Zwölf Mann wollen ins Guinessbuch

Erste Tour nach Floh mit Kusche und Bollerwagen. Der versagte nach 300 m seine Dienste und musste spontan durch einen neuen ersetzt werden. Keine leichte Aufgabe, denn es gab es in Schmalkalden nur ein Werkzeugfachgeschäft. (Foto: Schmidt)

Ehemalige Maschinenbau-Studenten feiern am 9. Mai 2013 zum 41. Mal gemeinsam den Herrentag


GREUSSEN. „Erster Herrentag, der durch das begonnene Studium … an der Ingenieurschule für Maschinenbau in Schmalkalden gebildeten neuen Gemeinschaft der Seminargruppe i der Immatrikulation 1971 durchgeführt wurde …“ – im feinsten DDR-Deutsch mit seinen typischen Passivkonstruktionen ist das Protokoll überschrieben, das heute Kult-Status besitzt. Es dokumentiert auf witzige Weise den Beginn eines möglichen Weltrekordes. Denn: Seit 41 Jahren feiern zwölf ehemalige Studenten in unveränderter Besetzung gemeinsam den Herrentag.

Einer von den einst 32 Immatrikulierten der Ingenieurschule für Maschinenbau in der selbsternannten Autonomen Gebirgsrepublik DDR ist Heino Schmidt. Er will den Eintrag ins „Guinessbuch“. Nach einem mangels Englisch-Übersetzer gescheiterten Anlauf im Jahr 2006 soll es nun klappen. Akribisch hat er jeden Schnipsel gesammelt, der an die 40 vergangenen Treffen erinnert. Die Einladung zum 41. gemeinsamen Vergnügen hält er in der Hand. „Dietmar Kunze lädt ein“, freut sich der 62-jährige Greußener und beginnt zu erzählen.

Vom ersten Ausflug nach der Vorlesung am 11. Juni, der 1972 „leider kein Feiertag war“, vom geschmückten Handwagen, der das Fass Bier und die ersten 300 Meter Richtung Bergbaude nahe dem Örtchen Floh nicht überlebte, von der gemeinsamen Übernachtung im Vorlesungsraum der Ingenieurschule und den Nachwehen am Folgetag. Jedes Jahr ein anderer Organisator, jedes Jahr ein anderer Ort: quer durch den Thüringer Wald bis zum Stausee Kelbra und nach Stolberg, vom Seehotel im Spreewald nach Berlin ins Schiffhotel auf der Spree oder ins Zughotel der DDR-Oberen nach Wolkenstein (Erzgebirge) – zwölf Mann waren immer dabei, treffen sich nun zum 41. Mal.

Dietmar Kunze hat ins Hotel „Wilder Mann“ nahe Dresden eingeladen. Doch wild sind die Männer der einstigen 6i bei ihren Ausflügen nie geworden. Im Gegenteil: Alles läuft nach Ritual. Mittwochs Anreise, donnerstags Herrentag mit Wanderung und Feier, freitags Kultur oder Sport. Den ersten Schluck Bier am Donnerstag gibt’s erst nach dem gemeinsam intonierten Lied „Die 6i muss immer bestehen“.

Auch dieses Jahr wird das so sein, bevor die harten Zwölf am 10. Mai die Frauenkirche und das Grüne Gewölbe bestaunen oder mit der „Weißen Flotte“ auf der Elbe schippern - eben Kultur!

„Nur einmal waren wir wieder in Schmalkalden. Zum Tag der offenen Tür am 23. Juni 2007. Er hat uns in die Blechhammer-Straße zurückgeführt, in der sich vieles verändert hat“, erinnert sich Heino Schmidt. - Doch geblieben ist bis heute die Gemeinsamkeit von 40 Jahren Herrentag. Auch morgen wieder, zum 41. Mal. Wenn das nicht nach Weltrekord ruft!
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