauf Wolfgang Sauerbier erklärt: "Dieser Baum hat sich einfach witterungsbedingt gedreht." Also auch Bäume suchen sich die beste Seite aus.

Insbesondere die Kyffhäuserregion ist das größte Verbreitungsgebiet der Rotbuche. "Deutschland hat sich sogar gegenüber der Europäischen Union zum Erhalt der Baumart verpflichtet", weiß der Baumexperte und letzte ehrenamtliche Kreisnaturschutzbeauftragte. Unübersehbar auch für mich die Anzahl der Buchen. Aber Elsbeeren, Ahorn und Linden - letztere auf dem Galgenberg, der ehemaligen Hinrichtungsstätte - fehlen nicht.

Eine der seltensten Baumarten hat im Kyffhäuserwald sein nördlichstes Verbeitungsgebiet: der Speierling. Leider muss ich zugeben, dass ich diesen Baum nicht kannte. An der Ortsverbindung vom Kyffhäuser zur Barbarossahöhle steht mit 150 Jahren und etwa 30 Metern der größte Speierling - und der erste für mich. Die stattliche Größe und das Alter erreichte er durch den solitären Standort. "Er ist keiner Konkurrenz ausgesetzt und kann ungestört wachsen", erklärt der Naturschutzexperte. Der Speierling sei bereits vor der Eiszeit in unserer Region heimisch gewesen.

Unweit entfernt am Ruheplatz steht eine 200 bis 250 Jahre alte Eiche. Sie ist als Naturdenkmal ausgewiesen. (Insgesamt gibt es hier 188 Baumdenkmale.) "Aufgrund ihres Standortes, war sie möglicherweise auch ein Grenzbaum zwischen Rottleben und Steinthaleben", vermutet Wolfgang Sauerbier. Zu den Grenzmarkierungsbäumen zählt auf jeden Fall die so genannte Bettelmannseiche zwischen Badra und Steinthaleben. Sie wird so genannt, weil in der Nähe des 650 Jahre alten Baumes einmal ein Friedhof war, auf dem die Bettler beerdigt wurden. Sie durften nicht auf die örtlichen Friedhöfe. Wir fahren von Badra nach Steinthaleben und imposant ragt die Eiche auf einer kleinen Anhöhe hervor.

Zu den Bäumen, die zu bestimmten Anlässen gepflanzt wurden, zählen auch die zwei Kaiserlinden in Günserode anlässlich der Krönung 1871. Und zur Eröffnung des Kyffhäuserdenkmals 1896 wurde ein Starklinde gepflanzt.

Unterhalb der Reichsburg am Kyffhäuser zeigt er mir wie die Bäume sich an die Hanglage anpassen. Sie bilden robuste Stützwurzeln, während die anderen Wurzeln sich im Berg verankern. Die Eichen dort sind 180 Jahre, die man ihnen keinesfalls ansieht, denn sie haben lediglich einen Stammdurchmesser von etwa 30 bis maximal 50 Zentimeter. Die Bäume wachsen im Grunde auf einer geringen Lössdecke, die nur wenig Nahrung bietet.


Vortragstermin: "Was Bäume erzählen" mit Wolfgang Sauerbier am 17. April im Regionalmuseum Bad Frankenhausen.
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2 Kommentare
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 23.01.2012 | 09:03  
1.851
Manuela Deutschland aus Sömmerda | 24.01.2012 | 16:39  
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