Holländer aus Leidenschaft

Schlossfestspielkulisse in Sondershausen. Hier inszeniert das Theater Nordhausen ab Freitag die Wagner-Oper "Der fliegende Holländer". (Foto: Sieland)
 
Keiner sang den Holländer so oft wie er: Kai Günther ist auch bei den Thüringer Schlossfestspielen erste Wahl.
Sondershausen: Schlosshof |

Kai Günther singt die Hauptpartie in der Wagner-Oper „Der fliegende Holländer“ und erklärt die künstlerische Herausforderung


SONDERSHAUSEN. Eine schicksalhafte Liebesgeschichte, gewaltige Chöre, volkstümliche Melodien und packende Schilderungen der Meeresgewalten machen den besonderen Reiz von Richard Wagners romantischster Oper „Der fliegende Holländer“ aus. Opernfans und Operneinsteiger sind von der beliebten Musik gleichermaßen fasziniert. Wagners populäre Oper ist wie geschaffen für Aufführungen unter freiem Himmel. Deshalb steht sie im Wagner-Jubiläumsjahr im Mittelpunkt der Thüringer Schlossfestspiele, die am Freitag um 20 Uhr im Sondershäuser Schlosshof eröffnet werden.
Redakteurin Heidrun Fischer unterhielt sich mit Kai Günther. Er singt die Titelpartie, ist ein „Holländer“ aus Leidenschaft. Denn er schlüpfte bereits in acht Inszenierungen in die schwer zu singende Rolle des Holländers.

Herr Günther, wie fanden Sie zur Musik?
Bei einer Sängerin als Mutter, einem Tonmeister als Vater und Geigenunterricht seit dem siebten Lebensjahr ist das nicht schwer. Mit Gesang im Theaterchor fing alles an, mündete aber zunächst doch in einem Designstudium. Als ich erkannte, dass es überall die gleichen Probleme gibt, ging ich ans Theater zurück. Es war mir doch vertrauter. Dort suchte ich für mich das Besondere und fand über meinen Lehrer Joseph Metternich ins Metier der Sänger. Seit 2003 arbeite ich freischaffend.
Es gab eine Anfrage. Man setzte auf meinen Erfahrungsschatz in dieser Partie, denn sie ist nicht leicht zu singen.

Worin liegt die Schwierigkeit?
In diesem Frühwerk Wagners ist bis auf die Ballade der Senta und den Prolog alles französische Oper. Sie erfordert einen Bariton, der eine sehr gute Höhe haben muss. Heute herrscht immer noch das Klischee vom bassalen Holländer. Doch der Prolog, den viele Künstler vorsingen, ist nicht die Partie. Beim Duett mit Senta und am Schluss geht es in die Höhe. Das lässt viele Sänger „verrecken“.

Könnte man den Holländer von einem Nachwuchstalent singen lassen?
Sicher. Aber der Intendant würde ein Aufbautraining zu Lasten der Zuhörer machen, mit Angstschweiß in den Zuschauerreihen sitzen und bangen: ‚Hoffentlich schafft er es.’ Den Holländer zu spielen heißt, nicht dick aufzutragen. Es ist schnell zu viel! Die Partie erfordert viel Einfühlungsvermögen. Viele Jungsänger verbrüllen sich in der Tiefe, weil sie gegen das Orchester ansingen müssen. Um das Risiko zu minimieren, sollte man die Partie mit einem erfahrenen Bariton besetzen. Bei mir wusste man, was man bekommt. Es gibt kein Risko.

Wie setzen Sie Wagners innere Zerrissenheit, die er bei einer Schiffsreise (Flucht) empfand, und in der Oper als Sehnsucht nach ewiger Treue darstellt, gesanglich um?

Wagner pendelte als Persönlichkeit mit starken Ausbrüchen zwischen Wut und Resignation. In der Oper hat der Holländer diese zwei Farben. Den Albtraum, keine Fluchtmöglichkeit aus dem immer gleichen Vorgang zu haben, empfindet er beim Landgang und der Suche nach einem Erlöser als Zynismus und sadistische Folter. Und: gibt auf. Er fügt sich in sein Schicksal der Verdammnis und ist wütend auf alle teuflischen Kräfte. Extrem aufgewühlte Musik korreliert mit dem aufbrausenden Meer und schlägt um in lyrische, resignative Momente und wage Hoffnung, ausgedrückt durch zarte, liebevolle Melodien. Sein Verzicht auf Erlösung löst sein Schicksal auf. Mein Stimmvolumen, meine sängerische und darstellerische Erfahrung machen die künstlerische Umsetzung möglich.

„Ich habe nichts in meinem Leben so oft gemacht wie den Holländer!“ Kai Günther, Sänger der Titelpartie


Wie geht es nach dem „Holländer“ weiter?
Im Winter kommt „Tiefland“, eine Oper von d’Albert, in der ich den „Sebastiano“ singe. Sie hat am 17. Januar Premiere. Und im Mai folgt Verdis „Rigoletto“, für den ich auch schon unter Vertrag bin. Das war sehr schnell unter Dach und Fach, weil ich mich vom Theater Nordhausen sehr getragen fühle. Auf beides und natürlich jetzt den „Holländer“ freue ich mich sehr!


Inhalt der Oper:
Ein Fluch verdammt den Holländer dazu, endlos auf den Weltmeeren zu fahren. Alle sieben Jahre darf er an Land, um die Liebe einer bis in den Tod getreuen Frau zu gewinnen. Diese Sage kennt auch Senta, die davon träumt, den Holländer zu retten. Als sich Senta und der Holländer zum ersten Mal begegnen, scheint seine Erlösung nahe. Doch Erik, Sentas Jugendliebe, fordert früher geschworene Treue ein. Enttäuscht kehrt der Holländer an Bord zurück. Wird Senta ihm folgen? Kann es eine Erlösung geben?

Aufführungen:
Premiere: 28. Juni, 20 Uhr (eventuell Restkarten)
Vorstellungen:
29. Juni, 20 Uhr
5. + 6. Juli, 20 Uhr;
7. Juli, 18 Uhr
12.+13. Juli, 20 Uhr
14. Juli 18 Uhr
19. + 20. Juli, 20 Uhr

Am 7. und 14. Juli verkehrt ein Pendelbus zwischen Nordhausen und Sondershausen. Treffpunkt ist um 16.30 Uhr am Theater Nordhausen, Käthe-Kollwitz-Straße.

Karten und Infos an der Theaterkasse, 03631-983452.

Alle Infos unter: www.schlossfestspiele-sondershausen.de
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