Ordentlich Druck auf dem Kessel

Gespielt wird der Dudelsack nicht mit dem Mund, sondern mit dem Arm. Wolfgang Menzel macht es vor.
  Sondershausen: Pipes & Drums |

Mit Dudelsack und Trommel: Die Sondershäuser „Pipes & Drums“ pfeifen seit 15 Jahren die gute Laune herbei

Gibt es ein typisch schottisches Geräusch? Unbedingt. Doch nicht immer, wenn ein Dudelsack dröhnt, sind die Highlands nah. Manchmal sind es auch die Sondershäuser Musiker von „Pipes. Seit 15 Jahren musizieren die Herren in ihrer Freizeit mit ­Sackpfeifen und Trommeln. Am 22. Mai geben sie im Rahmen des Musikstadtprojektes „Wir sind Musik“ ab 17 Uhr eine Hörprobe in der Galerie am Schlossberg.

Wie brint man einen Dudelsack zum Dudeln?
Mit dicken Backen und viel Gefühl. Wolfgang Menzel macht es vor. „Es muss immer genug Druck auf dem Kessel sein, damit die Drohnen auf der Schulter brummen und Luft durch die Spielflöte pfeift.“ Ansonsten erklingt nur ein klägliches Jaulen. Lediglich neun Töne lassen sich mit der Bagpipe erzeugen. „Darum ähneln sich die Melodien doch sehr.“

Wird im Kilt auch mal gerockt?
„Unser erster Auftritt 1999 war tatsächlich bei einem Rockkonzert.“ Ralf Karstädt lacht bei dieser Erinnerung. Zwischen Hardrock und Heavy-Metal erklangen auf der Wiese in Berka plötzlich Pipes und Drums. „Zwei, drei Stücke, aber die Massen haben getobt.“ In ihren Konzerten spielen die Musiker heute auch schottische und irische Folklore mit Banjo, Whistle, Gitarre und Akkordeon. „Mull of Kintyre“, „The Hundred Pipers“, „Highland Cathredal“ – die Mischung macht‘s.

Gibt es trotz dicker Woll­socken kalte Füße?
Nie und nimmer. Ralf Karstädt versichert: „Wir haben schon bei minus drei Grad vorm Brandenburger Tor »God Save The Queen« gespielt, ohne zu frieren.“ Denn Socken und Kilt bestehen aus reiner Schurwolle. 7,5 Meter edler Wollstoff werden für einen Faltenrock vernäht. „Das wärmt ungemein.“ Zumal die Kilts Original-Modelle aus Schottland sind. Gewebt mit dem rot-grünen Royal-­Stewart-Karo, wie es manchmal sogar Queen Elisabeth II. trägt.

Das Quartett ist also ganz und gar nicht klein­kariert?

„Nun ja, wenn es um die Musik geht, sind wir schon übergenau, vielleicht sogar pingelig“, gesteht Theo Weiß. Die Gruppe hat sich einen Ruf erarbeitet, bereits mit großen Orchestern gespielt. „Wenn man von Profis wie dem Generalmusikdirektor des Loh­orchesters Masuda Anerkennung erhält, ist das eine starke Motivation“, sagt Weiß.

Darf es neben der Musik auch mal ein Whisky aus Schottland sein?

„Sehr gern“, sagt Wolfgang Menzel für alle. „Am liebsten ein Whisky von der Insel Islay, da sind wir uns einig. Der »Laphroaig« ist unsere Hausmarke geworden. Er hat das raue Klima förmlich eingefangen, schmeckt nach Torf, Seetang und Meersalz.“ Na dann, zum Wohl! Aber bitte mit gälischem Trinkspruch.

Jetzt wäre nur noch eins zu klären: Was ist denn nun unterm Schottenrock?
Die Frage kennen die Herren nur zu gut. „Egal, wo wir auftreten: Es dauert keine fünf Minuten, dann platzt sie aus den Damen heraus“, berichtet Benno Busch amüsiert. Einmal wollten Frauen sogar einen Spiegel auf die Bühne legen. Vergebens. Das Geheimnis wird gehütet. Auch weiterhin.

Termin:
Im Rahmen des Sondershäuser Musikstadtprojektes „Wir sind Musik“ sind die „Pipes & Drums“ in einer öffentlichen Schau- und Hörprobe zu erleben – am Donnerstag, 22. Mai, von 17 bis 18 Uhr im Musikraum (Obergeschoss) in der Galerie am Schlossberg in Sondershausen.

Weitere Auftritte
• 31. Mai: Salomonsborn
• 5. Juli: Udersleben
• 17. August: Feier zum 15-jährigen Bestehen in der Orangerie in Bendeleben
• 19. September: Leubingen

Infos: www.dudelsack-band.de
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3 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 21.05.2014 | 22:06  
Axel Heyder aus Erfurt | 23.05.2014 | 12:48  
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Hannelore Grünler aus Artern | 25.05.2014 | 12:43  
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