Wald verpflichtet

Christoph Hempel zeigt einen Grenzstein.
  „Ich besitze ein Waldstück?“ Eine Frage, die Ralph Kiesewalter nicht unbedingt selten hört. Er arbeitet bei der Privatwaldförderung Thüringen, einem PPP Modell, das 2006 startete. Es ist eine Initiative von Thüringen Forst und der Holzindustrie, deren Partner die Sachkosten auch zu 100 Prozent übernehmen.


Grund für das Projekt ist, dass der kleinteilige Privatbesitz der Wälder in Thüringen noch nicht flächendeckend bewirtschaftet wird. Dort stecken Reserven, die phasenweise Engpässe in der Rohstoffversorgung ausgleichen können. Zudem ist ein gesunder und stabiler Wald das Ziel, der die Artenvielfalt fördert. Daher werden insbesondere passive Waldbesitzer angesprochen.


Die Region der Hohen Schrecke um Burgwenden und Großmonra im Landkreis Sömmerda wird derzeit durch die Privatwaldförderung betreut. Christoph Hempel, studierter Förster, ist hier Ansprechpartner für die Waldbesitzer. Er berät vor Ort oft gemeinsam mit dem zuständigen Revierförster. Das Projektgebiet umfasst etwa 260 Hektar. Es handelt sich um etwa 1000 Flurstücke, die auf bis zu 300 Waldbesitzer aufgeteilt sind. Ab Herbst kommt das Gebiet Rastenberg/ Bachra hinzu mit 150 Hektar aber deutlich mehr Waldbesitzern. „In dieser Region gibt es einen relativ klein parzellierten Wald und viele Erbengemeinschaften, die die Arbeit erschweren“, weiß Ralph Kiesewalter. Konflikte bezüglich des Naturschutzgroßprojektes blieben bisher aus.

„Oft wissen die Bürger, dass sie Waldstücke besitzen. Jedoch nicht wo und wie groß und bitten um Hilfe, diese ausfindig zu machen“, erzählt Ralph Kiesewalter. Als einen möglichen Grund dafür nennt er die Enteignung zu DDR-Zeiten, mit der gleichzeitig das Nutzungsrecht abgegeben wurde. „Durch die Nutzung verändert sich der Wald, so dass Grenzen nur noch schlecht nachvollziehbar sind.“

Über die Grundbucheinträge, auf die die Privatwaldförderung als Forstverwaltung Zugriff hat, werden die Besitzer ausfindig gemacht und angeschrieben. Mit einem globalen Positionsbestimmungssystem (GPS) wird das Grundstück in seiner Fläche erfasst. Grenzsteine, die häufig noch vorhanden sind, werden gesucht und auf ihre Richtigkeit überprüft. Sollten für einzelne Flurstücke keine Klärungen herbeigeführt werden, bleiben dies ruhende Flächen. "Doch dies ist die Ausnahmeund viele Flächen werden bereits optimal bewirtschaftet“, resümiert Kiesewalter.


Nachgefragt bei Ralph Kiesewalter

• Muss ich meinen Wald bewirtschaften?
Es gibt keine Vorschriften, dass ich den Wald bewirtschaften muss. Aber man muss beispielsweise Gefahren wie Borkenkäferbefall beseitigen. Eigentum verpflichtet und das Thüringer Waldgesetz legt die nachhaltige und ordnungsgemäße Forstwirtschaft fest.

• Kann man mich enteignen?
Nein. In sehr großen Ausnahmen wird gegebenenfalls gehandelt, wenn Gefahr für die Anschlussgebiete besteht, aber nicht enteignet.

• Welchen Vorteil hat die Überprüfung für den Waldbesitzer?
Es kostet ihn nichts und er hat wieder den vollen Überblick über seine Flurstücke.

• Was ist, wenn mein Grundstück beispielsweise nur 1,5 Meter breit und 400
Meter lang ist und es sich so gar nicht bewirtschaften lässt?
Dann empfehlen wir den Waldbesitzern, sich zum Beispiel zu einer Waldgenossenschaft oder Forstbetriebsgemeinschaft zusammenzuschließen. Die gemeinsame Bewirtschaftung gleicht die Unwirtschaftlichkeit aus.

• Den meisten Bürgern fehlt das Fachwissen. Wer hilft?
Man kann beim Forstamt beraten lassen und es vertraglich einbinden, das es sich um die wichtigen Angelegenheiten kümmert.

Weitere Infos und Kontakt:
Privatwaldförderung Thüringen in Sondershausen:
Possenallee 54, Telefon 0 36 32 / 5 42 00- 05

Internet: www.privatwald.org und www. wald-wird-mobil.de
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