Amy-Patengruppe war in Indien

Die Patenreisegruppe 2011 mit ihren Kinder, den Mitarbeitern und den beiden Praktikantinnen
Vom 20.Oktober (Abreise aus Deutschland) bis zum 30.Oktober 2011 war eine 12-köpfige Patengruppe aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin in Indien.
Es war, nach der Patenreise im Februar 2010, das zweite Mal, dass über das Amy-Projekt interessierten Paten die Möglichkeit gegeben war, ihre Patenkinder – und die Region, in der sie leben, kennen zu lernen.

Nachfolgend ein paar erste Reiseeindrücke von Leandra Nürnberger. Sie hat seit einigen Jahren eine Brieffreundschaft zu Priya, einem unserer ehemaligen Heimmädchen aus Pandur, die inzwischen seit 2010 auf Lehramt studiert. Beide sind inzwischen 18 Jahre alt.

„Es gibt wohl kaum ein Land das so viele Widersprüche in sich vereint.
Am Freitag, dem 21.10.2011, kommen wir als Reisegruppe in Chennai an. Schnell wird klar – Indien ist eine komplett andere Welt. Es ist als wäre man auf einem anderen Planeten, wo doch nichts der Heimat ähnelt. Wir werden von einem kleinen Bus und einem Begrüßungskomitee abgeholt und fahren durch die ca. 9 Mio. große Metropole. Während der Fahrt erkennt man, in Chennai heißt es Leben, Arbeiten und vermutlich auch Sterben auf der Straße. Das kann man auch wortwörtlich verstehen, denn der Verkehr in Indien ist unbeschreiblich. Kühe, die überall herum laufen bzw. herumstehen, dienen der Beruhigung des Verkehrs (und fungieren als „Grüne Tonne“). Die Hupe ist das wichtigste und meist gebrauchte Teil eines Autos, Motorrads, Busses,… und Regeln für den Straßenverkehr gibt es nicht, oder sie interessieren die Menschen einfach nicht.
Für sie ist etwas ganz anderes Interessant. Die Weißen in dem Reisebus, die an ihnen vorbei fahren. Ein Lächeln, ein Winken oder ein freundliches „Hallo“ welches von der Straße aus zugerufen wird. Die Klischees die Menschen hier seien sehr freundlich und der Verkehr lebensgefährlich erweisen sich nach kurzer Zeit als wahr.
Bevor wir zu unserem eigentlichen Ziel, dem „Frolich Home“ Internat für Mädchen fahren, machen wir einen Zwischenstopp im „Spencers“, einer Shoppingmal. Dort wollen wir Geld tauschen – der Kurs hier 1:68! Unglaublich, so viele Scheine hält man gern in den Händen. Danach fahren wir zum Heim, die Fahrt dauert zweieinhalb Stunden, wovon wir allein schon zwei Stunden brauchen um Chennai zu durchqueren. Im Heim angekommen werden wir von Freudenschreien und lächelnden Kindern „Willkommen“ geheißen. „Winni Uncle“ (Winfried Stelle) ist die Seele des Projektes und ist bei jedem Kind bekannt. Man weiß, dass diese Kinder aus ärmlichen Verhältnissen kommen, daher überrascht die unglaubliche Lebendigkeit und Freude, welche die Kinder fast pausenlos zu Tage legen. Die Kinder werden dem Namen „Frolich“ (von dem Namen „Frölich“) eindeutig gerecht. Wir beziehen unsere Zimmer und ich bin schnell erleichtert, zum Teil West-Style-Toiletten, manchmal fließend Wasser und Strom. Die Zimmer sind schön eingerichtet, zwei einfache Betten und ein Schrank. Dann noch schnell was Essen und ab ins Bett.
In den folgenden Tagen sehen und erleben wir mehr als andere Touristen. Da wir nicht die typischen Touristenzentren (Hotel, Strand, westl. orientierte Shoppingmal,…) besuchen, sehen wir das wahre Indien. Auf der einen Seite kann man das Leid, den Dreck und die Armut sehen. Wir lernen die Familien der Patenkinder kennen und können Fragen stellen, wodurch wir auch Hintergrundwissen erlangen. Auf der anderen Seite sehen wir glitzernde, farbenfrohe Punkte in dem Müll – die schönen „Sarees“ und „Chudidhas“ der Frauen. In dem Dreck, den Haufen von Müll findet Leben statt.
Und zwar ein Leben das in Deutschland wohl kaum möglich wäre. In Indien spielt Zeit zum Beispiel eine unbeutende Rolle. Es ist einfach nicht so wichtig pünktlich zu sein, wodurch die Gelassenheit und die Ruhe, welche die Inder ausstrahlen, leichter zu verstehen ist.
Hier vergisst man den Stress und die „Sorgen“ die man daheim hat. Sie scheinen viel zu unbedeutend, im Vergleich zu dem, was die Menschen hier beschäftigt. Und trotzdem, die Menschen hier sind lebendiger. Sie freuen sich mehr über Kleinigkeiten und wissen das Leben zu schätzen. Sie sind dankbar für die selbstverständlichsten Dinge, wie z.B. zur Schule gehen zu dürfen. Unser Projekt bietet ihnen diese und andere Möglichkeiten (z.B. Studium oder regelmäßige Mahlzeiten). Da sie nicht anders ihre Dankbarkeit ausdrücken können, zeigen sie uns diese, indem sie fleißig lernen.
Am Samstag gingen wir mit den Kindern in einen Freizeitpark. Gerade hier wird deutlich, wie sehr sich die Kinder über, für uns selbstverständliche bzw. kleine Dinge, freuen. Und ihre Freude ist ansteckend – ein unglaublicher Moment.
Mit den Kindern und den beiden Freiwilligen Charlotte und Carolin erleben wir Dinge, die uns kein Reisführer hätte zeigen können. Wir fahren Einkaufen und dürfen erleben, wie man in Indien handelt, wie man in einem Wirrwarr aus Stoff, Menschen und Lärm Kleidung kauft und wie viele Personen in eine Rikscha passen – 12!
Bei Gesprächen mit den Eltern der Patenkinder bzw. mit meiner Brieffreundin erfahren wir mehr über die Traditionen und das Leben in Indien. Auch in diesen Gesprächen wird verdeutlicht, was schon in den Tagen zuvor zu erkennen war – die indischen Frauen sind unterwürfig. Es ist erschreckend wie sie sich den Männern unterwerfen, aber auch wie sie sich uns gegenüber unterordnen. In den Dörfern, erfahren wir, ist es noch Gang und Gebe, dass die Eltern die Ehe arrangieren. Für mich einfach unvorstellbar, für die Mädchen hier normal. Sie finden es „OK“, da sie es einfach nicht anders kennen. Es ist eben alles anders in Indien.
Hier treffen Müll, Gestank, nervenaufreibender Verkehr, Leid und Dreck, auf Gelassenheit, Freundlichkeit, Lebendigkeit und Schönheit (Kleidung, Natur,…). Ein unvergessliches Erlebnis.“

