Spurensuche: Schicksal jüdischer Notare während der Zeit des Nationalsozialismus

Mehr als zwei Jahre lang haben sich der Historiker Heiko Ziemer und der angehende Jurist Sebastian C. Dewaldt mit dem NS-Unrecht und insbesondere dem Schicksal jüdischer Notare und Konsulenten im ehemaligen Oberlandesgerichtsbezirk Jena auseinandergesetzt. Auf ihrer Spurensuche haben sie zahlreiche Akten im Thüringer Hauptstaatsarchiv gesichtet und jüdische Friedhöfe besucht. In ihrer im vergangenen Jahr erschienen Publikation betrachten sie die Arisierungsbestrebungen der Nationalsozialisten, Gesetze und Einzelschicksale. Die schrittweise Verdrängung aus dem öffentlichen Leben - die im Berufsverbot gipfelte - wir dabei an der Entwicklung der Geschäftszahlen der Notare festgemacht.

Bestürzend sind die Worte des Sondershäuser Notars Kurt Boer in seinem Abschiedsbrief, der nach dem Berufsverbot und den immer weiter wachsenden Repressalien von sich dauernd steigernden seelischen Aufregungen schreibt, die ihm "das Dasein zur Qual machen." Er ging schließlich den "Weg . . . , der mich von allen Nöten befreit". Nicht besser erging es dem Jenaer Notar Walter Ledermann, dem nahezu seine ganze Familie in den Tod gefolgt ist. Nachdenklich stimmt etwa das Schicksal des Eisenacher Notars Erich Brückmann, der einst als Kriegsfreiwilliger für Deutschland kämpfte und durch die Nationalsozialisten zur Mittellosigkeit und schließlich zur Auswanderung gezwungen wurde. Auch andere jüdische Notare, wie Bruno Oppenheim aus Gotha oder Ludwig David aus Sondershausen, wanderten aus und überlebten die Shoa. Viele haben aber auch die rechtzeitige Auswanderung nicht mehr geschafft. Am 7. Mai 1942 schrieb etwa Dr. Alex Heilbrun aus Erfurt an das Oberlandesgericht: "Hiermit teile ich ergebenst mit, dass ich am 9. Mai 1942 evakuiert werde. Mein zukünftiger Aufenthalt ist mir nicht bekannt." Er gilt seither als Verschollen im Distrikt Lublin.

Heiko Ziemer und Sebastian C. Dewaldt sind sich einig: Das Gedenken an diese menschlichen Schicksale und die Aufarbeitung des geschehenen Unrechts ist und bleibt auch heute, 80 Jahre später, eine wichtige Aufgabe.
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