Reinhold Rosenkranz begann sein Handwerk mit 16 Jahren - Was es nicht gibt, wird hergestellt

  Sömmerda: Uhrmachermeister Rosenkranz |

So gefährlich wie bei einem Briefträger

Er ist der Herr über Tausende kleine Schächtelchen. Überall sind winzige Teile drin. Gut sortiert steht eine an der anderen in der Schublade. Und von den Fächern gibt es viele. Kleinteile, die mit bloßem Auge kaum zu unterscheiden sind. Schrauben, so klein, dass der berühmte Stecknadelkopf wie ein Gigant dagegen erscheint.

Seit er 16 Jahre alt ist, arbeitet Reinhold Rosenkranz in seinem Beruf als Uhrmacher. Und schwärmt noch immer dafür, als habe er gestern erst angefangen. „An meinem ersten Tag musste ich einen Ruhla-Wecker auseinander nehmen, da konnte man nicht viel kaputt machen“, blickt er mit einem Lächeln an den Beginn seiner Lehre zurück. Für manche Dinge, die er in den Jahren in die Hände bekam, konnte das nicht mehr gelten.“ Wertvolle Stücke waren dabei. Viele besitzen neben dem materiellen Wert auch einen ideellen für den Besitzer. Zumeist hängen Erinnerungen daran.

Dabei hätte das Leben für den heute 59-Jährigen auch anders verlaufen können, als mit einem Berufsstart bei Uhren-Mittag in der Sömmerdaer Innenstadt. „Ich wollte Malerei und Grafik studieren. Weil es aber keine Studienplätze gab, sagte man mir, ich solle ein, zwei Jahre etwas anderes machen.“ Das ist 43 Jahre her. Und weitere Jahre sollen folgen. Er hat noch immer Spaß an Reparaturen, selbst wenn Reinhold Rosenkranzzuweilen so gefährlich lebt, wie ein Briefträger. Der sympathische Sömmerdaer macht nämlich auch „Hausbesuche“, wenn es um Standuhren geht. Und man weiß nie, welches Raubtier gerade hinter dem Gartenzaun wartet. „Da könnte ich Geschichten erzählen“, sagt er schmunzelnd und wendet sich wieder seinem Arbeitsplatz zu. Dort muss er sich gerade in ein unbekanntes Werk hinein denken. Manchmal dauere allein das rund ein halbe Stunde. Denn, Uhren ticken nur äußerlich alle gleich, wenn sie Minuten, Stunden und Sekunden anzeigen. Bei den Mechaniken selbst haben sich besonders bei den alten Stücken die Konstrukteure etwas einfallen lassen. Eine Pendüle von 1820 besitzt eben keine Standardwerk. Und gerade auf solche Fälle ist der Uhrmacher spezialisiert, der 1983 die Theorie der Meisterschule in Ruhla und die Praxis in Sömmerda absolvierte. „Das bringt die Erfahrung mit sich.“ Er kann mit der Drehbank umgehen, kann schleifen, polieren, richten, ersetzen und damit weit mehr als Batterien und Armbänder wechseln, wie im Kaufhausservice. Selbst dann, wenn es manche Teile nicht mehr gibt, besteht zumindest die Hoffnung, dass Reinhold Rosenkranz eine Lösung findet.

Sogar artfremde Reparaturen hat er schon erledigt: Ein Gehäuse für einen Regulator hat er nachgebaut, ein Kaminbesteck restauriert und sogar den Tacho eines Citroen GSA wieder zu Leben erweckt. Mechaniken können ihm keine Angst machen. Eher neugierig, ob man da nicht doch was zu machen ist. Und so brennt er nach wie vor für einen Beruf, in dem er die meiste Zeit des Tages fast dem Kinn auf der Unterlage aufsetzt, weil die Teile nur mit der Pinzette zu greifen sind. Und malen kann er am Ende doch noch, am liebsten am Wochenende vor dem Mittagessen.
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