Dienstag, Donnerstag und Freitag waren Ausflugstage (Pulicat und Tirumalai).
Beides sind Orte, die von ausländischen Touristen eher selten Besucht werden, aber als Touristenorte gelten. In Pulicat gibt es ein grosses Naturschutzgebiet für Seevögel. Hier kann man eine Bootstour auf dem nach dem Ort benannten See unternehmen, welcher der zweitgrösste Brachwasser-See in ganz Asien ist.
Tirumalai ist eines der grössten Hinduheiligtümer im Süden Indiens. In der Nähe liegt noch ein ehemaliger Königspalast, wo allabendlich eine Licht-Musik-Show vorgeführt wird. Es wird eine Sage aus der Geschichte des Ortes gespielt. Der 3.Ausflugstag führte uns nur nach Chennai (Kunstmuseum oder Einkauf).
Die Paten hatten dann am Samstag, dem 29.10., noch die Chance die Familien ihrer Kinder zu besuchen. Einige kamen etwas schockiert zurück, da sie sich die Armut, in der einige der Familien unserer Heimkinder leben müssen, doch nicht ganz so schlimm vorgestellt hatten.
Fazit: Allen hat die Zeit hier gefallen, aber auch alle freuen sich jetzt wieder auf Deutschland.

Gesucht werden aktuell noch Pateneltern für insgesamt 6 Mädchen.
Mehr Informationen dazu – und zur Arbeit des Patenschaftsprojektes auf unserer Internetseite www.amy.carmichel.info.ms oder direkt bei mir (Winfried Stelle): Tel.: 036374-21258 bzw. amy.carmichel@web.de .

Winfried Stelle (ehrenamtlicher Projektkoordinator Amy-Projekt)

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"Amy Carmichel" - Hilfe für Kinder in Indien
c/o Winfried Stelle, Hetzboldstr.17, 99631 Weißensee/Thür.
Internet: www.amy.carmichel.info.ms oder: www.amycarmichel.bplaced.net
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5 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 04.11.2011 | 19:56  
6.472
Mariett Demirelli aus Erfurt | 04.11.2011 | 23:05  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 05.11.2011 | 07:27  
295
Winfried Stelle aus Sömmerda | 05.11.2011 | 10:35  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 05.11.2011 | 20:50  
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